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„Ich habe nicht mehr so viel Ruhe“

Im Alter von nur 24 Jahren hat Biathletin Laura Dahlmeier schon alle wichtigen Titel gewonnen – und Lust auf mehr.

© dpa

Auch wenn es mit ihrem zweiten Gesamtweltcupsieg hintereinander wohl nichts mehr wird, ist Laura Dahlmeier kurz vor dem Ende der Biathlon-Saison zufrieden. Auch mit ihrer stetig wachsenden Popularität kann die zweifache Olympiasiegerin immer besser umgehen. Im Urlaub will die 24-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen entscheiden, was sie sich für ihre sportliche Zukunft vornimmt. Motivationsprobleme fürchtet die siebenmalige Weltmeisterin dabei nicht, auch wenn die Winterspiele 2022 in Peking für Deutschlands Sportlerin des Jahres 2017 noch kein Thema sind.

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Können Sie eigentlich noch unerkannt vor die Tür gehen, oder werden Sie mittlerweile ständig angesprochen?

Als ich aus Südkorea nach Hause gekommen bin, ist mein Briefkasten übergequollen. Das war phänomenal, und das habe ich so noch nicht erlebt. Schon am Flughafen bin ich deutlich mehr angesprochen worden. Bei Olympia schauen mehr und vor allem andere Menschen zu. Da steht man mehr im Fokus. Dadurch hat sich der Bekanntheitsgrad innerhalb Deutschlands sicherlich weiter gesteigert.

Sie suchen das Rampenlicht aber nicht gerade. Deswegen ist das sicherlich keine leichte Situation für Sie?

Es ist, wie es ist. Damit muss ich einfach umgehen. Primär ist es nie mein Ziel gewesen, mit Biathlon super bekannt zu werden, sondern ich wollte mich persönlich weiterentwickeln und eine der besten Athletinnen der Welt in meinem Sport werden. Alles andere gehört dazu. Es freut mich, dass sich so viele Menschen für mich interessieren. Das positive Feedback kann motivieren und beflügeln. Auf der anderen Seite ist es auch eine Rolle, in die ich hineinwachsen muss. Jeder Schritt wird mittlerweile kritisch beäugt. Ich habe sicherlich nicht mehr so viel Ruhe wie früher.

Sie sind seit knapp zwei Wochen wieder im Weltcup unterwegs. Hatten Sie überhaupt schon Zeit, Ihre beiden Olympiasiege zu genießen?

Ich habe schon ganz gut abschalten können, auf meine Art und Weise. Ich war in den Bergen unterwegs. Ich reflektiere in diesen Momenten immer ganz gerne. Ich war sicherlich in dieser Saison nicht so dominant unterwegs wie vor einem Jahr. Von daher ist mir in Pyeongchang schon eine Wahnsinns-Leistung gelungen. Ich war sofort im Sprint Olympiasiegerin, habe das zwei Tage später im Verfolgungsrennen bestätigt und dann auch noch Bronze im Einzelwettbewerb geholt. Für mich waren es wahnsinnig erfolgreiche Olympische Winterspiele, und mir ist es gelungen, die Jahresbestleistung beim Höhepunkt abzurufen. Das habe ich in den vergangenen Jahren immer geschafft. Das freut mich riesig.

Sie hätten durchaus noch zwei Medaillen mehr gewinnen können, aber in den Staffeln patzten Ihre Kolleginnen. Hat Sie das frustriert?

Im ersten Moment denkt man da schon dran. Einmal kann so etwas ja passieren, aber wenn es zweimal in zwei Tagen ist, dann ist das schade. Aber ich muss nicht traurig sein. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt. Das hat mich als Sportlerin weitergebracht, und ich habe mich als Mensch weiterentwickelt. Für mich überwiegt das Positive.

Mit dem Sieg im Gesamtweltcup dürfte es in diesem Jahr nichts mehr werden. Vor den abschließenden vier Einzelrennen liegen Sie auf Platz vier. Wären Sie enttäuscht, wenn es nicht klappt?

Nein, wäre ich nicht. Mein ganz großes Ziel war Olympia. Da wollte ich topfit sein. Für mich ist es jetzt nur noch wichtig, Spaß zu haben, mich noch einmal zu motivieren und gute Ergebnisse zu zeigen.

Jetzt steht das Wochenende in Oslo an. Dann geht es zum Saisonfinale nach Tjumen. Sehnen Sie das Ende herbei?

Ich denke, dass es ganz normal ist, dass man sich am Ende der Saison darauf freut, dass es vorbei ist. Aber derzeit bin ich echt noch motiviert für die letzten Rennen.

Einige Athleten verzichten aus Protest wegen des russischen Staatsdopings auf Tjumen. Haben Sie auch daran gedacht?

Es ist natürlich ein Thema, und man spricht untereinander darüber, sowohl im deutschen Team als auch international, aber ernsthaft habe ich nicht darüber nachgedacht, nicht hinzufahren. Als deutsches Team haben wir einen offenen Brief an den Weltverband geschrieben. Wir befürworten es nicht unbedingt, jetzt nach Russland zu reisen. Aber ich habe das ganze Jahr trainiert und liege sowohl in den Disziplinwertungen als auch im Gesamtweltcup nicht schlecht. Da ist nach vorne noch etwas möglich, und ich will angreifen. Darum wäre es in meinem Fall schade, einfach drei Rennen auszulassen.

Es wurde schon viel über ein mögliches frühes Karriereende von Ihnen spekuliert. Sehen wir Sie 2022 bei den Olympischen Winterspielen in Peking noch?

Das ist für mich noch gar kein Thema und alles viel zu weit weg. Ich bin ja gerade noch in dieser Olympia-Saison.

Olympia-Gold, WM-Titel, Gesamtweltcupsieg – Sie haben mit nur 24 Jahren alles gewonnen. Haben Sie Angst, dass nach all ihren Erfolgen vielleicht künftig die Motivation fehlt?

So weit bin ich noch gar nicht. Ich bin im Kopf gerade nur im Hier und Jetzt. Ich werde mir nach den letzten Rennen ein bisschen Zeit für mich selbst nehmen. Dann will ich abschalten und etwas Luft an die Sache lassen. Dann werde ich mir überlegen, wie es genau weitergehen soll. Wenn man gesund bleibt, weiter motiviert ist und Spaß an der Sache hat, dann finden sich sicherlich auch neue Ziele.

In den vergangenen Jahren waren Sie im Urlaub in Nepal oder Chile klettern. Wo schalten Sie in diesem Frühjahr ab?

Ich bin noch in der Planung, werde dieses Jahr aber wahrscheinlich im Alpenraum bleiben. Eventuell kommt auch noch eine Woche Georgien zum Skitourengehen hinzu. Ich will auf jeden Fall wieder ein bisschen weg, in die Berge.

Interview: Thomas Wolfer, dpa