merken

Dresden

Im DDR-Rennflitzer durch Dresden

Gut 50 Exemplare der Sportwagenlegende RS 1000 waren am Sonnabend auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs. Der Grund: Ein runder Geburtstag.

Die Sportwagen vor dem Gelände des Autohauses Melkus auf der Hamburger Straße.
Die Sportwagen vor dem Gelände des Autohauses Melkus auf der Hamburger Straße. © Sven Ellger

Stau auf der Hamburger Straße. Abgase hängen in der Luft, Motoren knattern, am Straßenrand reihen sich Menschen, die mit ihren Smartphones filmen und fotografieren. Ihre Motive: Gut 50 bunte Rennwagen, flach wie Flundern – es sind Modelle des DDR-Rennwagens RS 1000. Peter Melkus, Sohn der Rennfahrer-Legende Heinz Melkus, hat zur Jubiläumsausfahrt eingeladen. 1969, vor 50 Jahren, hatte Heinz Melkus den ersten von ihm selbst konstruierten Rennwagen RS 1000 in Halle offiziell vorgestellt, bis 1979 wurden 101 dieser Autos gebaut. An diesem Samstagmorgen trafen sich Liebhaber der geschwungenen Karosse vor dem BMW-Autohaus Melkus in der Hamburger Straße, um das Jubiläum zu feiern. Und ihre eigenen Flitzer zu zeigen.

Shopping und Events im ELBEPARK Dresden

180 Läden und Filialen und umfassende Serviceleistungen sorgen beim Shopping für ein Erlebnis. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

In einem roten Modell sitzt Ralf Schieback. Dass der 1,90-Meter-Mann überhaupt in den flachen und engen Wagen passt, hat er Peter Melkus zu verdanken. 2006, als Peter Melkus und sein Sepp beschlossen, die Rennwagen neu nachzubauen, war Schieback einer der ersten auf der Bestelliste. In der SZ hatte der selbstständige Koch von der Neuauflage der Rennwagenserie gelesen. „Das ist mein absoluter Kindheitstraum“, schwärmt der 46-jährige Dresdner. Zweimal hatte er Rennfahrer Heinz Melkus zu DDR-Zeiten bei einem Rennen live erlebt. „Das hat bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Als Jugendlicher fuhr er Kart, im Osten hießen die kleinen Rennflitzer K-Wagen. Bis heute nimmt er regelmäßig an Autorennen teil.

Mit dem Schalthebel unter der Kniekehle

Mehr als 30 Bestellungen standen 2006 schon vor ihm auf der Liste, Ralf Schieback blieb trotzdem dran. „Irgendwann kam der Anruf, dass mein Wagen jetzt gebaut werden könnte.“ Doch auf die Euphorie folgte Ernüchterung – Peter Melkus sah beim ersten Treffen sofort, dass Schieback zu groß ist für den nur einen Meter hohen Flitzer. Doch Schieback blieb hartnäckig, er wollte sich seinen Kindheitstraum unbedingt erfüllen. „Wir haben vieles probiert, den Sitz und die Dämmung ausgebaut, mit Kissen und Klötzchen versucht, mich auf dem Bodenblech zu fixieren.“ Ein anderer Sportsitz brachte schließlich die Lösung. Nun liegt Schieback fast im Auto, der Schalthebel klemmt unter seiner Kniekehle – bequem sieht anders aus. Für den Rennsportfan kein Problem.

„Bis jetzt haben wir noch jeden in den RS 1000 bekommen“, sagt Peter Melkus lachend. Er erinnert sich an die Bastelei für Ralf Schieback, mehrere Tage habe es gedauert, bis der Sitz richtig passte. Kein Einzelfall, aber Melkus nimmt sich die Zeit, jeder Wagen individuell zu bauen. Auch deshalb nimmt die Produktion viel Zeit in Anspruch: Wer jetzt einen RS 1000 bestellt, bekommt ihn frühestens 2022. Interessenten gibt es also genug.

Ja, ein Wartburg-Motor kann das

Gebaut werden die Flitzer nur mit originalen Wartburg-Teilen, die heute erstaunlicherweise einfacher zu beschaffen sind, als zu DDR-Zeiten. Dank emsiger Online-Händler, die diese Teile sammeln. Die Karosserie wird in Bühlau mit speziellen Formen hergestellt, gut ein halbes Jahr dauert es, bis ein Fahrzeug fertig ist. Produziert wird allerdings nur nach Bedarf. Ein Exemplar kostet je nach Ausstattung zwischen 60 000 und 65 000 Euro. Drei Mitarbeiter schrauben in der Melkus-Werkstatt an den Einzelstücken. Die Motortechnik ist simpel: Ein aufgepeppter Zweitakt-Motor vom Wartburg 353, drei Zylinder, 1 000 Kubikzentimeter Hubraum, 75 bis 100 PS – so bringen die flachen Flitzer Spitzengeschwindigkeiten von etwa 170 Kilometer pro Stunde auf die Strecke.

Bis zum vergangenen Jahr ist Ralf Schieback mit seinem RS 1000 Rennen gefahren, jetzt hat er dafür ein anderes Auto. „Ich habe Angst, dass doch einmal ein Unfall passiert und der Wagen beschädigt wird.“ Deshalb wird er jetzt geschont und nur bei gutem Wetter aus der Garage geholt. Wie an diesem Sonnabend.

Der erste RS 1000, den Heinz Melkus 1969 gebaut und erstmals vorgestellt hat, ist noch bis März 2020 im Verkehrsmuseum zu bestaunen.