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„Ich konnte einfach nicht mehr“

Die Trennung von seiner Frau warf Sven Rühle aus der Bahn. Dank Lichtblick hat er wieder Mut gefasst.

© Norbert Neumann

Von Simone Burig

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

An dem großen, gläsernen Esstisch sitzt Sven Rühle gerne. Das Möbelstück ist für ihn einerseits Treffpunkt. Hier redet und isst er mit seinen Kindern, malt und bastelt mit ihnen, wenn es draußen kalt ist oder regnet. Andererseits ist der Tisch für den 33-Jährigen auch ein Symbol dafür, dass es Menschen gibt, die anderen helfen, denen es nicht so gut geht. Den Tisch konnte er sich nur Dank der Stiftung Lichtblick leisten – genauso wie einige andere Möbelstücke in seiner Wohnung. Alleine hätte Sven Rühle diese Ausgaben nie stemmen können. Er hat Schulden angehäuft, sehr hohe Schulden sogar, knapp 35 000 Euro stehen auf der Soll-Seite seines Kontos. Erst seit vier Monaten geht er wieder arbeiten. Davor lebte er von Hartz IV. Als sich dann auch noch seine Frau von ihm trennte, geriet er finanziell vollkommen aus der Bahn. Tamara Gebauer, die ihm seit eineinhalb Jahren als Familienhelferin zur Seite steht, hatte ihn auf die Spendenaktion aufmerksam gemacht.

Er habe es in seiner zweiten Ehe nicht leicht gehabt, erzählt Sven Rühle. Er lebte mit seiner heute elf Jahre alten Tochter Angelina, mit seiner Frau, deren Sohn (4) und einer gemeinsamen Tochter (3) in einer Fünf-Raum-Wohnung. Doch das Verhältnis zwischen Angelina und ihrer Stiefmutter sei angespannt gewesen, so sehr, dass die Familie Hilfe beim Jugendamt suchte. Doch auch Tamara Gebauer konnte nicht verhindern, dass es immer wieder Ärger gab – auch zwischen den Eheleuten. Seine Frau sei immer öfter weggeblieben, so seine Version. Sie habe ihn mit den drei Kindern allein gelassen. Er habe sich gekümmert, ging nebenbei arbeiten, um für sich und die Kinder ein kleines Zubrot zu verdienen. „Mein Kopf war voll“, erinnert sich Sven Rühle. „Doch bald habe ich gemerkt, dass ich einfach nicht mehr konnte.“ Er verlor seinen Nebenjob, und seine Frau entschied sich für die Trennung. „Das war eine sehr schlimme Zeit für mich“, erinnert sich der Familienvater. „Ich habe abends einfach dagesessen und geheult.“ Trost habe er bei seinen Kindern gefunden, die zunächst bei ihm blieben.

Überhaupt die Kinder – die liebt Sven Rühle über alles. Auch seinen Stiefsohn, den er anerkennt, als wäre er sein eigener. „Man kann mir alles nehmen, nur nicht meine Kinder“, sagt der 33-Jährige. Doch im Juli zogen die beiden jüngsten zur Mutter, Sven Rühle und Angelina blieben zusammen. Sie hatten Glück, konnten eine Wohnung im selben Haus beziehen. Sie ist im Erdgeschoss und ein bisschen kleiner. Sie hat drei Zimmer – genügend Platz, wenn die Jüngsten übers Wochenende zu Besuch kommen. Auch Angelina hat ihr eigenes kleines Reich. Doch für die Einrichtung hatte der Vater zunächst kein Geld: Er stotterte Mietschulden ab. Auch Möbel, die seine Frau nach der Trennung mitgenommen hatte, bezahlt er weiterhin. Durch Lichtblick bekam er die Möglichkeit, die wichtigsten Dinge zu besorgen: Teppiche für die Kinderzimmer, den Esstisch, Lampen. „Das meiste habe ich die Kinder aussuchen lassen, sie sollten sich wohlfühlen. An mich habe ich dabei überhaupt nicht gedacht“, erzählt Sven Rühle. Die Wohnung hat er liebevoll dekoriert: An den Wänden im Wohnzimmer hängen Bilder der Kinder. Aufkleber mit Märchenmotiven sind an den Zimmertüren und Kleiderschränken angebracht.

Stiftung Lichtblick - Menschen helfen Menschen in Not

Konto-Verbindung: Ostsächsische Sparkasse Dresden | IBAN: DE88 8505 0300 3120 0017 74 | BIC: OSDDDE81

Hilfesuchende melden sich bitte bei den Sozialverbänden vor Ort, die mit Lichtblick zusammenarbeiten: www.lichtblick-sachsen.de

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Mittlerweile findet Sven Rühle wieder in ein geordneteres Leben zurück. Er baut kontinuierlich seine Schulden ab. Und er hat eine Stelle bei einem Hausmeisterservice gefunden. Die ideale Stelle, wie er sagt. Geregelte Arbeitszeiten, keine Schichten, kein Wochenenddienst. Das ist gut, denn jedes zweite Wochenende verbringen die Jüngsten bei ihm und Angelina. „Ich hocke nicht gerne in der Wohnung, deshalb sind wir viel draußen“, erzählt Sven Rühle. Im Sommer ist er mit den Kindern im Kleingarten. Gemeinsam planschen sie dann im Bassin, kümmern sich um den Obst- und Gemüseanbau. Im Winter sind sie viel auf dem Spielplatz – oder malen und basteln an dem großen neuen Esstisch.

www.lichtblick-sachsen.de

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