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„Ich will die Südumfahrung noch erleben“

Hans-Peter Bohrig war zehn Jahre lang Oberbürgermeister. Am Sonntag wurde er 80. Er wünscht sich engagierte Pirnaer.

© Daniel Förster

Von Daniel Förster

Pirna. Hans-Peter Bohrig hat sich kaum verändert. Wer ihn sieht, glaubt kaum, dass Pirnas einstiger Oberbürgermeister am 11. März seinen 80. Geburtstag feierte. Heute ist er nach wie vor viel auf Achse. Zehn Jahre lang – von 1991 bis 2001 – lenkte er die Geschicke der Großen Kreisstadt, seiner Heimatstadt. Mit dem Abstand von 17 Jahren erinnert er sich an damals, blickt aber auch auf Gegenwart und Zukunft.

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Herr Bohrig, wie geht es Ihnen?

Dem Alter entsprechend gut.

Wenn Sie Ihre zehn Jahre Amtszeit Revue passieren lassen, was ist Ihnen besonders in Erinnerung?

Zweifelsohne wird mir die Einweihung der Sachsenbrücke unvergessen bleiben.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Darauf, wie sich das ruinöse, desolate Pirna seit der Wiedervereinigung zu einer schönen, intakten und lebenswerten Stadt entwickelt hat. Die Grundlagen für diese Entwicklung wurden unter schwierigsten Bedingungen in den zehn Jahren gelegt, in denen ich im Amt war.

Wenn Sie heute Pirna sehen mit der nahezu komplett sanierten Altstadt. Haben die Stadt und die Verantwortlichen ihre Chance nach der Wende genutzt?

Ja, denn noch nie war die Altstadt in der Fläche baulich so intakt wie jetzt. Das ist ein Erfolg.

Verfolgen Sie noch das Geschehen im Rathaus, und welchen Rat würden Sie Ihren Nachfolgern geben?

Ich weiß, dass das Rathaus noch auf dem Marktplatz steht. Vielmehr weiß ich aber nicht mehr. Demzufolge halte ich mich jetzt hier zurück.

Was stört Sie an der heutigen Zeit?

Dass Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit bei vielen Menschen nicht mehr „in“ sind.

Ist Ihr Rat auch heute noch gefragt?

Meinen Nachfolgern habe ich angeboten, ihnen bei Bedarf mit Rat zur Verfügung zu stehen. Der Bedarf scheint aber nicht vorhanden gewesen zu sein.

Blicken Sie noch oft auf Ihre politischen Ämter zurück?

Kaum.

Sie scheuen nicht die Öffentlichkeit. Bei besonderen Anlässen und Empfängen sind Sie noch häufig Gast. Wie voll ist Ihr Terminkalender?

Leider immer noch zu voll. Dabei spielen ab einem bestimmten Alter Arzttermine eine gewichtige Rolle.

Womit verbringen Sie heute Ihre Zeit?

Oft weiß ich gar nicht, wo die Zeit hin ist, die mit zunehmendem Alter immer schneller zu vergehen scheint. Durch Haus und Grundstück ist natürlich immer etwas zu tun, wobei ich mich zum Teil auch handwerklich noch betätigen kann. Als kulturell interessiertes Ehepaar erfreuen wir uns auch an vielen Veranstaltungen sowohl in Pirna als auch in Dresden.

Was wollen Sie unbedingt noch erleben?

Die Fertigstellung der Südumfahrung. Damit wird das durch keine andere Maßnahme zu entschärfende Verkehrschaos in Pirna der Vergangenheit angehören.

Was wünschen Sie sich für Pirna?

Dass es immer Menschen gibt, die bereit sind, für unsere Stadt Verantwortung zu übernehmen und dies nach dem alten Bibelspruch tun: „Suchet der Stadt Bestes!“ Ich hoffe aber auch, dass die Mehrheit der Menschen vernünftig bleibt, nicht nur in unserer Stadt, und der Frieden, an den wir uns schon sehr gewöhnt haben, erhalten bleibt, in unserer Stadt und unserem Land.

Das Gespräch führte Daniel Förster.