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Im Schatten der Tragödie

Kristina Vogel fehlt nach ihrem schweren Unfall bei der deutschen Bahnradmeisterschaft, ist aber allgegenwärtig.

© dpa

Von Thomas Juschus

Diesmal ist alles anders. Wenn am Mittwoch die deutsche Bahnradmeisterschaft in Dudenhofen beginnt, ist die Rückkehr zur Normalität kaum möglich. „Als Weltmeisterin und Titelverteidigerin will ich die 500 Meter gewinnen, aber ansonsten sind meine Ziele schwierig zu formulieren, weil Kristina fehlt“, sagt Miriam Welte. Der Schock über den schlimmen Trainingsunfall ihrer langjährigen Auswahlgefährtin Kristina Vogel sitzt immer noch tief.

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Die zweifache Olympiasiegerin und elfmalige Weltmeisterin war das Aushängeschild im deutschen Bahnradsprint – bis zu jenem 26. Juni, als sie im Training in Cottbus so tragisch stürzte. Die Erfurterin kollidierte mit einem niederländischen Juniorenfahrer auf der Bahn und erlitt dabei schwerste Blessuren an der Wirbelsäule. Sie liegt nach einer Not-Operation weiter in Berlin im Krankenhaus. Offizielle Angaben zu ihrem Gesundheitszustand gibt es seit beinahe zwei Wochen nicht mehr.

Achtmal hintereinander gewann die 27-Jährige die nationale Meisterschaft im Sprint. Dieses Mal steht sie nicht an der Startlinie. „Wir können dieses Schicksal in den Meisterschaftstagen nicht aussparen. Ich bin seit 40 Jahren Arzt. Ich glaube, es gibt keine große Hoffnung, dass Kristina wieder aufs Rad steigt“, sagt Clemens Spiekermann. Der Vorsitzende des Ausrichters RV 08 Dudenhofen will den eingerichteten Crowd-Funding-Fonds zugunsten Vogels mit Aktionen wie Verlosungen unterstützen und hofft auf einen fünfstelligen Betrag. Unter dem Hashtag #staystrongkristina kamen bisher bereits etwa 75 000 Euro an Spenden zusammen. 2009 mit gerade 18 Jahren war Vogel beim Training auf der Straße schon einmal schwer verunglückt.

Auch für einige Teilnehmer ist ihr neuerlicher Unfall noch allgegenwärtig. Besonders Welte kann sich kaum vorstellen, dass ihre langjährige Teamsprint-Partnerin fehlt. Die 31-Jährige aus Kaiserslautern gewann mit Vogel bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London die Goldmedaille im Teamsprint. Außerdem gab es vier WM-Titel. Welte startet in Dudenhofen im Teamsprint mit der Junioren-WM-Zweiten Lea Sophie Friedrich aus Schwerin.

Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel weist aber auch darauf hin, dass es trotz der Dramatik um den Vogel-Sturz bei der Meisterschaft auf der gerade für 900 000 Euro runderneuerten Radrennbahn von Dudenhofen auch für viele Athleten um einiges geht. „Für viele spielt der Unfall nur im Hinterkopf noch eine Rolle“, sagt er. „Sportlich ist die Meisterschaft immerhin der Abschluss des Nominierungszeitraums für die bevorstehende Europameisterschaft und die Weltcup-Saison im Herbst.“ Die EM folgt im August in Glasgow. (dpa/SZ)