merken

Politik

"Ich denke, sie spielen mit dem Feuer"

Der Iran hat erstmals gegen die Auflagen des Atomabkommens verstoßen.  Dafür gibt es wieder Drohungen und Warnungen aus Washington.

US-Präsident Donald Trump hat den Iran eindringlich vor der weiteren Anreicherung von Uran gewarnt.
US-Präsident Donald Trump hat den Iran eindringlich vor der weiteren Anreicherung von Uran gewarnt. © Alex Brandon/AP/dpa

Washington. In der Krise mit dem Iran haben die USA die Führung in Teheran eindringlich vor der angedrohten Anreicherung von Uran gewarnt. "Sie wissen, womit sie spielen, und ich denke, sie spielen mit Feuer", sagte US-Präsident Donald Trump am Montag im Weißen Haus. 

US-Außenminister Mike Pompeo forderte den Iran auf, die Anreicherung von Uran zu stoppen. Teheran "nutzt weiterhin sein Atomprogramm, um die Internationale Gemeinschaft zu erpressen und die regionale Sicherheit zu bedrohen", kritisierte Pompeo. Kein Atomabkommen dürfe dem Iran jemals erlauben, Uran anzureichern.

Sächsische.de zum Hören!

Zu Hause, unterwegs, in der Pause – Sächsische.de kann man nicht nur lesen, sondern auch immer und überall hören. Hier befinden sich unsere Podcasts.

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vom Montag hat der Iran erstmals die Obergrenze seiner niedrigangereicherten Uranvorräte überschritten. Die IAEA teilte in Wien mit, IAEA-Chef Yukiya Amano habe den Gouverneursrat der UN-Behörde entsprechend informiert. Nach dem Wiener Atomabkommen liegt die vorgeschriebene Obergrenze bei 300 Kilogramm.

Das Atomabkommen von 2015 soll dazu dienen, den Iran am Bau einer Atombombe zu hindern. Neben der Obergrenze bei den erlaubten Vorräten muss der Iran auch die Auflage beachten, dass er sein Uran nicht höher als 3,67 Prozent anreichern darf. Diese zweite Auflage will Teheran nach bisherigen Angaben am 7. Juli verletzen.

Ein iranischer Techniker arbeitet an einer Uran-Aufbereitungsanlage. Der Iran soll einem Medienbericht zufolge erstmals die Obergrenze seiner niedrigangereicherten Uranvorräte überschritten haben.
Ein iranischer Techniker arbeitet an einer Uran-Aufbereitungsanlage. Der Iran soll einem Medienbericht zufolge erstmals die Obergrenze seiner niedrigangereicherten Uranvorräte überschritten haben. © Vahid Salemi/AP/dpa

Trump sagte Fox News in einem am Montag ausgestrahlten Interview, dem Iran dürfe niemals erlaubt werden, über Atomwaffen zu verfügen. Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton warf dem Iran auf Twitter vor, mit der Anreicherung schneller in den Besitz einer Atombombe kommen zu wollen.

Pompeo teilte mit, die USA wollten ein neues, umfassendes Abkommen mit dem Iran aushandeln, "um seine Bedrohungen für internationalen Frieden und Sicherheit zu beseitigen. Solange der Iran Diplomatie weiterhin ablehnt und sein Atomprogramm ausbaut, werden wirtschaftlicher Druck und diplomatische Isolation stärker werden."

Das Weiße Haus teilte mit, Trump habe mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über die Entscheidung Teherans gesprochen, Uran über die erlaubte Grenze hinaus anzureichern. Trump hatte das Atomabkommen mit dem Iran im Mai vergangenen Jahres einseitig aufgekündigt. Die verbliebenen Unterzeichnerstaaten - das sind die UN-Vetomächte China, Frankreich, Großbritannien, Russland sowie Deutschland - halten an dem Atomabkommen fest.

Die Europäische Union rief den Iran auf, die Entscheidung zur Urananreicherung zurückzunehmen. Das Land habe sich nach dem Ausstieg der USA 14 Monate lang an das Abkommen gehalten, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini, Maja Kocijancic. Die EU halte an der Vereinbarung fest, solange der Iran seine Verpflichtungen im Nuklearbereich einhalte.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Ein Bündnis gegen den Iran

Die Willigen und die Unwilligen: Amerika will eine Allianz gegen Teheran schmieden. Doch es gibt Vorbehalte – auch bei Verbündeten. Eine Analyse.

Symbolbild verwandter Artikel

Trump droht Iran mit "Auslöschung"

US-Präsident Donald Trump hat seine Rhetorik gegenüber dem Iran erneut verschärft und vor einem Angriff Teherans gewarnt.

Symbolbild verwandter Artikel

Trump sagt Angriff auf Iran ab

Nie war eine militärische Konfrontation so nah wie jetzt: Der US-Präsident hat nach eigenen Angaben einen Angriff auf den Iran nur zehn Minuten vorher gestoppt.

Symbolbild verwandter Artikel

Iran schießt US-Drohne ab

Die Lage am Persischen Golf eskaliert weiter: Im Süden des Landes haben Revolutionsgarden nach eigenen Angaben eine Drohne der USA vom Himmel geholt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu forderte die EU auf, die vom UN-Sicherheitsrat vorgesehenen automatischen Sanktionen gegen den Iran bei Verstößen gegen das Nuklearabkommen in Kraft zu setzen. "Halten sie sich an ihre Verpflichtung. Sie haben sich verpflichtet, in dem Moment zu reagieren, wenn der Iran gegen das Atomabkommen verstößt. Also sage ich ihnen: Tun sie es. Tun sie es einfach", sagte er laut einer Mitteilung seiner Kanzlei. (dpa)