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Im Drogenrausch in einer anderen Welt

Psychosen brachen bei einer Dresdnerin aus, wenn sie Drogen genommen hatte. Dabei erlebte sie Unvorstellbares.

© dpa (Symbolfoto)

Von Christoph Springer

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Als Sina F. am 9. August 2017 vor einem Laden im Prohliszentrum einen Kleiderständer mit elf Hosen angezündet hat, wollte sie etwas Gutes tun. Die heute 38-Jährige verstand ihre Aktion als Protest gegen Hungerlöhne und Kinderarbeit. Wachmann Mike E. sorgte damals dafür, dass nichts Schlimmeres passierte. Geistesgegenwärtig zog er das Gestell mit den brennenden Hosen von dem Laden weg, es blieb bei einem Sachschaden.

Sina F. kann sich nur schwer an diesen Tag erinnern. In der Anklage gegen die gebürtige Elsterwerdaerin steht, die Hosen hätten mit ihr gesprochen, sogar geschrien. Sie habe es als Pflicht empfunden, den Kleiderständer anzuzünden, erzählte die junge Frau der Polizei, die sie kurz darauf festgenommen hat. Eine Beamtin begleitete Sina F. später ins Krankenhaus. Sie war den ganzen Tag bei ihr. Bis fest stand, dass die gelernte Sport- und Fitnesskauffrau gesundheitlich so angeschlagen ist, dass sie nicht ins Gefängnis kann. „Sie hatte wahnhafte Vorstellungen“, berichtete diese Polizistin am Dienstag vor Gericht. „Ich war am Ende des Tages fertig mit der Welt, ich habe das so in der Form vorher noch nie erlebt.“

Ein Vierteljahr vorher sah es noch gut aus für die Wahldresdnerin. Anfang Mai war sie aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Damals hatte sie das Amtsgericht zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, unter anderem wegen mehrfachen Diebstahls. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, Sina F. bekam eine positive Prognose. Sie wollte gegen ihre Drogensucht kämpfen, sollte regelmäßig ihren Bewährungshelfer aufsuchen, ihr Ex-Freund bot ihr seine Gartenlaube als vorläufige Bleibe an. Sina F. hatte sich viel vorgenommen nach ihrer Drogenkarriere, die spätestens 2005 angefangen hatte.

Ein Kosmos mit eigenen Regeln

Doch das ging schief. Wenige Wochen nach dem Urteil nahm sie wieder Crystal. Am 15. Juni wurde sie im Elbepark beim Klauen erwischt. Sie hatte sich für 9,84 Euro Lebensmittel und Getränke eingesteckt, denn ihr eigenes Geld wollte sie lieber für Drogen ausgeben.

Im Drogenrausch verlor Sina F. stets gänzlich die Kontrolle. Gerichtspsychiater Stephan Sutarski attestierte ihr, dass sie dann unter Psychosen leidet. „Das ist eine andere Welt, ein Kosmos, in dem andere Spielregeln gelten“, erklärte er. Als die Hosen angeblich mit ihr gesprochen haben, war Sina F. so weit weg, dass sie ihr eigenes Verhalten nicht mehr steuern konnte. Ähnlich ging es ihr bei anderen Taten. Selbst bei dem knappen Dutzend Lebensmitteldiebstählen, die die Staatsanwaltschaft ihr zur Last legte, hat sie wahrscheinlich im Drogenrausch gehandelt.

Das Gericht unter Vorsitz von Petra Heinze verurteilte die 38-Jährige zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis und zur Unterbringung im Maßregelvollzug. Dort soll sie lernen, gegen ihre Drogensucht zu kämpfen. Das Urteil aus dem vergangenen Jahr wird angerechnet. Das heißt, Sina F. ist frei, wenn sie aus dem Maßregelvollzug entlassen wird. Dann muss sie ihre Drogensucht im Griff haben. Ein Rückfall wäre verheerend, prognostizierte Sutarski.