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Im Gazastreifen droht die nächste Eskalation

Kritiker von Regierungschef Netanjahu fordern ein härteres Vorgehen gegen die Hamas.

Von Susanne Knaul, Jerusalem

Die Aufdeckung einer israelischen Spezialeinheit im Gazastreifen droht die ägyptischen Bemühungen für eine langfristige Waffenruhe zwischen Israels Armee und der Hamas im Gazastreifen scheitern zu lassen. Das in Zivil agierende Sonderkommando war im Süden des Gazastreifens von Milizen der Hamas entdeckt worden. Bei der anschließenden Schießerei und mehreren Luftangriffen starben in der Nacht zum Montag sieben Palästinenser, darunter ein führender Kommandant der Hamas, und ein israelischer Oberstleutnant, dessen Name geheim blieb. Schulen in den israelischen Ortschaften nahe zum Gazastreifen blieben am Montag geschlossen, nachdem es in der Nacht wiederholt zu Angriffen aus dem Gazastreifen kam. Militante Palästinenser feuerten mehr als 80 Raketen und Mörsergranaten auf Israel ab. Die Armee reagierte mit dem Einsatz von Kampfjets. Bei Luftangriffen kamen am Montagabend mindestens zwei Menschen ums Leben.

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Letzte Woche hatte Israels Regierung drei katarischen Emissären erlaubt, mit 15 Millionen US-Dollar in bar in den Gazastreifen zu reisen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der seinen Besuch in Paris abbrach, hatte gehofft, dass mit der katarischen Geldspritze ein Krieg vermieden werden kann. „Wir wollen eine humanitäre Krise in Gaza verhindern“, rechtfertigte Netanjahu den Geldtransfer. Was die Stabilität bedrohe, sei die zerbrechliche Lage im Gazastreifen. Je schlechter es den Palästinensern in der seit elf Jahren belagerten Küstenzone geht, desto größer erscheint die Gefahr neuer Eskalationen.

Schärfster Kritiker Netanjahus ist Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Dieser fürchtet, dass mit dem Geld allenfalls eine kurzfristige Beruhigung erreicht werden könne. Jegliche Kooperation mit der islamistischen Führung im Gazastreifen lehnt er rigoros ab. Stattdessen drängt er zu einem massiveren Vorgehen gegen die Hamas, die er für die Unruhen im Grenzgebiet für verantwortlich hält.

Dass die Zustimmung zum Geldtransfer mit der Operation des israelischen Sonderkommandos in Gaza zeitlich zusammenfiel, sorgte für Erklärungsbedarf. „Warum gerade jetzt“, fragte der Militäranalyst Amos Harel und berief sich auf General Tal Rousso, Ex-Kommandant für Israels Südfront. Rousso wies die Verdacht der Hamas zurück, es handelte sich bei dem Einsatz der Spezialeinheit um ein „Hinrichtungskommando“. Der Öffentlichkeit sei wenig über das israelische Vorgehen im Gazastreifen bekannt, erklärte Rousso. „Derartige Operationen finden ständig statt, jede Nacht und in allen Divisionen.“ (mit dpa)