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„Ich freue mich auf Geising“

Maika Jorgel kennt das obere Erzgebirge als Urlaubsziel. Nun möchte die Ärztin die Region ganz anders kennenlernen.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Altenberg. Im Sommer wird eine Arztpraxis in Geising eröffnet. Und das an zentraler Stelle, unmittelbar am Bahnhof. Hier wird Maika Jorgel künftig große und kleine Patienten behandeln. Das ist ein Glücksfall für Geising und das Osterzgebirge. Denn bereits 2016 hat der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen festgestellt, dass es „aufgrund des bestehenden Versorgungsgrades und der Altersstruktur der Hausärzte“ in der Region Dippoldiswalde eine „drohende Unterversorgung“ gibt.

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Dem Frühling entgegenlaufen

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In diesem Wohn- und Geschäftshaus am Geisinger Bahnhof wird die Fachärztin für Allgemeinmedizin Maika Jorgel ihre Praxis eröffnen. © Egbert Kamprath

Diese wird von Maika Jorgel nun abgemildert. Die 43-Jährige stammt aus Reich-
städt, wohnt in Dippoldiswalde und hat sich ins obere Osterzgebirge verguckt. „Ich kenne die Gegend“, sagt sie. Mit ihrer Familie war sie hier schon oft wandern und Ski fahren. Nun soll es etwas Dauerhaftes werden – allerdings beruflich.

„Es war gar nicht so leicht, passende Räume für eine Praxis zu finden“, sagt sie. Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten hatte ihr angeboten, diese im früheren Geisinger Rathaus zu eröffnen. Die Idee sei nicht schlecht gewesen. Das Gebäude steht an zentraler Stelle, im hinteren Teil des Grundstücks gibt es auch Parkplätze. Und das Ingenieurbüro von Lars Kamenz hatte sich bereits Gedanken gemacht, wie die Räume umgestaltet werden können. Bei näherer Betrachtung kam sie aber zum Schluss, dass sich dieses Gebäude nicht eignet. Die Fläche ist zu klein. Es müsste zu viel umgebaut werden, und das in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Und da es sich um ein älteres Gebäude handelt, müsste sie sich auch auf Überraschungen beim Umbau gefasst machen. Aus diesen Gründen nahm sie Abstand von der Idee.

Komplizierter Weg

Dass sie dennoch fündig wurde, liegt am Lauensteiner Bauunternehmer Heiko Zier. Der erfuhr von den Bemühungen der Ärztin. Da Zier in Geising schon an vielen Stellen tätig war, mit dem Städtchen und seinen Bewohnern vertraut ist, kennt er viele Immobilien, so auch das Wohn- und Geschäftshaus am Bahnhof. Dort ließe sich mit etwas Aufwand eine 160 Quadratmeter große Praxis im Erdgeschoss einrichten, schlug er vor. Maika Jorgel schaute sich das Objekt an und war begeistert. Zier hat inzwischen einiges unternommen, um Platz zu schaffen. Nun arbeitet Maika Jorgel daran, hier ihren Traum zu verwirklichen. Es ist ein komplizierter Weg, sagt sie.

Doch ist sie zuversichtlich, dass es funktioniert. Sollte es gelingen, würde sich ein Kreis schließen. Denn schon nach der Schule wollte sie in den medizinischen Bereich gehen. „Ich wollte Radiologieassistent werden“, erinnert sie sich. Doch das ließ sich nicht realisieren. Deshalb schaute sie sich damals nach einem anderen Berufsfeld um. Sie entschied sich für die Hotellerie. Maika Jorgel begann eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Zinnwalder Hotel Lugsteinhof. 1997 schloss sie die Ausbildung ab und ging nach Dresden, um dort in einem größeren Hotel zu arbeiten. Zuletzt war sie dort die Chefin am Empfang.

Trotz ihrer beruflichen Weiterentwicklung war sie mit dem eingeschlagenen Weg nicht ganz zufrieden. 2002 sah sie ihre Chance, etwas Neues anzufangen. Sie begann ein Medizinstudium an der Technischen Universität Dresden. „Mir war klar, dass diese Ausbildung lange dauern wird“, sagt sie. Doch sie wusste, dass ihr Mann ihr den Rücken frei halten und sie dabei unterstützen wird. So schaffte sie es, ihr Studium nach sechs Jahren 2008 abzuschließen. An das Studium schloss sich eine mehrjährige Facharztausbildung an. Dazu musste sie in verschiedenen Bereichen in Krankenhäusern und in Facharztpraxen arbeiten. Ihr Anspruch war es, bei möglichst vielen Fachärzten „in die Lehre“ zu gehen. Und das tat sie. Als angestellte Ärztin arbeitete sie in der Urologie, in der Chirurgie, in der inneren Medizin sowie bei einem Hautarzt und einem Kinderarzt. Gerade Letzteres war ihr wichtig. Und das liegt nicht nur daran, dass sie selbst zwei Kinder hat, sondern auch, weil sie weiß, dass es im Osterzgebirge wenig Kinderärzte gibt. Ihre letzte Station auf dem Weg zur Fachärztin der Allgemeinmedizin war die Mitarbeit in einer Geisinger Allgemeinarztpraxis.

Eröffnung im Sommer

In den letzten zehn Jahren hat sie trotz der Wechsel und mitunter langen Fahrzeiten zu den Praxen und Krankenhäusern – sie arbeitete unter anderem auch in Döbeln – viel dazugelernt. Und das nicht nur auf medizinischem Gebiet. Maika Jorgel hat sich auch angeschaut, wie Praxen organisatorisch geführt werden. Und das sei auch wichtig. Schließlich wisse sie aus eigener Erfahrung, dass niemand gern auf den Arzttermin warten möchte. Ganz vermeiden werde man so etwas nie, sagt sie. Dennoch möchte sie dafür sorgen, dass ihre Patienten nur kurz im Wartezimmer Platz nehmen müssen. Dabei soll moderne EDV-Technik helfen.

Bis es so weit ist, ist noch einiges zu tun. Unter anderem muss Maika Jorgel noch Personal gewinnen. „Eine Praxisschwester habe ich schon“, sagt sie. Nun sucht sie noch eine zweite. Später könnte es weitere Verstärkung geben. Die 43-Jährige hofft, dass sie im Juni oder Juli ihre Praxis eröffnen kann. Nach Geising ziehen möchte sie nicht. Dazu ist sie zu sehr in Dipps verwurzelt. Den Fahrweg zwischen ihrer Heimatstadt und Geising möchte sie am Morgen nutzen, um sich auf die Arbeit vorzubereiten und am Abend, um abzuschalten.

„Ich freue mich, dass ich die Arbeit mit den Patienten, die ich vor eineinhalb Jahren in Geising begonnen habe, demnächst fortführen kann“, sagt Frau Jorgel.

Osterüberraschung