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Im Kampf gegen Krankheiten

Dresden gilt als eine Wiege der Pharmaindustrie. Mit der Gesundheit ließen sich gute Geschäfte machen.

© Apogepha

Von Bettina Klemm

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Der Apotheker und Fabrikant Carl Stephan legte im Sommer 1894 stolze 580 000 Mark auf den Tisch, um die Kronen-Apotheke und deren pharmazeutische Anlagen in der Bautzner Straße zu erwerben. Bereits in der Stadt Treuen hatte Stephan ein „Laboratorium“ zur Fertigung pharmazeutischer Präparate. Dabei betrieb er auch einen Dampfdestillierapparat und stellte Coca-Wein her. Diese kokainhaltige Droge, die Mitte des 19. Jahrhunderts zuerst ein französischer Apotheker gemischt hatte, war bei Dichtern, Schauspielern und Musikern sehr beliebt. 1882 hatte Stephan eine kleine Mineralwasserfabrik gegründet. Zum ersten Mal hatte Dr. Friedrich Adolph August Struve 1820 künstliches Mineralwasser hergestellt – auch in Dresden. Stephan genoss auch als Forscher einen guten Ruf, er widmete sich besonders urologischen Erkrankungen. Hier liegt der Beginn der Firma Apogepha Arzneimittel.

Das Foto von 1911 zeigt die Packerei und Abfüllung des Sächsischen Serumwerks. © GlaxoSmithKline/ Apogepha

Stephan war schon sehr wohlhabend, sonst hätte er sich die Kronen-Apotheke nicht leisten können. Nachdem er sein Laboratorium dorthin verlegt hatte, produzierte er dort auch Verbandsstoffe. Der Fabrikationsbetrieb wuchs enorm. Nach der Jahrhundertwende überstieg dessen Umsatz den nicht gerade geringen des Apothekengeschäfts. 1900 stieg er in den Großhandel mit chemischen, kosmetischen und pharmazeutischen Produkten ein.

Drogenhandel begann in Dresden

Eine oft schlechte Qualität von Drogen (Kräutern) führte letztlich dazu, dass Franz Ludwig Gehe den Grundstein der ersten pharmazeutischen Fabrik in Dresden legte. 1834 eröffnete der Kaufmann, gemeinsam mit dem Pharmazeuten Carl Robert Schwabe, die Firma Gehe & Schwabe. Schon ein Jahr später trennten sie sich und Gehe machte als Gehe & Comp. allein weiter. Er wollte den Apothekern die Arbeit der Rohdrogenverarbeitung abnehmen und Medikamente in gleichbleibender Qualität anbieten. Was mit fünf Mitarbeitern klein begann, wurde schnell zu einem internationalen Unternehmen. 1910 beschäftigten Handelshaus und Fabrik 450 Mitarbeiter.

Bahnbrechendes leistete der junge Chemiker Friedrich von Heyden. In seiner Villa und im Wagenschuppen baute er ein Versuchslabor. Angeregt vom Chemiker Hermann Kolbe, der erstmals Salizylsäure aus Phenolat und Kohlendioxid herstellte, begann von Heyden ein Verfahren zu entwickeln, um den Ausgangsstoff beispielsweise für das Schmerzmittel Aspirin chemisch rein in industriellem Rahmen herstellen zu können. 1874 gründete von Heyden eine kleine Fabrik in Dresden, die jedoch schon im ersten Produktionsjahr zu klein wurde. Noch im selben Jahr schuf er in Radebeul eine größere Fabrik. Hermann Kolbe brachte seine Kolbe-Synthese ein und wurde Teilhaber. Im Gründungsjahr produzierte das Werk 4 000 Kilogramm Salizylsäure, 1878 waren es bereits 25 000 Kilogramm.

Wenn man über die Geschichte der Pharmaindustrie in Dresden berichtet, kommt man an Karl August Lingner nicht vorbei. Der gelernte Drogist und Kaufmann hatte 1892 das „Dresdner Chemische Laboratorium Lingner“ gegründet, aus dem die Lingner-Werke entstanden. Dort entwickelte der Chemiker Richard Seifert die Rezeptur für ein antibakterielles Mundwasser, das Lingner unter dem Namen Odol weltweit vermarktete. Kampf gegen Bakterien und andere Krankheitserreger sowie eine entsprechende Desinfektion standen damals besonders hoch im Kurs.

Lingner wurde nicht nur zu einem der reichsten Männer in Sachsen, sondern setzte einen Teil seines Vermögens ein, Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung und den Kampf gegen Volkskrankheiten zu nehmen. Als Stichworte seien eine der ersten deutschen Säuglingsstationen, eine Zentralstelle für Zahnhygiene, eine Desinfektionshalle und die erste Dresdner Lesehalle genannt.

Die bakteriologischen Entdeckungen von Robert Koch und Emil von Behring hatten Lingner beeinflusst. Er sah Bakterien als eine „ungeheure feindliche Armee“ an, gegen die antiseptische Mittel nicht ausreichten. Schon in seinen Lingner-Werken hatte er eine bakteriologische Abteilung eingerichtet, ihn begeisterte die Serumtherapie. Er trennte die Abteilung ab und führte sie als selbstständige Einrichtung unter dem Namen Sächsisches Serumwerk und Institut für Bakteriotherapie. Wann das genau war, lässt sich nicht sicher sagen, in verschiedenen Veröffentlichungen werden 1908 bis 1911 angegeben. 1924 übernahm die Sächsische Serumwerke AG die Gebäude an der Zirkusstraße.

Kommen wir zurück zur Apogepha. Am heutigen Firmensitz in der Kyffhäuserstraße hatte Carl Stephan einst seine Fabrik für pharmazeutische Präparate. 1927 wurde die Firma an die Leo-Werke verkauft. Doch diese machten ihr Geschäft mit Zahnpasta und Kosmetik und hatten wenig Interesse an pharmazeutischen Produkten. So übernahm 1931 die neu gegründete Apothekergenossenschaft deren Herstellung. Der Kaufmann Max Biering und der Apotheker und Chemiker Dr. Johannes Starke gründeten 1933 die Firma Apogepha.