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Riesa

„Ich habe in Riesa noch eine Rechnung offen“

Der Tenor Björn Casapietra kommt in die Stadt – wo es bislang eher nicht so gut für ihn lief.

Björn Casapietra ist seit Ende November auf Jubiläumstour durch Deutschland unterwegs. Kurz vor dem Abschluss tritt er dabei noch in Riesa auf.
Björn Casapietra ist seit Ende November auf Jubiläumstour durch Deutschland unterwegs. Kurz vor dem Abschluss tritt er dabei noch in Riesa auf. © Björn Casapietra

Ganz offenkundig ist es bei dem klangvollen Nachnamen nicht: Aber Björn Casapietra hat sächsische Wurzeln. Er ist der Sohn des berühmten Dresdner Dirigenten Herbert Kegel und der italienischen Sopranistin Celestina Casapietra. Und wegen dieses Bezugs zu Sachsen ärgert sich der Tenor besonders, dass auf seiner aktuellen Tour gerade der Auftritt in Riesa Schwierigkeiten macht. Die SZ sprach mit dem 49-Jährigen, der in Berlin lebt.

Herr Casapietra, Sie sind gerade quer durch Deutschland auf Tournee. Aber Riesa beschäftigt Sie offenbar besonders. Warum?

Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Fast zehn Jahre lang habe ich daran gearbeitet, für ein Konzert in eure Trinitatiskirche zu kommen. Und jetzt läuft gerade dort der Verkauf sehr zurückhaltend, während ich anderswo ständig vor vollen Häusern auftrete. Gerade erst habe ich vor vielen Hundert Besuchern in Frankfurt/Oder gesungen, davor in Stendal, in Potsdam und Berlin. Überall gibt es Standing Ovations und begeisterte Zuhörer. Nur in Riesa gibt es Schwierigkeiten.

Wieso haben Sie denn überhaupt zehn Jahre gebraucht, um an die Trinitatiskirche zu kommen?

Ich habe in den Jahren mit mehreren Pfarrern gesprochen, aber mehrfach hieß es, man wolle nur geistliche Konzerte, nichts kommerzielles. Dabei habe ich in Riesa doch noch eine Rechnung offen.

Warum denn das?

Vor vielen Jahren bin ich einmal in Riesa aufgetreten, aber nicht in so einer schönen Kirche, sondern in einem Nebenraum eurer Stadthalle. Und damals stand ich noch ganz am Anfang meiner Tournee-Tätigkeit. Da wusste ich noch gar nicht, wie man souverän singt. Das war kein so gutes Konzert, das sage ich ganz ehrlich. Heute bin ich gereift und gewachsen als Sänger. Ich gebe 100 Konzerte pro Jahr. Und ich möchte auch Riesa beweisen, dass ich ein guter Tenor geworden bin. Ich bin nicht mehr nur der junge Schönling, der ich vor zehn, zwölf Jahren war.

Außerhalb von Riesa weiß man das wohl eher zu schätzen ...

Absolut! Auch in Sachsen. Wenn ich in Schloss Schönfeld auftrete, ist dort immer ausverkauft. Da singe ich seit Jahren. Und ständig müssen wir dann Leute wegschicken, weil der Platz im Saal nicht reicht. Auch deshalb bin ich jetzt auf Riesa gekommen. Zumal ich ja durch meinen Vater Herbert Kegel eine besondere Beziehung zu Sachsen habe.

Aber geboren wurden Sie doch in Italien ...

Schon. Aber aufgewachsen bin ich in der DDR, wo ich auch den Kindergarten besucht habe. Durch meine Biografie bin ich auch besonders engagiert beim Thema Fremdenfeindlichkeit. Dazu äußere ich mich regelmäßig bei meinen Konzerten, da kenne ich keine Scheu. Vor allem aber singe ich, um die Leute zu begeistern. Beim letzten Mal in Riesa war ich noch auf der Suche, heute weiß ich, wie das geht.

Die Fragen stellte Christoph Scharf.

  • Konzert „Christmas Love Songs – Ein romantisches Neujahrskonzert – Die Jubiläumstour“ am 4. Januar 2020 um 19 Uhr in der Trinitatiskirche Riesa.
  • Karten kosten 33,25 Euro für Erwachsene, Kinder (4-14 Jahre) zahlen 17,30 Euro, ebenso die Begleitung von Behinderten mit B-Ausweis. Erhältlich sind sie unter anderem im SZ-Treffpunkt und bei der Riesa Information.