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Döbeln

„Ich bin ein Das-Glas-ist-halb-voll-Mensch“

Der Döbelner SPD-Abgeordnete will wieder in den Landtag einziehen. Dafür denkt er über eine Legislaturperiode hinaus.

Eis? Na klar, aber bitte mit Sahne! Henning Homann lässt es sich an seinem Lieblingsplatz, am Stiefelbrunnen im Herzen seiner Heimatstadt gut gehen. Dass er genau dort sein Bürgerbüro hat, sei kein Zufall, sondern Absicht. © Dietmar Thomas

Döbeln. Er legt Wert auf die kleinen Geschichten, er will der Kümmerer sein. Die Stimme für seine Region Döbeln. Aber ist auch der Generalsekretär der sächsischen SPD, der mit seinem Kampf für eine Landesverkehrsgesellschaft unsichtbare Mauern einreißen will.

Henning Homann will im September zum dritten Mal in Folge in den sächsischen Landtag einziehen. Dort hat der

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39-jährige bereits seinen aktuellen Arbeitsplatz, dort will er auch in den nächsten fünf Jahren vor allem dafür sorgen, dass es im Kampf um eine neue, schnelle und direkte Zuganbindung von Döbeln nach Dresden vorangeht.

Homann ist ein Polit-Profi. Die Antworten auf die Fragen nach seinen Zielen sind geschliffen, sorgfältig ausformuliert, x-mal durchdacht und werden an geeigneter Stelle wiederholt. Festgehalten sind sie in einer nigelnagelneuen Hochglanzbroschüre, in der er Bilanz über seine persönlichen Erfolge in der Region Döbeln, aber auch als einer der führenden Köpfe der sächsischen Sozialdemokraten zieht. Gebetsmühlenartig wiederholt er seine Vision: „Wir wollen bis 2030 Speckgürtel sein.“

Trotzdem ist der studierte Politikwissenschaftler nahbar. Die Tür seines Bürgerbüros gleich gegenüber dem Stiefelbrunnen auf dem Döbelner Niedermarkt ist weit offen. „Genau hier wollte ich mein Büro haben, denn hier tobt das Leben, sobald auch nur ein Sonnenstrahl herausschaut“, berichtet er. Und genau das sei es, was er auch beweisen will.

Fünf Fragen – fünf Antworten

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Über das herzliche Lachen meines Sohnes, wenn er das Wort ‚Limmritz‘ hört.

In welche Rolle würden Sie gern einen Tag lang schlüpfen?

In die des Geschäftsführers des Verkehrsverbundes VVO. Ich würde entweder gleich eine Entscheidung zum Zug Döbeln – Dresden treffen. Oder zumindest herausfinden, wem man dort noch auf die Füße treten muss, damit das klappt.

Welches Fahrzeug bevorzugen Sie: Diesel, Benziner oder E-Auto?

Am liebsten wäre ich mit dem Zug unterwegs. Aktuell ist es ein Diesel, das nächste Auto wird ein Hybrid.

Neben wem möchten Sie im Landtag gerne sitzen?

Es wäre klasse, wenn wir einen überparteilichen starken Döbelner Block im Landtag hätten. Sitzen möchte ich aber neben meinen Parteikollegen Ralf Wätzig und Birgit Kilian, denn das würde bedeuten, wir haben bei der Landtagswahl 15 Prozent geholt.

Auch Politiker müssen relaxen. Wobei schalten sie ab?

Mit der Familie, beim Tischtennis spielen und beim Schallplatten hören.  

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Er bestellt sich für den Fototermin an seinem Lieblingsplatz zwei Kugeln Raffaelo-Eis, und Sahne muss auch sein. Die Lust am Genießen und die Zuversicht auf eine weitere Legislatur im sächsischen Parlament lässt er sich auch von den unterirdischen Umfragewerten der bundesweiten SPD nicht nehmen. „Ich bin und war schon immer ein Das-Glas-ist-halb-voll-Mensch“, sagt Henning Homann über sich selbst.

In den Landtag kam der Döbelner, der 1996 in Roßwein Mitglied der SPD wurde, bislang immer über einen Listenplatz, nie konnte er das Direktmandat gewinnen. „Beim ersten Mal hieß es noch ,voll auf die zwölf‘. Bei der zweiten Wahl ,alle neune‘.“ Und dieses Mal sei sein Motto „high five“. Denn auch bei dieser Wahl rechne er eigentlich nicht mit dem Direktmandat, gibt er unumwunden zu. Zweifel an seinem Ehrgeiz und dem unbedingten Willen, weiterhin politisch mitgestalten zu wollen, lässt der in Düsseldorf geborene Sachse aber gar nicht erst aufkommen.

„Die Landesverkehrsgesellschaft wird kommen. Sie wird im Koalitionsvertrag stehen. Und ich als Generalsekretär werde bei den Verhandlungen dabei sein“, macht er eine klare Ansage. „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen, jetzt Strategien für die Zukunft entwickeln“, ergänzt er. Dabei dürfe man aber nicht mehr in Legislaturperioden, sondern weit darüber hinaus denken.

Seine Arbeitstage sind im Moment selten kürzer als 16 Stunden. Deshalb gebe es auch eine Zweitwohnung in Dresden. Doch zuhause ist Henning Homann in einer Mietwohnung in Döbeln. „Hier will ich auch nicht mehr weg“, macht er klar. Zu schaffen sei das Arbeitspensum derzeit aber nur, weil er eine starke Frau und ihre Unterstützung an seiner Seite weiß. 

Die größte Freude hat das seit knapp einem Jahr verheiratete Paar an ihrem sechs Monate altem Sohn. „Ich freue mich schon darauf, wenn ich den Kleinen bald morgens selbst in die Krippe schaffen darf“, sagt er. Wenn seine Frau wieder in ihren Job einsteigt, werde er die morgendlichen Aufgaben übernehmen. „Die parlamentarische Arbeit in Dresden beginnt erst gegen neun Uhr. Das schaffe ich“, sagt er. Aktuell zwar noch mit dem Auto, künftig soll das auch mit dem neuen Zug RB 110 möglich sein.

Genau das ist es, womit er vor allem junge Familien von der Döbelner Region künftig überzeugen will: auf dem Land und in den Kleinstädten gut wohnen, in den Großstädten arbeiten. „Wir haben hier alles zu bieten und können gegenüber den drei sächsischen Metropolen mit Standortvorteilen glänzen: Wir haben Kita-Plätze, eine reiche Kulturlandschaft, eine gute Bildungslandschaft, bezahlbaren Wohnraum und attraktives Bauland“, zählt Homann auf. Darin müsse aber weiter investiert und die Grundlagen verbessert werden.

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