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Im Alter fort aus dem Heimatort?

Wer in Schönbach lebt und eine barrierefreie Wohnung braucht, hat schlechte Karten. Es gibt aber einen Joker: Eigeninitiative.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

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Schönbach. Annett Ackermann ist Leserin der Sächsischen Zeitung. In einem Leserbrief hatte sie vor Kurzem bemängelt, dass es in Schönbach schwer sei, eine altersgerechte Wohnung zu finden. Seitens der Gemeinde scheine es kein großes Interesse daran zu geben, Menschen im Dorf zu halten, wenn sie im Alter auf Barrierefreiheit in der Wohnung angewiesen seien.

Mit dem Problem hat sich die SZ an den Schönbacher Bürgermeister Uwe Petruttis (CDU) gewandt. Er habe zwar Verständnis, wenn Bürger das Ansinnen hätten, auch im Alter in Schönbach wohnen zu bleiben, bekundet er. Aber die Gemeinde hätte solche Wohnungen nicht. Private Vermieter könne er den Nachfragenden nicht benennen. Damit würde er den Maklern die Arbeit wegnehmen. Außerdem greife hier der Datenschutz. Kein privater Vermieter wolle vom Bürgermeister andauernd Leute geschickt bekommen, die nach Wohnungen fragen, so Petruttis. Im privaten Sektor gebe es ausreichend altersgerechten Wohnraum, meint der Bürgermeister.

Frau Ackermann stimmt es traurig, wie das in Schönbach gehandhabt wird. Sie selbst lebt seit einigen Jahren nicht mehr in dem Dorf. Ihre Familie wohnte in einem großen Haus, mehrere Generationen unter einem Dach. Mit zunehmendem Alter der Bewohner des Hauses wurden es weniger. Die betagtesten Mieter ziehen demnächst in den Nachbarort in ein betreutes Wohnen. Das bedeutet für die letzten verbliebenen Hausbewohner, die beide an die 70 Jahre alt sind, dass sie wohl auch bald nach einer neuen Bleibe suchen müssen, weil sie allein das große Haus nicht unterhalten und das Grundstück nicht mehr bewirtschaften können. Die Kinder haben sich in anderen Landesteilen ein Leben aufgebaut und dort ein gutes Auskommen gefunden. Wie Frau Ackermann gehört hat, seien ihre Verwandten nicht die einzigen, die aus Altersgründen aus Schönbach fortziehen mussten. „Das ist nicht einfach, wenn man sein ganzes Leben in einem Ort gewohnt hat und plötzlich nur noch der Umzug in einen anderen Ort bleibt, weil man Treppen nicht mehr bewältigen kann oder ein Rollstuhl nicht durch die Türe passt“, sagt die Leserin. Sie kann zudem nicht verstehen, dass die Gemeinde ihren treuen Einwohnern im Alter keine Bleibe-Perspektive mit altersgerechten, bezahlbaren Wohnungen bietet. „Da die Bevölkerung zunehmend älter wird, wären altersgerechte Quartiere allgemein eine Investition in die Zukunft“, unterstreicht Frau Ackermann.

Dass es möglich ist, barrierefreien Wohnraum zu schaffen, hat Familie Heger bewiesen. Sie hat vor reichlich fünf Jahren die alte Bäckerei in der Straße des Friedens/Emilstraße in Schönbach ersteigert und ausgebaut. Das Ehepaar aus den alten Bundesländern hatte sich während eines Urlaubs in der Oberlausitz in die Umgebindehauslandschaft verliebt. Als Alterssitz sollte nun so ein Haus her. Ehefrau Ute Heger (73) ist allerdings nicht in der Lage, Treppen zu steigen. So hat ihr Mann Egon (77) die Bäckerei so umgebaut, dass alles Nötige im Erdgeschoss zu finden ist. Der gelernte Bankkaufmann hatte mit viel handwerklichem Geschick, Ausdauer, Willen, Erfahrung und jeder Menge Wissen, das Erdgeschoss barrierefrei ausgebaut. Zwei behindertengerechte Bäder hat er geschaffen. Nach seinen Erfahrungen scheitern die meisten Umbauten zu barrierefreiem Wohnraum am Willen der Bewohner, überhaupt etwas verändern zu wollen, ist er überzeugt. Aber auch die mangelnde Unterstützung durch Handwerker hat der Bauherr, öfter als ihm lieb war, erleben müssen. „Häufig fehlten bei Handwerkern Grundkenntnisse, wie man barrierefrei baut“, hat er festgestellt. Ohne eine große Portion an Eigeninitiative hätte Familie Heger keinen altersgerechten Wohnsitz in Schönbach, darüber sind sich Ute und Egon Heger einig.