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„Ich stelle mir vor, dass mein Körper zu Honig wird“

Seit Kindertagen steht Jonathan Reimann auf der Bühne. Nun zum ersten Mal in der Semperoper.

© Sven Ellger

Von Katalin Valeš

Er war gerade erst zwölf, als Jonathan Reimann das erste Mal auf einer großen Bühne stand – mehr als 1 000 Menschen schauten ihm damals im Essener Alto-Theater beim Tanzen zu. Von da an war er jedes Jahr bei Produktionen dabei, hat bei „Romeo und Julia“ oder „Der Nussknacker“ mitgetanzt. Heute studiert Jonathan Reimann im 2. Semester an der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden. Für sein Ziel, Berufstänzer zu werden, arbeitet er hart. Sein Traum: Das Nederlands Dans Theater (NDT) in Den Haag.

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Bis zu fünf Stunden trainiere er täglich, erzählt der junge Mann mit den roten Locken und den blauen Augen. Selbst in Freizeitkleidung, mit Turnschuhen und Batman-Shirt, ist an seiner Körperhaltung und seinen Gesten zu erkennen, dass der 20-Jährige schon jetzt ein Profi ist. Von einer Sekunde auf die andere kann er perfekte Tanzposen einnehmen. „Ich mag es, beim Tanzen mit Bildern zu arbeiten. Ich stelle mir vor, dass mein ganzer Körper im Raum schwebt oder zu Honig wird. Die Bewegungen werden dadurch flüssig, geschmeidig und schwerelos“ sagt er. Mit dem Tanzen angefangen hat Jonathan Reimann mit sechs Jahren. In Essen hat er Deutschlands einziges Gymnasium besucht, das unter anderem auch den Leistungskurs Tanz anbietet. In seiner Klasse war er der einzige Junge, was nicht immer ganz einfach war.

Wenn seine Kumpels sich nachmittags zum Fußball trafen, ging er tanzen. Bereut hat er seine Entscheidung trotzdem nie. Jonathan lebt für die Bühne. Nach dem Tanz-Abi war er ein Jahr an der renommierten „Neumeier Ballettschule“ in Hamburg. Er war Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und hat beim Berliner Wettbewerb „Tanzolymp“ den ersten Platz in der Kategorie zeitgenössischer Tanz belegt. Jonathan mag die Vielfalt: Neben Ballett stehen nun in Dresden auch zeitgenössischer Tanz und Improvisation auf dem Stundenplan.

Am Donnerstagabend wird Jonathan als einer von 170 Palucca-Schülern und -studierenden in der Semperoper zu sehen sein. Bei der sogenannten Soirée hat das Dresdner Publikum ab 19.30 Uhr Gelegenheit zu erleben, was hinter den Türen von Deutschlands einziger Hochschule für Tanz passiert. Karten gibt‘s bis 18 Uhr in der Schinkelwache.