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„Ideal wäre ein Forschungsinstitut“

Wie der Branchenverband Silicon Saxony den IT-Standort Sachsen aufwecken will.

Von Lars Radau

Dresden. Die Ausgangsbasis ist auf den ersten Blick nicht schlecht: Die Digitale Wirtschaft, sagt Heinz Martin Esser, Vorstand des Branchenverbandes Silicon Saxony, sei „einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren“ des Freistaats. Die mehr als 1.200 Unternehmen mit ihren gut 23.500 Mitarbeitern erwirtschafteten nicht nur einen Jahresumsatz von rund 2,3 Millarden Euro. Sie trügen mit ihren Lösungen auch wesentlich zu Hochtechnologietrends wie den sogenannten Smart Cities oder der Industrie 4.0 bei. Damit sind klassische Produktionsprozesse gemeint, die komplett auf Informationtechnologie basieren.

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Auf den zweiten Blick, ist man bei Silicon Saxony überzeugt, gleicht der heutige Zustand aber eher noch einem „Dornröschenschlaf“. Die Potenziale, so Esser, seien zwar vorhanden, würden aber nicht hinreichend genutzt. Schlimmer noch: Der IT-Standort Sachsen und die „bis auf 19 Ausnahmen mittelständisch geprägte Branche“ würden national und international kaum wahrgenommen. „Es fehlt eindeutig an Sichtbarkeit“, betont Esser.

Um das zu ändern, hatte Silicon Saxony gestern nicht nur mit dem IT-Cluster Mitteldeutschland und dem Verband der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Branche Bitkom zu einem parlamentarischen Abend nach Dresden eingeladen. Gemeinsam haben die Branchenvertreter auch ein Positionspapier vorgestellt, das konkrete Forderungen an die Politik, aber auch an die eigenen Mitglieder stellt.

Eines der zentralen Anliegen des Papiers ist die „Einrichtung einer eigenen softwarebezogenen Forschungseinrichtung von Rang“ im Freistaat. Solch ein Forschungsinstitut wäre „ideal“, sagte Frank Schönefeld von Silicon Saxony bei der Vorstellung des Papiers. Es könne nicht nur anwendungsbezogene Forschung konzentrieren, sondern auch als Anziehungspunkt für hochqualifiziertes Personal und die Neuansiedlung von Firmen dienen. „Etliche Vorbilder bundesweit haben gezeigt, dass solch ein Institut als Kulminationspunkt und Keimzelle enorm wichtig ist“, betonte Schönefeld.

Dass dieser Wunsch einige Haken hat, wissen die Verbands-Vertreter selbst: Es gehe explizit nicht darum, in Konkurrenz zur „sehr guten“ universitären Forschungs- und Ausbildungsstruktur zu treten, sagt Schönefeld. Vielmehr sei ein „befruchtendes Miteinander“ wichtig. Der zweite Knackpunkt ist die Finanzierung. „Wir haben hier eben keinen Hasso Plattner“, sagt Bitkom-Landessprecher Dirk Röhrborn. Der Milliardär und Gründer der Software-Firma SAP hat in Potsdam ein IT-Forschungsinstitut gegründet und die Stadt damit auf die Branchen-Landkarte gebracht. Auch der Freistaat solle nicht einfach nur seine Schatulle öffnen, sich aber trotzdem einbringen. „Wir sehen uns als gut trainierten Leistungssportler, der nicht mit Hormonen vollgepumpt werden muss, aber günstige Rahmenbedingungen braucht“, betont Röhrborn.

Silicon Saxony selbst will daran arbeiten, die strategische Steuerung seiner Mitglieder und Interessen zu verbessern. Die Branche wachse stark, derzeit aber noch recht unkoordiniert. Mit klarem Kurs aber sei ein dauerhaftes Beschäftigungswachstum von zehn Prozent und eine Verdopplung der Arbeitsplätze auf 50.000 innerhalb der kommenden zehn Jahre „locker realisierbar“, ist Heinz Martin Esser überzeugt.