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Dresden

Im Streit Böller gezündet

Als Koch gefragt, als Angeklagter gejagt. Ein 31-jähriger Dresdner schwänzte seinen Prozess und landete daher im Gefängnis.

Am Amtsgericht musste sich nun ein junger Mann verantworten, der ohne Rücksicht auf Verluste einen Polenböller zündete. © Marion Doering

Tim B. scheint häufiger Dinge zu machen, die er sich hinterher nicht erklären kann. Oft, das ist sein Problem, erfüllen diese Dinge Straftatbestände. Auf 19 Vorstrafen hat es der 31-jährige Koch inzwischen gebracht. Kein Ruhmesblatt. Weil er im Juni einen Prozess geschwänzt hatte und nicht mehr in Dresden gemeldet war, ließ ihn der Richter per Haftbefehl suchen – seit dem 14. Juli saß der Deutsche erstmals im Gefängnis und das scheint eine heilsame Erfahrung gewesen zu sein. 

„Es war die Hölle“, sagte B. am Donnerstag am Amtsgericht Dresden. Laut Anklage hat er im Januar 2018 einen Polenböller in der Tiefgarage eines Einkaufscenters in der Kohlenstraße gezündet. Offenbar hatte es zuvor eine Auseinandersetzung mit einer Tschechin gegeben, woraufhin B., grinsend, ihr den Böller vom Typ „Dum Bum“ auf die Haube ihres Skoda legte. Die Fahrerin, ihre Tochter und deren Freundin stiegen aus Panik aus, dann flog der Feuerwerkskörper in die Luft. Scheibe kaputt, Haube demoliert – 1.300 Euro Schaden. Im August 2018 stieg er vor dem Plauener Rathaus nachts aus einem Bus der Linie 62 aus und warf dann mit einer Bierflasche die Scheibe ein, nochmals 1.000 Euro Schaden. Außerdem hat der Mann Arbeitslosengeld bezogen und dennoch in verschiedenen Restaurants gekocht. Zwischen Juni 2015 und August 2016 habe er so mehr als 4.000 Euro zu viel erhalten.

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Tim B. sagte, er lebe seit acht Jahren mit seiner Freundin zusammen, habe sich aber nach dem letzten Umzug nicht umgemeldet. Er wisse nicht, wie es zu der Böller-Geschichte gekommen war. Er sei betrunken gewesen. Wie auch bei der Sache mit dem Bus. Eine Erklärung habe er nicht. In der Tiefgarage hatten Zeugen die Polizei alarmiert, weil die Skoda-Fahrerin dem Angeklagten über den Fuß gefahren sein soll. Auch daran konnte sich B. nicht erinnern. Er rühre keinen Alkohol mehr an, seit er im Winter nach seinem letzten Absturz in Unterhose vor seiner Wohnung aufwachte. Das war nach dem Tod seines Opas.

Das Schöffengericht verurteilte den geständigen Koch zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. B. ist wieder frei. Immerhin, lobte der Vorsitzende Richter, als Koch scheint B. gefragt zu sein. Sein Arbeitgeber habe ihn unbedingt wieder in seiner Küche haben wollen.

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