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Im Karl-May-Hain plätschert es wieder

Die Wassertechnik in der Parkanlage wurde komplett erneuert. Nach Jahren sollen auch die kleinen Bäche wieder fließen.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

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Der Winter naht mit Eis und auf Kufen

Das Schlittschuhlaufen im FEZ “Hains“ ist ein herrlicher Spaß – egal ob als Eisprinzessin oder -prinz, mit Pirouetten drehen oder als blutiger Anfänger.

Radebeul. Mitten in Radebeul gibt es einen Silbersee. Auf seinem Grund liegt zwar kein Schatz, wie in Karl Mays berühmten Roman, die Existenz des kleinen Gewässers dürfte trotzdem für manchen eine Überraschung sein. Denn in den letzten Jahren dümpelte der Teich im teils verwilderten Karl-May-Hain vor sich hin und wurde von vielen gar nicht wahrgenommen.

Das soll sich jetzt ändern. Seit Monaten wird in der städtischen Parkanlage gegenüber der Villa Shatterhand gebaggert und gebaut. Die beiden kleinen Seen – es gibt noch einen zweiten – werden wieder richtig schick gemacht und auch durch die ursprünglich angelegten Bachläufe, die lange Zeit trocken lagen, soll bald wieder Wasser fließen. Der Hain wird zu einem schönen, kleinen Erholungsgebiet.

Dafür musste die Technik komplett erneuert werden, erklärt Nico Dathe von der Firma Pumpenservice Dathe aus Meißen. Die alte Pumpe stammt von 1992, als der Park zum letzten Mal anlässlich des 150. Geburtstages von Karl May neu hergerichtet wurde. „Die Elektrik war total marode, das konnte man nicht mehr verwenden“, sagt der Teichbauer.

Früher wurde das Wasser von der unteren Ebene des Geländes nach oben gepumpt, plätscherte durch die fünf Wasserläufe und speiste so den Silbersee. Über einen Überlauf floss das Wasser weiter in den unterhalb gelegenen Herzsee. Dieser Kreislauf wurde jetzt aus Naturschutzgründen geändert. Denn in den beiden Teichen leben jede Menge Lurche und Frösche. Im Sommer kann man die kleinen Amphibien dort gut beobachten.

Würde man aber jetzt den alten Pumpkreislauf wieder in Betrieb nehmen, wären die Tierchen gefährdet. Denn sie könnten durch den Sog in den Überlauf und in die Pumpe gespült werden. Deshalb wird das Wasser bald nur noch durch die Bachläufe fließen und nicht durch die Teiche. Eine neue Pumpe in einem drei Meter tiefen Schacht pumpt das Wasser zu einem Verteiler. Von dort strömt es durch die Wasserläufe. „250 Liter pro Minute fließen dadurch“, sagt Nico Dathe. Noch vor dem Silbersee gibt es einen Ablauf. Das Wasser plätschert also nicht in den Teich, sondern fließt zurück zur Pumpe. Und die Amphibien haben ihre Ruhe.

Auch weitere technische Details sind wichtig. So gibt es eine automatische Nachspeisung mit Wasser, wenn im Kreislauf zu wenig Wasser fließt. „Im Sommer bei Hitze geht über Verdunstung viel verloren“, sagt Dathe. Der Elektriker und seine Mitarbeiter haben auch eine Zeitschaltuhr eingebaut. Am Abend gegen 20 oder 21 Uhr wird das Wasser abgestellt, damit sich Anwohner nicht durch das Geplätscher gestört fühlen könnten.

Für die Firma ist es nicht der erste Auftrag in Radebeul. Dathe ist für die Wartung aller Brunnen im Stadtgebiet zuständig. Vor dem Winter werden die Pumpen überall ausgebaut, überprüft und eingelagert. Im Frühjahr gehen die Brunnen dann wieder in Betrieb und müssen regelmäßig kontrolliert werden. Auch im Karl-May-Hain werden die Experten alle vier Wochen überprüfen, ob noch alles in Schuss und nichts verstopft ist.

Für die neue Wassertechnik muss die Stadt rund 14 000 Euro zahlen. Insgesamt wird die Sanierung des Karl-May-Hains rund 1,2 Millionen Euro kosten – zu zwei Dritteln gefördert von Bund und Land. Die Wege im Park werden neu angelegt und das Areal wird größer. An der Schildenstraße kommt ein Grundstück hinzu, das durch eine Rampe mit dem Ehrenhain verbunden wird. Dort entsteht ein Abenteuerspielplatz. Die Spielgeräte, alles Unikate, werden von der Firma Holzdesign Fromme aus Niesky gefertigt. Ein alter Pavillon auf dem Gelände soll zur öffentlichen Toilette umgebaut werden.

Der Karl-May-Hain wurde von Karl May selbst angelegt. 1896 hatte er das Grundstück gegenüber seiner Villa gekauft, um eine Bebauung zu verhindern. Der Schriftsteller pflanzte dort einen Obstgarten. Nach seinem Tod übergab seine Frau Klara das Gelände 1930 an die Stadt. Zwei Jahre später legte der Karl-May-Verein in dem Obstgarten einen Gedächtnishain mit Wasserläufen und einem Wasserbecken an.