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Im Erlwein-Haus wird bald wieder gewohnt

Nach Jahren des Verfalls soll das markante Gebäude an der Löbtauer Straße saniert werden. Geplant sind auch zwei Läden.

© Norbert Neumann

Von Linda Barthel

Es ist eines der markantesten Häuser in der Friedrichstadt: das Erlwein-Haus an der Ecke zwischen Löbtauer und Schäferstraße. In den vergangenen Jahren verfiel das geschichtsträchtige Gebäude immer mehr. Der benachbarte Gehweg musste sogar überdacht werden, weil sich immer wieder Teile der Fassade lösten. Nun soll das denkmalgeschützte Haus endlich saniert werden.

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Einen Investor gibt es schon lange. Bereits 2011 unterschrieb Herbert Fissan, der in Dresden bereits mehrere Bauwerke saniert hat, den Kaufvertrag. Doch die anschließende Planung dauerte länger als gedacht. „Bei anderen Vorhaben gab es nicht so ein langes Hin und Her. Wir haben aber auch gesagt, dass wir eine kurze Bauzeit haben wollen. Da dauert die Planung eben länger“, sagt der Arzt aus Nordrhein-Westfalen. Knackpunkt dabei war das Dach. Es wird samt der beiden Giebel, von denen nur noch einer gut erhalten ist, wieder aufgebaut. Zur Straße hin soll der Dachstuhl bald wieder genauso aussehen, wie auf historischen Fotos aus dem Jahr 1907. Das ist auch eine Auflage des Denkmalschutzes. „Nach hinten haben wir aber Spielraum. Dort können wir ein modernes Dach bauen“, so Fissan. Von dort aus hätten die Mieter später einen Blick über ganz Dresden.

Der Eigentümer plant im Gebäude 14 Wohnungen, die zwischen 40 und 160 Quadratmeter groß sind. Mittlerweile ist das Erlwein-Haus schon komplett eingerüstet. „Alle Baugenehmigungen sind da“, sagt der 68-Jährige. Es müssen nur noch letzte statische Fragen geklärt werden. Über zwei Millionen Euro investiert er in den anderthalbjährigen Umbau. „Man soll später von außen sehen, dass Erlwein das Haus entworfen hat.“ Nicht nur das Dach sei dabei wichtig, sondern auch die Fenster und die Restaurierung des Sandsteins. „Ich möchte, dass die Mieter später sagen, dass sie nicht in der Löbtauer Straße 2 wohnen, sondern im Erlwein-Haus.“

Dieses wurde nach dem Abriss des dortigen Schäferhofs um 1907 nach den Plänen des bekannten Stadtbaurats errichtet. Es war als Verwaltungsgebäude mit Wohnungen konzipiert und beherbergte eine Wohlfahrtspolizei-Inspektion, die mit dem heutigen Sozialamt vergleichbar ist. Später waren im Haus die städtische Meldestelle sowie eine Filiale der Stadtsparkasse untergebracht. In einem nicht mehr erhaltenen Hintergebäude befanden sich weitere städtische Einrichtungen.

Musik-Café im Erdgeschoss

Am 17. April 1945 wurde das Erlwein-Haus beim Bombenangriff auf Dresden beschädigt. Nach einer Notsicherung, die allerdings den zerstörten linken Giebel ausschloss, zog eine Fleischverkaufsstelle des Konsums in die ehemaligen Räume der Sparkasse. Damals gab es Pläne, das Gebäude abzureißen. Engagierte Bürger konnten das jedoch verhindern. Seit 1986 steht das Gebäude leer. Der letzte Eigentümer wollte im Gebäude eine Tagespflege für Senioren einrichten. Für die kostspielige Sanierung fehlte ihm allerdings das Geld.

Fissan möchte die nötige Summe dagegen investieren. Der Paderborner hat sich schon immer sehr für Denkmalschutz interessiert. Deshalb wendete sich vor einigen Jahren auch ein Restaurator mit der Bitte an ihn, sich dem verwahrlosten Gebäude anzunehmen. „Er meinte, es sei doch jammerschade, wenn es immer weiter verfällt.“ Der Meinung war auch Fissan, der bis Ende 2014 unter anderem ein Haus auf der Bautzner Straße denkmalgerecht sanieren ließ. Die Kaufentscheidung fiel schnell, nur an der Umsetzung scheiterte es zunächst.

„Ich bin froh und zufrieden, dass es jetzt endlich losgehen kann.“ Neben den 14 Wohnungen entstehen im Erdgeschoss des Erlwein-Hauses auch zwei Gewerbeflächen. Noch ist der Eigentümer auf der Suche nach Interessenten. Er könne sich zum Beispiel vorstellen, dass dort ein Café betrieben wird, in dem regelmäßig musikalische Auftritte stattfinden. „Vielleicht ist ja sogar eine Kooperation mit der Musikhochschule möglich“, sagt Fissan.