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„Ich bin ein ganz normaler Bürger“

DJ Happy Vibes wehrt sich gegen ein Flüchtlingsheim in Kesselsdorf – und dagegen, in die rechte Ecke gestellt zu werden.

© Andreas Weihs

Von Tobias Winzer

Auf ein Wort reagiert Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes zurzeit allergisch. „Ich engagiere mich nicht politisch“, sagt er. „Das ist nicht mein Ding.“ Der 50-Jährige legt Wert darauf, dass er keiner Partei angehört, nicht der Sprecher für irgendeine Bürgerinitiative ist und auch keiner angehört. „Ich bin ein ganz normaler Bürger“, sagt der Musiker, Musikproduzent und Radiomoderator. Dass er sich „gesellschaftlich“ gegen das geplante Asylbewerberheim in seiner Heimatgemeinde Kesselsdorf einsetze, das lässt der 50-Jährige aber gerade noch gelten. Seitdem er Anfang Februar mit diesem Anliegen im Kreistag aufgetreten ist, lässt ihn das Thema nicht mehr los. Hofmann wehrt sich dagegen, in die rechte Ecke gestellt zu werden.

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An dem gebürtigen Dresdner, der seit 20 Jahren im Wilsdruffer Ortsteil Kesselsdorf wohnt und sich dort ein hübsches Haus inklusive Tonstudio gebaut hat, lässt sich beispielhaft der Konflikt erzählen, der die Gesellschaft zurzeit spaltet. Für manche ist DJ Happy Vibes zum Symbol für den Kampf „Wir gegen Die“ geworden. So ist es in Kommentaren auf Facebook herauszulesen. 17 000 Nutzer folgen dem Künstler mit der umgedrehten Schirmmütze als Markenzeichen dort. Jeden Samstagabend ist er sachsenweit mit seiner Radioshow Maxi-Mal zu hören.

Petition zieht Kreise

Mit der Flüchtlingspolitik befasst sich Hofmann seit Sommer 2015. „Hier in Kesselsdorf ging immer alles seinen Gang. Da gab es gar keinen Grund, sich zu engagieren.“ Bei einer Bürgerversammlung wird den Bewohnern damals mitgeteilt, dass ein Bürohaus im Gewerbegebiet zu einem Heim für 120 Asylbewerber umgebaut werden soll. Hofmann erinnert sich vor allem an den Satz eines Polizisten auf dem Podium. Die Sicherheit könne nicht gewährleistet werden, weil man nur einen Streifenwagen habe, soll dieser gesagt haben. „Da gab es einen Riesentumult“, so Hofmann. „Der Staat muss für die Sicherheit sorgen.“

Er verweist auf Zahlen der Landesregierung, wonach in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres insgesamt 1 006 Straftaten in Asylbewerberheimen registriert wurden. „Wir haben die Ängste, dass es genauso auch hier passiert.“

Als Ende 2015 bekannt wird, dass die Zahl der Plätze in dem Heim von 120 auf 250 erhöht werden soll, verfasst Hofmann eine Petition und sammelt innerhalb weniger Tage tausend Unterschriften im Ort. Er fordert darin, die Aufnahme von Flüchtlingen in Kesselsdorf zu stoppen, bis die Rechtsordnung wiederhergestellt sei. „Beenden Sie diese Suizid-Politik. Schluss mit dem ’Winke Winke‘“, steht unter anderem in der Petition.

„Ich bin konservativ und werde es bleiben“, sagt Hofmann, der betont, nichts gegen die Flüchtlinge zu haben. Es könne aber nicht sein, dass Deutschland alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehme. Er fordert, dass die Menschen finanzielle Hilfe in ihren Heimatländern bekommen. Er sagt aber auch: „Mir fehlt das Faktenwissen. Ich habe keine Ahnung.“ Hofmann wünscht sich vor allem, dass man ihm und seinen Mitstreitern zuhört und ihm jemand seine vielen Fragen zur aktuellen Flüchtlingspolitik beantwortet.

Darum geht es dem Musiker seit dem 1. Februar. Hofmann kommt immer noch in Rage, wenn er über seinen Auftritt im Kreistag spricht. Er war gekommen, um seine Petition zu überreichen. Weil er sich nicht an das Format der Fragestunde hielt, in der nur Fragen gestellt werden dürfen, wurde er vom Vize-Landrat Heiko Weigel in seiner Rede unterbrochen. „Ich wurde dort abgewatscht“, sagt Hofmann, der seinem Ärger auf Facebook Luft gemacht hat. „Es war eine Farce, wie man von oben herab mit Bürgern umgeht“, schreibt er dort.

„Ich mache Party und Comedy“

Man dürfe seine Rolle als Bürger und als sachsenweit bekannter Musiker nicht vermischen, sagt er. Der Pegida-Macher Lutz Bachmann, ebenfalls Kesselsdorfer, sei ein Jugendfreund, und man sei auch auf Facebook befreundet. „Wegen seiner politischen Einstellung stampfe ich niemanden weg“, sagt Hofmann. „Was er politisch macht, geht mich nichts an.“ Auf die Frage, ob er Sympathie mit der Pegida-Bewegung empfinde, antwortet er zögerlich. In dem 19-Punkte-Programm von Pegida seien viele richtige Ansätze enthalten. Mitgelaufen bei den Demonstrationen sei er aber noch nie. „Wenn man Montag für Montag auf die Straße geht, erreicht man nichts.“

So wie die Pegidisten auch, fühlt er sich zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt – vor allem seit er Anfang dieser Woche vom Stadtfest in Bischofswerda im Juni ausgeladen wurde. Die Veranstalter begründeten dies offiziell damit, dass man doch lieber einen Live-Musiker verpflichten wollte. Es hieß aber auch: Künstler, bei deren politischen Ansichten man Zweifel habe, „dass sie für die demokratischen Werte unserer Gesellschaft eintreten, haben auf der Stadtfestbühne nichts zu suchen“.

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Hofmann sieht das als Rufschädigung. „Ich werde rechtlich dagegen vorgehen.“ Das gleiche einem politischen Berufsverbot. „Wie kann es sein, dass ich als Undemokrat hingestellt werde? Dabei gibt es nichts Demokratischeres, als eine Petition einzureichen“, sagt er. Er verstehe nicht, warum er im Verdacht steht, die Bühne für politische Statements zu nutzen. „In 20 Jahren Radio habe ich das nie gemacht. Ich mache Party und Comedy.“