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„Ich bin ein charmanter Dreggsagg“

Bald in Riesa: Bei Comedian Michl Müller bekommt jeder sein Fett weg – knapp über der Gürtellinie.

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© Daniel Biskup

Von Kathrin Schade

Sein Programm heißt „Ausfahrt freihalten! Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt!“ Das könnte am 3. Dezember glatt in Riesa passieren, wenn der fränkische Kabarettist Michl Müller in der Stadthalle Stern gastiert. Denn nicht selten parken dort Pkw unerlaubt direkt vor dem Haus. Die SZ sprach vorab mit dem 44-Jährigen über seine außergewöhnlichen Markenzeichen und über seine Beziehung zur Gelbwurst.

Herr Müller, Sie machen keinen Hehl daraus, dass Sie ein Dreggsagg sind. So jedenfalls steht es auf dem T-Shirt, dass Sie bei jedem Ihrer Auftritte tragen. Warum das?

Zum einen brauche ich mir keine Gedanken darüber zumachen, welches Shirt oder Hemd ich tragen werde. Aber viel wichtiger ist: damit es keine Verwechslung gibt.

Wie ist das zu verstehen?

Es ist schon Ewigkeiten her, da habe ich in einem meiner Programme einen Männerchor verarscht. Es ging um illustre Chorabende und Volkslieder. So auch um ein Lied, in dem es heißt: Bub, du musst ein Dreggsagg werd‘n, dann hast‘ es im Leben halb so schwer.... Ein Kritiker hat damals aus dem Dreggsagg eine Drecksau gemacht bzw. es so übersetzt. Aber Drecksau ist auch in Franken keine schöne Titulierung. Dreggsagg dagegen bedeutet bei uns so viel wie Schlitzohr. Einer, der auf 25 Wegen zu dem kommt, was er erreichen möchte. Und so sehe ich mich.

In Ihren Programmen bleibt nichts und niemand verschont, heißt es. Was erwartet die Zuschauer in Riesa?

Also, ich rege mich wahrlich über alles auf. Von der zugeparkten Einfahrt, über Politik, Meinungsfreiheit, militante Rentner, Kindererziehung und vieles mehr. Ich Versuche auch, von diesen Aufregern Protestlieder zu machen, die aber im Prinzip gar keine sind. Eben meine Lieder, die ich quasi zum Luftholen zwischendurch singe.

Ist der Gesang auch so ein Markenzeichen von Ihnen?

Mal abgesehen von meiner Nase (lacht), ja. Dass bei mir im Programm auch Lieder vorkommen, ich denke, es gibt keinen weiteren Kollegen, der das in dieser Form ebenso macht.

Die Zeit ist so schnelllebig. Wie viel von Ihrem Programm ist fest. Wie viel davon aktuell?

Ich fange stets ganz aktuell an. Die ersten 20 Minuten werden auf jeden Fall komplett neu geschrieben. Dann springe ich auf den roten Faden auf.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie auch viele Witze mit Bezug zu der Stadt machen, in der Sie gerade gastieren.

Für die Gags vor Ort habe ich viele Helfer. Tageszeitungen, natürlich das Internet, ein Trip durch die Stadt, Gespräche mit Passanten oder mit Mitarbeitern in der Auftrittshalle. Natürlich kann ich in der Kürze nicht alles einbauen. Aber so entstehen oft sehr gute Sachen, die für Schenkelklopfer beim Publikum sorgen.

Also schreiben Sie alles selbst?

Ja, vom ersten bis zum letzten Wort.

Gibt es eine Lieblingsperson über die Sie gern lästern?

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, eigentlich schon. Es ist immer noch die Kanzlerin, aber auch der Horst Seehofer. Dabei bin ich kein guter Imitator. Aber ich versuche, deren Stimmen und Mimik nachzuäffen. Und bis jetzt hat jeder Zuschauer diese Verwandlung erkannt. Also bin ich gar nicht so schlecht darin.

Wie schaffen Sie es, respektlos aber dennoch galant zu bleiben?

Ich bin halt ein charmanter Dreggsagg. Es soll nicht unter die Gürtellinie, sondern knapp darüber gehen. Das ist mein Prinzip.

Bekommen Sie außergewöhnliche Geschenke von Ihren Fans?

Mit dieser Frage spielen Sie bestimmt auf die Gelbwurst aus meinem ersten großen Hit die „Fleischfachverkäuferin“ an.

Richtig.

Mit diesen Weißwürsten in gelbem Kunstdarm bin ich wahrlich überhäuft worden. Die gesamte Familie und Bekanntschaft konnte ich damit versorgen. Ich präsentiere ja ziemlich viele Lieder über das Essen. Derzeit sind es Heringe in Tomatensoße, mit denen mich eingefleischte Fans beglücken. Aber das Lied von der Fleischfachverkäuferin singe ich immer noch als Zugabe.

„Ausfahrt freihalten!“ mit Comedian Michl Müller am 3. Dezember, 20 Uhr in der Stadthalle Stern Riesa; Karten zu 30 Euro gibt es in allen SZ-Treffpunkten, mit der SZ-Card sogar nur 24 Euro.