merken

Im Streifenwagen auf Facebook

Anfangs sollte das Social-Media-Team der sächsischen Polizei nur um Nachwuchs werben. Inzwischen geht es um andere Dinge.

© dpa

Von Matthias Pöls

Bei der Polizei heißen sie „Sofa-Aktivisten“ – Menschen, die gefühlt 24 Stunden in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. „Das ist vermutlich sogar ein Großteil“, sagt Olaf Hoppe, Koordinator des Social-Media-Teams der Polizei Sachsen. Doch das sind genau die Nutzer, die den Beamten am meisten Sorgen bereiten – vor allem bei den ständigen Demonstrationen wie im vorigen Jahr. Die Social-Media-Spezialisten der Polizei versuchen dann, zu moderieren, zu beschwichtigen, aufzuklären.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Besonders deutlich wurde das bei den jüngsten Ausschreitungen im Leipziger Stadtteil Connewitz. Hoppe war an jenem 12. Dezember mit draußen, als autonome Randalierer unterwegs waren. Steine flogen, Mülltonnen brannten. Die Polizei rückte mit mehreren Hundertschaften und mehreren Wasserwerfer aus – ganz real.

In der digitalen Welt, auf Twitter und Facebook, begleiteten die Polizisten das Geschehen, riefen zu Gewaltlosigkeit und Besonnenheit auf. „Dennoch mussten wir uns auch dort wüste Beschimpfungen anhören“, erzählt Hoppe. „Solche Leute fängt man nur schwer ein – jegliche Diskussion ist fast zwecklos. Doch wir versuchen es.“ Die Arbeit am Computer sei teilweise emotional ähnlich aufreibend wie die draußen.

„Die sozialen Medien verändern die Öffentlichkeit. Das macht auch die Polizei offener“, begründet Hoppe die Gründung des Social-Media-Teams vor einem Jahr. „Wir sind als Streifenwagen im Netz unterwegs und haben das Fenster unten.“ Allerdings würde das vierköpfige Team nicht als Polizeiwache funktionieren, die auch die Strafverfolgung aufnimmt. „Sonst halten sich die Leute bei uns eher zurück“, sagt Hoppe. Rund 34 000 Menschen folgen dem Auftritt auf Facebook – Tendenz steigend. Der Twitterkanal wird an Demotagen häufig wie ein Funkkanal genutzt.

„Es ist sehr, sehr positiv zu bewerten, dass die Polizei den Schritt in die sozialen Medien getan hat“, sagt der Kölner Buchautor und Social-Media-Berater Hendrik Unger. Doch die Arbeit stecke in Sachsen noch in den Kinderschuhen. Es finde kein richtiger Dialog mit den Nutzern statt. Daher sei die Reichweite noch nicht hoch. „Manchmal müsste es eben das Video von der Rettung des Hundewelpen sein, das es dann bis in die Abendnachrichten schafft.“

Über Möglichkeiten, die Reichweite zu erhöhen, wird in Leipzig bereits nachgedacht. Im Büro bei der Bereitschaftspolizei bespricht Hoppe regelmäßig mit seinem Team, was gepostet wird. Dort soll es in naher Zukunft einen Rechner für Videoschnitt geben. Dann könne der User etwa ganz nah mit ran an eine Bombe, die entschärft werde. (dpa)