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Im Ratskeller wird bald Politik gemacht

Fast eine halbe Million Euro kostet der Umbau der Meißner Traditionsgaststätte. Dafür gibt’s künftig auch Platz für debattierende Stadträte.

Von Christoph Scharf

Das ist aber hell hier! Wer den Ratskeller am Markt kennt, wundert sich als erstes über das viele Tageslicht im Raum. Die bunten Butzenscheiben sind normalem Fensterglas gewichen. „Schließlich sollen unsere Gäste raus aufs Leben auf dem Markt schauen können“, sagt Pächter Karsten Müller. „Und noch wichtiger: Wer vorbeiläuft, soll sehen, dass drinnen was los ist.“ Der Gastronom betreibt bereits den Domkeller, das Café am Dom und das Schlosscafé in der Albrechtsburg. Deshalb weiß der Meißner, worauf es ankommt.

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Ende März, spätestens Ostern will der 51-Jährige sein jüngstes Kind eröffnen: den Ratskeller im Untergeschoss des Rathauses. Nach dem Auszug der letzten Pächterin war das Restaurant ein gutes Jahr lang geschlossen. Sehr zum Missfallen von OB Olaf Raschke (parteilos). „Eine Saison ohne Ratskeller ist genug.“ Zu stark fällt auf dem Marktplatz die tote Ecke auf. Schließlich gilt der Freibereich am Ratskeller als sonnigste Ecke des ganzen Platzes – auf seinen Freisätzen saßen im Frühling die ersten mutigen Gäste und im Herbst die letzten.

Auch gestern im Schein der Februarsonne hätte Karsten Müller wohl schon die ersten Stühle und Tische rausstellen können. Das Interesse am Ratskeller ist jedenfalls ungebrochen. „Seit die Tür für die Handwerker offensteht, kommen derart viele Leute schauen, dass ich eine Spendendose aufstellen könnte.“ Doch derzeit ist es mit einem Besuch des Ratskellers eher ungünstig. Im Eingang stapeln sich Säcke mit Putzmörtel. Daneben wartet eine Schubkarre voller Ziegelsteine. Vorn wird gemalert, hinten geputzt. Den Fußboden durchziehen aufgestemmte Schächte für Leitungen, aus der Wand ragen abgetrennte Elektrokabel. Dass der Umbau der Gaststätte derart aufwendig werden würde, hatte zunächst niemand vermutet. „So schlimm hatten wir uns den Zustand des Ratskellers nicht vorgestellt“, sagt OB Raschke. „Wir dachten eigentlich, dass wir die Räume gleich weiter verpachten könnten.“

Doch nachdem Müllers Vorgängerin ihre Einbauten rausgerissen hatte, kam die Ernüchterung. Dahinter versteckte sich Strom-, Wasser- und Abwassertechnik, die teils aus den 50ern stammte. Hinter Fliesen kamen Steckdosen zum Vorschein, an denen noch Strom anlag. So musste die Stadt die erste Ausschreibung aufheben und erst einmal 150 000 Euro investieren, um das Objekt überhaupt vermietbar zu machen. Weitere 300 000 Euro steckt Pächter Karsten Müller selbst in das Restaurant. „Schließlich haben die Leute besondere Erwartungen, wenn sie einen Ratskeller betreten. Das ist doch eine Art Aushängeschild für die Stadt.“ Und so will der Gastronom in dem Gebäude nicht nur rustikale Gemütlichkeit bieten, sondern auch einen speziellen Bezug zur Stadt.

Direkt am Eingang findet der neue Tresen Platz – und dahinter ein riesiges Holzfass der Schwerter-Brauerei. Während hier die Sitznischen vor allem dem Thema Bier vorbehalten sind, ist der Raum rechts daneben als Weinzimmer vorgesehen. Überall kommt wieder Vertäfelung an die Wand. Ein ausgeklügeltes Beleuchtungs- und Farbkonzept soll für das richtige Ambiente sorgen. Zu Meißner Bier und Meißner Wein gehört natürlich auch ein regionales Speisenangebot – Fleisch vom Meißner Landschwein wird sich genauso finden wie Spargel aus Nieschütz oder Gemüse vom Biohof Mahlitzsch.

Das sollen nicht nur Meißner und Touristen verkosten, sondern möglichst oft auch Meißens Stadträte. Denn das einstige Ratsherrenzimmer, das in den vergangenen Jahren nur als Abstellraum genutzt wurde, wird wieder als solches vorgerichtet. Es wäre bestens dafür geeignet, Debatten aus dem Ratssaal bei einem Glas Bier oder Wein fortzusetzen – und dabei vielleicht zu neuen Einsichten zu gelangen. Zehn bis zwölf Mitarbeiter sorgen künftig dafür, dass Getränke und Speisen frisch auf den Tisch kommen. Das Team hat Karsten Müller bereits zusammen. Jetzt muss nur noch der Bau fertig werden.

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