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„Ihr seid unser Gold“

Die Kroaten feiern wie die Weltmeister. Zehntausende Fans bereiten der Mannschaft einen emotionalen Empfang.

© dpa/Darko Vojinovic

Von Thomas Roser, SZ-Korrespondent in Belgrad

Selbst Kroatiens populärster Denkmalheld wurde zu Ehren der heimkehrenden Nationalelf ins Feiertagstuch gehüllt: Ein rot-weiß gewürfelter Umhang überdeckte an dem nach ihm benannten Zagreber Ban-Josip-Jelicic-Platz das halbe Ross und den Reiter. Auf Baugerüste, Kioskdächer und Werbetafeln waren wagemutige Karokuttenträger in Kroatiens Hauptstadt geklettert, um einen Blick auf die Fußballhelden der Nation zu erhaschen: Zehntausende bereiteten den Vizeweltmeistern einen emotionalen Empfang.

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Schon am Flughafen wurden die übermüdeten Kicker, ihre WM-Medaillen um den Hals, frenetisch gefeiert. Verteidiger Domogoj Vida mimte den Einpeitscher, als die Spieler auf ihrer umjubelten Triumphfahrt ins Stadtzentrum ausgelassen in die Gesänge der Fans einstimmten. Davor hatten am Montagmorgen die heimischen Zeitungen ihre Leser auf einen weiteren Fußballfesttag eingestimmt. „Helden, seid stolz!“, titelte überschwänglich die Vecernji List: „Ihr seid unser Gold“. Als „Erste in unseren Herzen“ würdigte 24sata die tapferen Kämpfer nach dem verlorenen Endspiel: „Bravo Feurige, ihr habt das Land geeint. Wir sind stolz bis zum Himmel.“ „Sie haben Geschichte geschrieben“, verkündete Slobodna Dalmacija. Der Schmerz werde „schnell vergehen“, tröstete der Jutarnji List seine Leser: „Doch die Erinnerungen an die Tage des Stolzes und des Ruhmes werden ewig leben.“

Ihre Feierlaune ließen sich die sportbegeisterten Kroaten auch nicht durch den verpassten WM-Titel vermiesen. Schon unmittelbar nach Abpfiff hatten sie in den Innenstädten des Küstenstaats gefeiert wie die Weltmeister. Bis in die frühen Morgenstunden schallten patriotische Gesänge oder der populäre WM-Hit „Spiel mein Kroatien“ über den bierverklebten Asphalt der Zagreber Innenstadt.

Zeitweise habe er in der „phänomenalen“ ersten Halbzeit an den Titel geglaubt, bekannte nach Abpfiff als TV-Experte Kroatiens Ex-Mittelfeld-Ass und Bosniens jetziger Nationalcoach Robert Prosinecki – und trauerte der verpassten Sensation nach: „Wir hätten die WM gewinnen können. Aber so schwer das auch fällt, wir müssen froh und stolz auf das sein, was die Jungs im vergangenen Monat geleistet haben.“

Die Strapazen der Finalnacht waren manchen der Feurigen-Fans am Tag des Empfangs der WM-Heimkehrer anzusehen. Doch erneut wurden alle Feierkräfte mobilisiert – und Zagreb nahm sich einen weiteren Tag Auszeit für ein kollektives Volksfest.