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„Ich will mir meinen Namen selbst verdienen“

Leon Draisaitl ist der bestbezahlte deutsche Eishockey-Profi und wird in Nordamerika mit den Superstars verglichen.

© dpa

Leon Draisaitl spielt mit den Edmonton Oilers seine vierte Saison in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL, der besten der Welt. Nach dem Einzug in die Play-offs und dem persönlichen Durchbruch mit 93 Scorerpunkten in der vergangenen Spielzeit zählt der 21-Jährige zu den Stars – und sein Klub trotz der 2:3-Niederlage am zweiten Spieltag in Vancouver zu den Titelkandidaten. Im Interview spricht der Nationalspieler über die Euphorie in der Stadt, seine Freundschaft zu Superstar Connor McDavid und seinen geplatzten Olympiatraum.

Leon Draisaitl, Sie haben im Mai im WM-Viertelfinale in Köln Ihr 114. Saisonspiel bestritten. Wie haben Sie sich im Sommer von diesem Mammutprogramm erholt?

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Es war eine sehr, sehr anstrengende Saison. Aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht. Ich habe mir ein paar Wochen Zeit zum Relaxen genommen – mit der Familie, die ich nicht so oft sehe.

In Ihrer Heimatstadt Köln können Sie auf die Straße gehen, ohne dass Sie angesprochen werden …

Ja, mit Sicherheit.

In Edmonton ist das anders, oder?

Komplett. Da werde ich andauernd erkannt – überall, von jedem. Die Eishockey-Begeisterung dort ist riesig, schwer zu glauben, aber wahr: noch größer als in Deutschland beim Fußball.

Edmonton ist zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder in die Play-offs gekommen. Wie hoch sind die Erwartungen für die neue Saison?

Die Euphorie war riesig. Natürlich will man im nächsten Jahr mehr. Erst recht bei den Oilers, die früher mit Wayne Gretzky so unglaublich erfolgreich waren. Da wird Gewinnen immer gefordert, das ist völlig verständlich.

Viele Fachleute sehen Sie zusammen mit Ihrem Kapitän Connor McDavid als das Duo der Zukunft in der NHL. Es gibt Vergleiche mit den Superstars der NHL. Ist es eine Ehre – oder doch eher Druck?

Natürlich ist es cool, wenn man mit solchen Jungs verglichen wird. Aber man probiert doch trotzdem, sich selbst einen Namen zu machen. Ich will nicht Jewgeni Malkin sein, genauso wenig möchte McDavid Crosby sein. Ich will einfach ich selbst sein und mir meinen Namen selbst verdienen und erarbeiten.

McDavid ist nach seiner 100-Punkte-Saison der neue Superstar der NHL. Was für ein Typ ist er?

Er ist ein super Junge, auf dem Boden geblieben, sehr professionell. Ich komme bestens mit ihm aus. Wir sind sehr eng befreundet, machen eigentlich alles zusammen und verstehen uns blendend. Und auf dem Eis – darüber brauche ich nicht viel zu sagen, das weiß jeder.

Wer sind die härtesten Konkurrenten um den Stanley Cup?

Eigentlich immer die gleichen: Pittsburgh, Anaheim. Aber es ist noch zu früh, das zu sagen. Von uns hat in der letzten Saison auch keiner erwartet, dass wir in die Play-offs kommen. Und wir waren nur einen Sieg vom Halbfinale entfernt.

Sie haben im Sommer einen Achtjahresvertrag über 68 Millionen Dollar unterschrieben. Was bedeutet Ihnen das?

Natürlich bin ich sehr, sehr froh. Meine Agenten haben gut gearbeitet. Ich freue mich, dass ich acht Jahre lang mit dieser Truppe zusammenspielen kann.

Sie sind damit der bestbezahlte deutsche Eishockeyspieler der Geschichte.

Ich überlasse es den Medien, darüber zu schreiben und zu reden. Ich persönlich halte mich damit zurück.

Sie wollten das Gesicht der Sportart werden. Bei der Heim-WM in Köln war der Hype dann sehr groß …

Ich habe immer gesagt: Wenn ich dadurch helfen kann, Kinder in Deutschland für Eishockey zu begeistern, mache ich es liebend gerne. Vielleicht habe ich ein paar dazu gebracht, Eishockey statt Fußball zu spielen.

Nicht helfen können Sie dem deutschen Eishockey bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Nervt Sie das?

Es ist sehr bitter. Ich habe mich öfter mit meinem Vater darüber unterhalten. Er hat dreimal bei Olympia gespielt und sagt, es sei das Geilste – die Atmosphäre, das Drumherum. Man spürt es sogar am Fernseher.

Gespräch: Thomas Lipinski, sid