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Im Herzen noch immer ein Funker

Wie der frühere Minister Thomas Jurk im Bundestag eine Antenne für die Zukunft des Dresdner Fernsehturms bewies.

Von Henry Berndt

Die Sonne blinzelt tief zwischen den Bäumen hindurch und gibt dem Sektkelch einen goldenen Glanz. Das ist mehr als ein Hoffnungsschimmer. Einen Augenblick lang schaut Thomas Jurk regungslos nach oben auf diesen majestätischen Koloss, der direkt vor seinen Augen 252 Meter in den Himmel ragt. „Es klingt vielleicht komisch, aber mir gefallen solche Türme mit all ihren technischen Funktionen“, sagt er dann.

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Der Garten ruft
Der Garten ruft

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Jurk war noch nie hier, noch nie oben auf dem Dresdner Fernsehturm. Und doch er ist der Mann, der womöglich den entscheidenden Impuls dafür gegeben hat, dass der Turm nach 18 Jahren wieder für die Dresdner und ihre Gäste geöffnet werden kann. Seit 2013 sitzt der aus Görlitz stammende 56-Jährige für die SPD im Bundestag. Zuvor war er seit 1990 Mitglied des sächsischen Landtages und von 2004 bis 2009 Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident im Freistaat. Nun vertritt er Sachsen in Berlin unter anderem im Haushaltsausschuss, also dort, wo der Bund das Geld verteilt.

Zeitfenster der Geschichte

Genau in diesen Ausschuss brachte Jurk jüngst einen Antrag ein, der zunächst streng geheim blieb. Kein Wunder, bei diesem emotionalen Thema: Es ging um Geld für die Sanierung des Dresdner Fernsehturms. Viel Geld. Schon seit der Gründung des Fördervereins 2004 habe ihn dieses Thema nicht mehr losgelassen, sagt Jurk. Und nun wollte er dieses kleine Zeitfenster der Geschichte nutzen: Im Rahmen der Denkmalsanierung sollte dem Fernsehturm eine Förderung von bis zu 13 Millionen Euro zugute kommen – wenn denn Stadt und Land nochmal dieselbe Summe drauflegten. Bevor Jurk aktiv wurde, sprach er mit dem Ministerpräsidenten und den Eigentümern und bekam grünes Licht. Ein aktuelles Gutachten geht davon aus, dass die Sanierung des Turms knapp 26 Millionen Euro kosten wird – und zwar in der Minimalvariante ohne Seilbahn und den erträumten Wissenschaftskomplex „Televersum“. Der Brandschutz und die neuen Aufzüge werden teuer genug.

Der Antrag von Jurks Fraktion im Haushaltsausschuss ging durch – und so konnte er Ende vergangener Woche die Bombe platzen lassen. „Ich habe überwiegend Dankbarkeit und Freude gespürt“, sagt Jurk. „Ich bin ehrlich, das hätte ich in der Dimension nicht erwartet.“ Immerhin wisse er, dass die Vorstellung eines wiedereröffneten Fernsehturms nicht jeden zu Jubelstürmen verleitet. „Zum Beispiel die Menschen, die hier oben wohnen.“ Und doch habe er über Jahre hinweg immer wieder die Umfragen registriert, bei den sich eine große Mehrheit der Dresdner eine Sanierung wünschte. „Sonst hätte ich das auch nicht gemacht“, sagt Jurk. Er wisse nicht, ob die Leute da oben unbedingt einen Kaffee trinken müssten. „Aber sie wollen wieder da hoch.“ Und das wird er sich selbst sicher auch nicht nehmen lassen.

Schließlich schlägt in seiner Brust immer noch ein Funkerherz. 1982 schloss Jurk an der damaligen PGH Elektro-Rundfunk-Fernsehen in Weißwasser seine Lehrausbildung ab und arbeitete danach vier Jahre lang in seinem Traumberuf als Funkmechaniker. Nach der Armee baute er ab 1988 noch bis zur Wende Transformatoren. 1990 wurde aus der PGH dann eine GmbH – und Jurk zum Gesellschafter. Bis heute hat das Unternehmen stolze 100 Mitarbeiter und ist vor allem mit dem Tiefbau für den Breitbandausbau in der Region beschäftigt. Erst vor wenigen Wochen traf Jurk bei der Feier zum 60-jährigen Betriebsjubiläum einige seiner alten Kollegen.

Mit dem Dresdner Fernsehturm verband Jurk in seiner Heimat im tiefsten Ostsachsen vor allem der Empfang des Fernsehprogramms DFF 2. Westfernsehen holt er sich dagegen mit seinem selbstgebauten 19 Meter hohen Antennenmast ins Haus. Gekonnt ist eben gekonnt. „Heute kann ich nicht mehr genau sagen, mit welchen Frequenzen von Dresden aus gesendet wird“, gesteht Jurk. „Da hat sich zu viel verändert in den letzten Jahren.“ Wichtig ist ihm aber zu erwähnen, dass eine Öffnung des Bauwerks für Besucher keine Auswirkung auf die technische Nutzung haben werde. Dafür wird allein schon die Deutsche Funkturm GmbH als Betreiber sorgen, eine Tochter der Telekom. Stand heute braucht es eine Menge Fantasie, um sich an diesem Ort wieder ein öffentliches Leben vorstellen zu können. Das Areal um den Turm sieht mit seinem Wildwuchs und hohen Zäunen nicht besonders einladend aus. Wo könnten denn hier mal Hunderte Parkplätze entstehen?

„Da müssen noch eine Menge Fragen beantwortet werden“, sagt Jurk nachdenklich, aber für Wiederöffnungstermine sei es sowieso noch viel zu früh. Zunächst mal müssten ja der Landtag und der Stadtrat noch zustimmen. „Bis jetzt wurde nur die finanzielle Grundlage geschaffen.“ In die konkrete Umsetzung des Projektes will er sich nicht reinhängen. Seine Aufgabe hier ist vorerst erfüllt. Jetzt sind andere dran.