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Ein Leben für die Anderen

Veronika Sperling hat den Ehrenamtspreis der Stadt Pirna erhalten. Ihr Herz schlägt für Menschen. Aber nicht nur.

© Norbert Millauer

Von Mareike Huisinga

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Pirna. Das war eine gelungene Überraschung: Veronika Sperling wurde auf dem Neujahrsempfang mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Pirna gewürdigt. Was ist das für ein Gefühl? Die 68-Jährige überlegt. „Ich bin schon etwas stolz“, sagt sie leise und fügt sofort hinzu: „Den Preis nehme ich aber stellvertretend für alle an, die sich ehrenamtlich engagieren. Es ist eine schöne Anerkennung unserer Leistung.“

Als sie von der Ehre erfuhr, ist sie zuallererst auf den Friedhof gegangen, um es ihrem verstorbenen Mann zu erzählen.

Veronika Sperling engagiert sich vielfältig für die Stadt Pirna. Sie ist Mitglied in der Landesseniorenvertretung für Sachsen sowie in der Seniorenvertretung für Pirna. Außerdem organisiert sie für die Volkssolidarität Ortsgruppe Sonnenstein die Öffentlichkeitsarbeit. Am nächsten dran an den Menschen ist sie jedoch, wenn sie jeden Mittwoch ihre grüne Weste überzieht und als Grüne Dame Patienten im Klinikum Pirna betreut. Sie hört zu, erfährt von den Probleme und Sorgen der Kranken.

Oftmals wird sie zunächst skeptisch empfangen. Kein Wunder, sie ist eine Fremde für die Patienten. Aber mit viel Empathie gelingt es ihr meistens, schnell Zugang zu den Menschen zu finden. „Das Schönste ist für mich, wenn mir dann jemand nach zwei Stunden die Hand drückt und darum bittet, dass ich bald wiederkomme. „Dann weiß ich, dass ich etwas Gutes getan habe“, erzählt Veronika Sperling. Als Grüne Dame erfährt sie von vielen Schicksalen, die ihr nahe gehen. Nicht immer kann sie zu Hause abschalten. „Ich habe Mitleid, darf aber nicht mitleiden“, erklärt sie. Hilfe und Unterstützung bekommt sie in den Teambesprechungen mit den anderen Grünen Damen, wo man sich austauscht. Verschwiegenheit ist dabei immer das oberste Gebot.

Gut zuhören zu können ist die wichtigste Voraussetzung für ihr Ehrenamt im Klinikum. Das gilt natürlich auch für ihr Engagement in der Seniorenvertretung für Pirna. Ein besonders zeitaufwendiger Job, der sich jedoch lohnt, weil Sperling mit den anderen Mitstreitern viel für Pirna bewegen kann.

Unter anderem ist es der Seniorenvertretung zu verdanken, dass jetzt der Citybus durch Pirna rollt und das Tagesticket lediglich 1,50 Euro kostet. Sperling hofft, dass künftig auch der Bahnhof und das Seniorenwohnheim an der Einsteinstraße angefahren werden. Und noch einen Wunsch hat die stellvertretende Vorsitzende der Seniorenvertretung: Die Radfahrer in der Dohnaischen Straße sind ihr ein Dorn im Auge. „Wir plädieren dafür, dass die Radfahrer in der Fußgängerzone schieben müssen. Besonders im Sommer, wenn Tische und Stühle draußen stehen und viele Touristen kommen, ist es für Radfahrer und Fußgänger einfach zu eng“, sagt sie.

Ihre Ehrenämter kosten viel Zeit. Warum engagiert sie sich trotzdem? Wieder lächelt Veronika Sperling und überlegt gut. Es gibt mehrere Gründe. „Ich möchte gerne meine Erfahrung an jüngere Menschen weitergeben“, sagt sie dann. Wenn es ihr gelingt, den Menschen Zugehörigkeit und Geborgenheit zu vermitteln, hat sie viel erreicht. Dabei steht immer der Mensch für sie im Mittelpunkt. „Ich akzeptiere jeden so, wie er ist, egal ob groß, klein, dick oder dünn“, zählt sie auf. Und sie möchte nicht missverstanden werden. „Ich bekomme auch viel zurück. Manchmal ein Lächeln, manchmal ein Händedruck.“

Viele neue Aufgaben

Sich für andere einzusetzen spiegelt sich in ihrem Lebenlauf wieder. Geboren wird Veronika Sperling in Dresden. Da ihr Vater eine Arbeit beim Strömungsmaschinenbau bekommt, zieht sie mit ihren Eltern 1958 nach Pirna. Ihr Abitur mit Berufsausbildung schließt sie als Chemielaborantin ab. Nach einer Mutterschaftspause arbeitet sie im Strömungswerk, Abteilung Galvanik.

Oft geht sie am Wochenende in das Pflegeheim an der Einsteinstraße, um dort ehrenamtlich mitzuhelfen. Vielleicht bekommt sie auch deshalb, unmittelbar nachdem die Ströma schließt, 1993 eine Umschulung zur examinierten Altenpflegerin. Nach dem Abschluss stellt die Volkssolidarität Veronika Sperling ein, wo sie bis zur Rente 2012 arbeitet. Um nicht in das berühmte Loch zu fallen, stürzt sie sich sofort ins Ehrenamt und geht in ihren neuen Aufgaben auf. Zeit für den geliebten Kleingarten, Lesen, Theaterbesuche bleiben dennoch. Kein Dynamospiel in Dresden verpasst sie. „Ich war schon immer Dynamo-Fan“, sagt sie und muss schmunzeln.

Das Allerwichtigste ist jedoch ihre Familie. Ihre erwachsene Tochter, der Schwiegersohn und Enkel Marcel leben bei Münster. Trotz der Entfernung sind sie sich nah. Oft fährt Veronika Sperling hin und bekommt Gegenbesuche. „Wir halten gut zusammen“, sagt die Mutter und Großmutter. Ein warmes Strahlen huscht bei diesen Worten über ihr Gesicht.