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Sogar der Lack ist denkmalgerecht

Die Sanierung des Dresdner Rathauses ist zum Jahresende abgeschlossen. Dennoch bleibt vieles offen.

© Sven Ellger

Von Bettina Klemm

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Auf den ersten Blick sieht der Plenarsaal nach der aufwendigen Sanierung nahezu unverändert aus. Die Holzverkleidung der Hellerauer Werkstätten aus den 1960er-Jahren ist wieder angebracht, allerdings frisch geschliffen und lackiert. Fehlende Teile wurden ersetzt.

Die Denkmalpflege legte Wert darauf, dass sogar der gleiche Lack wie damals verwendet wird. „Das Problem bestand aber darin, das dieser Nitrocelluloselack in Deutschland nicht mehr eingesetzt wird“, erklärt Projektleiter Markus Lenhart. Aufgrund eines sehr hohen Lösungsmittelanteils entstünden bei der Verarbeitung gesundheitliche Risiken. So musste die Stadt nicht nur eine Firma finden, die den Lack herstellt, sondern dafür auch eine Sondergenehmigung einholen. Aufgetragen wurde die glänzende Schicht mit Atemschutz. Von dem getrockneten Lack gehe aber keinerlei Gefahr mehr aus, versichert Lenhart.

Bei der Sanierung des Rathauses blieben Zeugnisse aus der Entstehungszeit um 1910 und aus der Zeit des Wiederaufbaus in den 60er-Jahren erhalten. So haben Bauarbeiter hinter Mauern noch Reste aus der Aufbauzeit gefunden. Die Wappen vor grünem Grund wurden freigelegt und denkmalpflegerisch bearbeitet. Das bedeutet, dass man die alten Spuren und die Mauerreste noch gut erkennt. Glaswände ermöglichen jetzt einen Blick in die Kuppelhalle.

Leuchter nach historischem Vorbild

In dieser wurde die farbenprächtige Wandmalerei ebenfalls nur behutsam restauriert. „Auf Wunsch des Stadtrates sollen in der Halle 16 Kronleuchter nach historischem Vorbild aufgehängt werden“, sagt Lehnart. Rund 530 000 Euro werden diese kosten. Die knappe Hälfte davon haben Stadträte als Fördermittel eingeworben. Allerdings gebe es davon nur kleine schwarz-weiße Fotos. Jetzt werden zwei Musterleuchten angefertigt, die im Labor getestet und vom Denkmalschutz begutachtet werden. Noch ist fraglich, ob die Leuchter dann die erforderliche Lichtstärke sichern, oder ob noch zusätzliche Leuchten angebracht werden müssen. Einfacher war es, die vielen kleinen Lampen an der Decke vor dem Festsaal und dem Plenarsaal aufzuarbeiten. Sie werden mit modernen LED-Leuchten bestückt. „Etwa 50 Stück fehlen, das sind 15 Prozent aller Lampen“, erklärt der 44-jährige Projektleiter.

Vor den beiden Sälen wurde ein verglaster Bereich für die Pausenversorgung geschaffen. Im Januar werden noch die Möbel für eine kleine Küche geliefert. Der Stadtrat wird aber erst im März in seinem neuen Plenarsaal tagen können. Zuvor muss die gesamte Medientechnik eingebaut und auch gestestet werden. Schneller erfolgt der Umzug in die Fraktionsräume. Bis auf kleine Ausbesserungsarbeiten sind diese fertig. Damit die gewählten Stadtvertreter mehr Platz haben, wurden die einst extrem breiten Gänge verkleinert. Ab Januar sollen die sechs Fraktionen einziehen. Die Grünen haben sich nachträglich eine Trennwand aus Glas gewünscht. Diese musste nun erst bestellt werden.

Im vierten Geschoss des Südflügels sind bereits die Mitarbeiter des Steuer- und Stadtkassenamtes eingezogen. Auf ihrer Etage waren die Räume früher viel zu tief und entsprachen nicht den heutigen Vorschriften. Deshalb wurde auf der Hofseite die einstige Dachterrasse umgebaut, es entstanden zusätzliche Büros. Im Gang in der Mitte fanden Archive, Kopierräume und Kaffeeküche Platz.

Im Januar wird Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) seine früheren Räume wieder beziehen. In diesem Flügel gab es viele Probleme mit der Qualität der Decken. „Sie waren so marode, dass wir sie alle erneuern mussten. Leider haben wir das erst während der Bauarbeiten entdeckt“, erklärt Lenhart. Die Sanierungskosten stiegen von 25 auf 38 Millionen Euro. Jetzt ist etwa ein Viertel des Rathauses auf dem aktuellen Stand. In den anderen Bereichen ist nach wie vor der Brandschutz nicht gesichert. Weil es keine einheitlichen Alarmanlagen gibt, hat die Stadt Brand- und Evakuierungshelfer bestimmt, die im Notfall die Mitarbeiter retten sollen. Bei Probeübungen habe das geklappt. Die Stadt schätzt die noch erforderlichen Sanierungskosten auf rund 100 Millionen Euro. Jetzt wird ein neuer Planer gesucht. Frühestens Ende 2016 sollen belastbare Daten vorliegen. Dann müssen die Stadträte entscheiden.