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Im Fokus des Bundestrainers

Joachim Löws Anwesenheit beim RB-Sieg gegen Hoffenheim ist für Sportdirektor Rangnick eine Selbstverständlichkeit.

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© dpa

Von Ullrich Kroemer

Der Bundestrainer hatte es eilig. Etwa zehn Minuten vor Abpfiff des Bundesliga-Spitzenspiels zwischen RB Leipzig und der TSG Hoffenheim beendete Joachim Löw seinen Antrittsbesuch beim Aufsteiger – sicher um Trubel und Stau zu umgehen. Löw hatte zu diesem Zeitpunkt auch genug gesehen. Nach Marcel Sabitzers glücklich abgefälschtem Schuss zum 2:1-Endstand war die Partie entschieden. Vor den Augen des obersten deutschen Fußballlehrers, der Espresso trinkend und mit Piloten-Sonnenbrille zuschaute, hatten sich die Leipziger erstmals in dieser Saison daheim gegen einen Rückstand stemmen müssen und das Spiel mit viel Wucht gedreht.

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Im Torjägerduell zwischen Leipzigs Timo Werner und Hoffenheims Sandro Wagner – beides Kandidaten für die Nationalelf – konnte der RB-Angreifer einen klaren Punktsieg verbuchen. Werner schoss nicht nur den Ausgleich, nachdem Nadiem Amiri die Hoffenheimer nach einem Traumkonter in Führung gebracht hatte; Wagner leistete sich bei seinem üblen Tritt gegen Leipzigs Stefan Ilsanker auch einen Faux-Pas, den Schiedsrichter Wolfgang Stark zu Recht mit Rot ahndete.

So musste Wagner nach dem Spiel reuig Abbitte leisten. In den Stadionkatakomben entschuldigte sich der 29-Jährige zunächst in der RB-Kabine bei Ilsanker. Danach äußerte er sich nach der unfairen Aktion auch vor den Journalisten ausgesprochen fair. „Ich wollte den Zweikampf in der Luft gewinnen, habe ihn dann unten erwischt, sieht echt fies aus“, sagte er. „Ich habe mich selbst erschrocken, das ärgert mich ungemein. Es war nicht böse gemeint, ich bin der Allerletzte, der jemanden verletzen will.“ Wie auch später bei seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio sammelte der 29-Jährige Sympathiepunkte für seine Entschuldigung. Werner hingegen sammelte weiter Argumente für eine mögliche Nominierung für die A-Nationalelf.

Ralf Rangnick, der nicht neben Löw saß, sondern aus Aberglaube weiter auf seinem angestammten Platz einen Rang tiefer, nutzte die Gelegenheit, um auch auf seine weiteren deutschen Stammkräfte hinzuweisen. „Wir tun ja jetzt gerade so, dass Jogi Löw nur wegen Timo Werner Grund hat, hierherzukommen. Das sehe ich nicht so“, sagte Leipzigs selbstbewusster Sportdirektor. „Wir haben schon noch ein paar andere deutsche Spieler, die er heute auch gesehen hat. In der Abwehr braucht man ja auch Spieler, nehme ich mal an.“ Rangnick meint Innenverteidiger Willi Orban, Linksverteidiger Marcel Halstenberg und „Sechser“ Diego Demme, die alle eine Option für Löw werden könnten.

Ohnehin begriff es Rangnick als „Selbstverständlichkeit“, dass Löw sich mit RB beschäftigt. „Wenn der Zweite gegen den Dritten spielt und man selbst hauptsächlich in Berlin wohnt, kann man schon auch mal vorbeikommen“, sagte der 58-Jährige. „Das ist jetzt nichts so Außergewöhnliches.“ Doch bedenkt man, wo der Leipziger Fußball herkommt, ist es das eben doch noch. Denn auch wenn Löw sich mit den RB-Verantwortlichen (noch) nicht konkret über einzelne Spieler austauschte, hatte sein Premierenbesuch Strahlkraft. Schließlich brachte der Bundestrainer – ganz Weltmann – internationales Flair in die Arena, bevor hier in der nächsten Saison möglicherweise auch internationale Teams antreten. Dass Löw nun einige Leipziger auch für das Nationalteam auf dem Radar hat, untermauert den neuen Stellenwert, den der Emporkömmling in Fußball-Deutschland genießt. Schon in den anstehenden Länderspielen gegen England und Aserbaidschan könnte erstmals ein Leipziger im Aufgebot der Nationalmannschaft stehen.

Doch bei RB ist das dieser Tage nur ein Nebenthema. Schließlich befindet sich der Neuling – ohne es freilich konkret auszusprechen – straff auf Champions-League-Kurs. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl freute sich dementsprechend über die „big points“. Der Österreicher sagte zufrieden: „Deswegen war es heute gegen einen direkten Verfolger wirklich ein sehr, sehr wichtiger Schritt für uns.“

Doch obwohl RB mit nun 42 Punkten auch rechnerisch den Klassenverbleib perfekt gemacht hat, mochten die Funktionäre keine neuen Saisonziele ausgeben. So richtig deutlich sprach nur Timo Werner über die Königsklassen-Ambitionen des Red-Bull-Klubs. „Wenn wir auch die nächsten drei, vier Partien gewinnen“, sagte der Torjäger, „kann man fast gar nicht mehr ,Nein‘ sagen zur Champions League.“ Den nächsten Meilenstein auf dem Weg dahin wollen die Leipziger am kommenden Wochenende bei der Dortmunder Borussia (Sa., 18.30 Uhr) passieren. Gut möglich, dass der Bundestrainer wieder zuschaut.