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„Ich habe ein Adenauer-Ergebnis erzielt“

Geert Mackenroth darf wieder für die CDU in den Landtagswahlkampf ziehen. Am Ende wurde es knapp in Riesa.

Riesa. Eine echte Riesaer Besonderheit: So kommentiert Geert Mackenroth, dass er der einzige CDU-Landtagsabgeordnete ist, der sich in Sachsen einer Kampfabstimmung um die Nominierung für die Landtagswahl 2019 stellen musste. Und diese ging auch noch knapp aus: Im ersten Wahlgang im Riesaer Riesenhügel erreichte der langjährige Politiker 20 von 42 möglichen Stimmen, sein Herausforderer Markus Mütsch kam auf 16, der außerhalb der Partei eher unbekannte Ralf Kregel auf fünf Stimmen. Erst im zweiten Wahlgang konnte sich Mackenroth gegen Mütsch mit 22 gegen 19 Stimmen durchsetzen. Jeweils eine Stimme in beiden Wahlgängen war ungültig. Die SZ hat bei dem Radebeuler nachgefragt.

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Der Sommer ist vorbei und für so manchen steht ein Wechsel des Kleiderschranks an. Aber  warum denn nur den Inhalt wechseln, wenn doch der ganze Schrank ausgetauscht werden kann?

Herr Mackenroth, 53 Prozent im zweiten Wahlgang gegen Markus Mütsch: Das sieht knapp aus. Hat Sie das Ergebnis überrascht?

Ich habe ein klassisches Adenauer-Ergebnis erzielt. Der war auch nur mit einer Stimme Mehrheit – seiner eigenen – zum ersten Bundeskanzler gewählt worden. Die Mehrheit ist knapp, aber sie steht hinter mir. Deshalb werde ich den Wahlkampf für den Landtag führen. Und zwar mit Freude.

Man hätte vermuten können, dass das Ergebnis aufgrund Ihres Bekanntheitsgrads und Ihrer Vernetzung in Dresden eindeutiger zu Ihren Gunsten ausfällt. Was denken Sie, warum rund die Hälfte der Stimmen auf die Konkurrenz entfielen?

Mein Bekanntheitsgrad spielt nächstes Jahr im Wahlkampf eine Rolle. Jetzt innerhalb der Partei ist der nachrangig. Dort sind derzeit viele Mitglieder unzufrieden – mit Blick auf Berlin, vor allem beim Thema Flüchtlingspolitik. Da steht vielen der Sinn nach Wechsel, auch personeller Art. So erkläre ich mir die vielen Stimmen für Mütsch. Aber eine personelle Erneuerung ist kein Selbstzweck. Auf die Inhalte kommt es an.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die wesentlichen inhaltlichen Unterschiede zwischen Ihnen und Markus Mütsch? Der Ausbau der B 169 etwa dürfte doch bei beiden eine wichtige Rolle spielen.

Wenn es nach Markus Mütsch gegangen wäre, wäre die B 169 schon seit Jahren fertig. Aber so eine Sichtweise ist naiv: Wenn sich so ein Bauverfahren rechtsstaatlich nicht beschleunigen lässt, ist das eben so. Mütsch würde die CDU ein Stück nach rechts rücken. Aber dann würden wir links Stimmen verlieren. Genauso, wie wir bei einem Linksschwenk rechts Stimmen verlieren würden. Ich will die CDU als Volkspartei stärken. Die Frage ist, was hilft Familien, was dem ländlichen Raum. Wir müssen Wähler von den Grünen genauso wie von der AfD zu uns zurückholen.

Potenzielle CDU-Wähler dürften sich so oder so dafür interessieren, wer auf Merkel als Parteivorsitzende folgen soll: Kramp-Karrenbauer, Spahn, Merz. Mit wem von den dreien können Sie denn am besten?

Ich nehme an, dass in Sachsen viele Leute die Kandidatur von Friedrich Merz für gut halten. Die hoffen, dass die CDU dadurch nach rechts rückt. Das allerdings wünsche ich mir nicht. Annegret Kramp-Karrenbauer ist eine großartige Rednerin. Sie gilt zwar vielen als Stammhalterin der Kanzlerin, würde aber ihre eigenen Wege gehen. Spahn wäre aus meiner Sicht auch geeignet, sollte aber erst noch ein paar Jahre reifen. Ich finde aber gut, dass wir in der Partei nun eine echte Alternative haben.

Hier in der Region dürfte die Wähler der Umgang mit der AfD interessieren. Sie sagten kürzlich, Sie freuen sich auf die inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD. Über welche Themen würden Sie gern mit Carsten Hütter, Ihrem Konkurrenten im Wahlkreis, debattieren?

Hütter ist sicherheitspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion – ich bin innenpolitisch nicht unerfahren. Auf das Thema freue ich mich. Ich würde aber auch über Soziales, Rente, Europa, Migration sprechen. Wichtig ist, dass sich die AfD der Diskussion stellt. Ich könnte mir gut ein Wahlforum oder eine öffentliche Diskussionsrunde in Riesa vorstellen.

Interview: Christoph Scharf