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Im Slalom durch die Mulde

Die Kanuten von Leisnig gibt es seit 60 Jahren. Das soll gefeiert werden. Die Wassersportler sind nun ein eigenständiger Verein.

© privat

Von Sylvia Jentzsch

Leisnig. Die Mitglieder des Vereins Kanu-Leisnig feiern jedes Jahr ein Fest an der Mulde. Doch diesmal ist es ein besonderes, denn die Leisniger Kanuten gibt es nun bereits seit 60 Jahren.

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Begonnen hatte alles 1958 als Sektion Kanu in der Betriebssportgemeinschaft Motor des VEB Elektrogerätebau Leisnig. „Anfangs hatte die Abteilung auch Trainer und nahm vorwiegend an Slalom-Wettbewerben, wie Kreis-, Bezirksmeisterschaften oder Einladungswettkämpfen teil“, sagte Vereinschef Thomas Katzschmann. Er zeigt Fotos, auf denen die Sportler mit Faltbooten auf der Mulde in Fischendorf unterwegs sind. Ein Jahr nach der Vereinsgründung gab es Slalom-Wettkämpfe. Bei den dritten, die die Sportler 1961 organisierten, sollen rund 1 000 Zuschauer die Strecke an der Mulde gesäumt haben. Solch großes Interesse an ihrem Sport würden sich die heute Aktiven auch manchmal wünschen.

Gegründet wurde die Sektion von etwa 20 begeisterten Kanusportlern. Die bauten an der „Lache“, in der Nähe des Wasserkraftwerkes, die Baracke und das Kassenhaus des alten Leisniger Stadtbades ab und stellten es am heutigen Vereinsgelände wieder auf. Das Areal stellte die Stadt zur Verfügung. Der Vereinschronist schreibt damals von schwierigen Transportbedingungen und ebensolcher Materialbeschaffung. Rund 1 000 unentgeltliche Arbeitsstunden leisteten die Kanuten. Noch 1958 konnten die fleißigen Sportler Einweihung feiern. In den weiteren Jahren wurde das Bootshaus unter anderem durch einen Vereinsraum erweitert, die Toiletten erneuert oder ein Zaun gebaut.

„Mitte der 1960-er Jahre wurde der Wettkampfbetrieb eingestellt. Seitdem haben wir uns dem Wandersport auf dem Wasser verschrieben“, sagte Thomas Katzschmann. Jedes Jahr organisieren zum Beispiel die Leisniger Kanusportler die Osterausfahrt von Waldheim nach Wurzen. „Jeder Verein organisiert solche Fahrten. Wer will, kann sich daran beteiligen.“ Am Montag nach dem Fest ist eine einwöchige Gewässerfahrt in die Berliner Gegend geplant. „Dann haben wir alles im Boot, von der Zahnbürste über Sachen bis zum Zelt“, sagte Katzschmann.

Nach der Wende seien die Kanuten auch nach Frankreich oder Ungarn gereist, um Teile des Landes vom Kanu aus kennenzulernen. Tagesfahrten führen die Vereinsmitglieder, deren Familien und Freunde auf die Spree oder Havel. Meist sind dann zwischen zehn bis 20 Leute unterwegs. „Das Wandern ist unheimlich entspannend. Dann ist man allein in der Natur oder in einer Gruppe Gleichgesinnter unterwegs. Es ist ein bisschen Abenteuer und man gewinnt Abstand zum Alttag“, sagte der Vereinsvorsitzende.

Und im Oktober wird nicht mit dem Boot, sondern auf Schusters Rappen gewandert. Auch sonst gibt es ein reges Vereinsleben. Die Senioren treffen sich, um Tennis zu spielen – im Winter im Bootshaus und im Sommer im Freien. Dann steht meist auch eine Runde mit dem Kanu an, um sich fit zu halten. „Wir treffen uns auch zu Vereinsabenden und zum Grillen.

Seit diesem Jahr ist Kanu-Leisnig aus organisatorischen Gründen ein eigenständiger Verein. „Unsere Geburtstagsfeier am Bootshaus an der Muldenwiese beginnt gegen 10 Uhr. Für Speisen und Getränke sowie verschiedene Unterhaltung ist gesorgt“, so der Vereinsvorsitzende. Es gibt Möglichkeiten zum Paddeln auf der Mulde, das Bootshaus kann besichtigt werden und eine Dia-Show auf der Leinwand ist ebenfalls geplant. Ab 20 Uhr spielt die Liveband Schlagertod aus Dresden.

Das Fest wird zum 13. Mal ausgerichtet. „Mit dem ersten bedankten wir und bei den Helfern und Unterstützern, die uns halfen, das Bootshaus nach dem Hochwasser 2002 zu bauen. Die Fluten hatten alles weggerissen“, so Katzschmann. Das neue Vereinshaus wurde hochwassersicher gebaut. Trotzdem hatten die Kanuten nach dem Hochwasser 2013 wieder viel Arbeit. Wasser und Schlamm waren ins Gebäude gelaufen, die Außenanlagen zerstört.

Thomas Katzschmann selbst gehört seit 1981 zu den Kanuten. „Zum Bootfahren bin ich durch einen Kumpel gekommen. Es ist das, was mir Spaß macht. Das ist schon meine Welt. Zu DDR-Zeiten war ich auch Rettungsschwimmer im Stadtbad, da hatte ich die Beziehung zum Wasser schon von Anfang an.“

Die Abteilung Kanu übernahm der Busfahrer kurz vor dem Hochwasser im Frühjahr 2002 als Abteilungsleiter. Seit diesem Jahr ist er nun Vereinschef.

60 Jahre Kanu in Leisnig ab 10 Uhr auf dem Vereinsareal.

Der Eintritt ist frei.