merken

Im Konsum gibt’s Schokolade

Zwei Angeklagte sitzen seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft – wegen zu viel Süßem und einer umstrittenen Raserei.

© Symbolbild/dpa

Von Alexander Schneider

Immer Schokolade und immer aus dem Konsum. Ein Pärchen aus Usti nad Labem hat laut Anklage im November 2016 immer wieder gezielt im großen Stil Tafeln im Gesamtwert von mehr als 1 500 Euro aus Dresdner Supermärkten gestohlen. Sie sollen die süßen Sachen taschenweise an der Kasse vorbeigetragen haben. Das ging meist gut – doch am 21. November waren die Ladendetektive schneller als sonst zur Stelle. Das Pärchen flüchtete aus dem Markt am Merianplatz und versuchte, mit einem Seat Ibiza zu entkommen. Dabei sollen zwei Marktmitarbeiter sich sogar nur mit einem Sprung zur Seite gerettet haben – sie wären sonst überfahren worden.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Aus diesem Grund steht das Paar nun nicht nur wegen Diebstahls in sieben Fällen, sondern auch wegen schweren räuberischen Diebstahls, versuchter gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor dem Landgericht Dresden. Am Freitag hat der Prozess gegen Daniel J. (34) und Ramona S. (30) aus Tschechien begonnen. Der Raub-Vorwurf ist auch der Grund, warum beide Angeklagte seit der Tat in Untersuchungshaft sitzen. Ein Umstand, den Verteidigerin Ines Kilian nicht nachvollziehen kann – auch wenn das Oberlandesgericht die Haftfortdauer angeordnet hat.

Die Angeklagten haben die Diebstähle eingeräumt. J. sagte, er habe die Schokolade, meist Lindt und Merci, für 80 Cent bis einem Euro pro Tafel weiterverkauft. Das Geld sei für seine Familie bestimmt gewesen. Er habe zwar viele Jahre ein Drogenproblem gehabt, allerdings nicht Ende vergangenen Jahres. Auch die Mitangeklagte ist abhängig von Crystal. J. habe sie gebeten, ihn für die Diebstähle nach Dresden zu fahren, sie habe auch Spritgeld erhalten und sei mit ihm in die Geschäfte gegangen. Ihre Flucht auf dem Parkplatz in Gorbitz schilderten sie jedoch ganz anders als die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Weit weniger gefährlich und dramatisch.

Es ist nun Aufgabe des Gerichts, die Sache aufzuklären – die Differenz zwischen einem „einfachen“ Ladendiebstahl und einem räuberischen Diebstahl beträgt mehrere Jahre hinter schwedischen Gardinen. Der Prozess wird nach den Herbstferien fortgesetzt.