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Im Tal der Abgekoppelten

Bewohner in Schmiedefeld mussten einen Monat lang ohne Telefon auskommen. Erst nach vielen Anläufen wurde die Leitung repariert.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

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Schmiedefeld. Ganz Deutschland spricht vom schnellen Internet. Für die Bewohner von zwei Mehrfamilienhäusern im Großharthauer Ortsteil Schmiedefeld ist das seit Ende Januar ein reines Luxusproblem. Sie hatten einen ganzen Monat lang nicht mal Telefon. Seitdem am 26. Januar, einem Freitag, ein Baum umstürzte und die Telefonleitung zerriss, waren 13 Haushalte vom Festnetz abgekoppelt. Auch Handy-Empfang ist nicht möglich, berichtet Anwohner Werner Karsten. Denn die beiden Häuser liegen im Tal der Wesenitz genau zwischen Schmiedefeld und Bühlau – abgeschieden von beiden Dörfern, dafür aber mitten in einem Funkloch. Vier Wochen lang musste der Grundschullehrer von Pontius zu Pilatus laufen, damit die Freileitung endlich repariert wird. Seit Montagnachmittag nun, genau einen Monat nach dem Sturm, können Werner Karsten und die meisten seiner Nachbarn wieder telefonieren. Bei zweien gebe es noch ein Softwareproblem, berichtete der Schmiedefelder der SZ.

Gleich am Montag nach dem ersten „funkstillen“ Wochenende hatte Werner Karsten den Schaden dem Telefonanbieter gemeldet. Nichts passierte. Es folgten weitere Anrufe. Am 6. Februar teilte ihm die Telekom schließlich mit, bis zum 28. Februar sei nicht mit einer Reparatur zu rechnen. Auch Nachbarn fragten nach. Ihnen wurde sogar erst der März als möglicher Reparaturtermin genannt, berichtet der Schmiedefelder. Er ließ nicht locker. Am 15. Februar schickte die Telekom einen Service-Mitarbeiter nach Schmiedefeld. Der nahm die Daten auf und versprach, sich um die Sache zu kümmern. Doch wiederum passierte nichts. Eine Woche später trug Werner Karsten das Problem an Großharthaus Bürgermeister Jens Krauße heran. Der wandte sich umgehend an den Telefonanbieter. Mit dem Ergebnis, dass noch am gleichen Tag ein anderer Service-Mitarbeiter der Telekom nach Schmiedefeld fuhr, die Daten aufnahm und versprach, sich zu kümmern. Parallel fragte die SZ in der vergangenen Woche bei der Telekom nach. Möglich, dass der Druck nun doch zu groß wurde und man reagieren musste. Noch am Mittwochabend hatte Unternehmenssprecher Christian Fischer mitgeteilt: „Die Beschädigung der Oberleitung wird im Zuge der sehr umfangreichen Reparaturarbeiten in der Region so bald wie möglich wieder in Ordnung gebracht. Leider können die Kollegen nicht überall gleichzeitig sein und wir müssen in diesem Fall weiterhin um Geduld bitten.“

Schwer, Firmen zu bekommen

Auf nochmalige Nachfrage erklärte er, deutschlandweit gebe es großen Reparaturbedarf an Telefonleitungen. Bedingt zum einen durch die Folgen von Stürmen, wie in Schmiedefeld. Zum anderen gebe es aber auch bei Leitungen, die in der Erde verlegt sind, zunehmend Probleme, bedingt durch die vielen Niederschläge im vergangenen Jahr und das dadurch gestiegene Grundwasser. Um die Schäden zu beseitigen, arbeite die Telekom größtenteils mit Kooperationspartnern aus der Region zusammen. „Es ist momentan nicht leicht, Firmen zu bekommen, da viele Handwerksbetriebe durch andere Aufträge gebunden sind“, sagte der Sprecher.

Das hier geschilderte Problem dürfte durchaus als Härtefall gelten. Aufgrund der Lage der Häuser – bis nach Schmiedefeld und Bühlau sind es jeweils über einen Kilometer – und wegen des Funkloches. Werner Karsten nennt das Agieren des Telekommunikationsunternehmens denn auch „fahrlässig“. „Was passiert bei einem Brand? Was passiert, wenn ein Bewohner dringend medizinische Hilfe benötigt? Was passiert, wenn ich meine berufliche Tätigkeit nur eingeschränkt ausführen kann, weil ich nicht ins Internet komme?“, fragt er. „Sollten im 21. Jahrhundert, wo man über den Breitbandausbau spricht, nicht einmal nötige telefonische Gespräche möglich sein?“ – Werner Karsten beklagt die „unzumutbar lange Wartezeit“ und den aus seiner Sicht schlechten Service. „Eine schriftliche Information Ihrerseits erfolgte bis jetzt nicht“, schrieb er bereits am 10. Februar an die Telekom.

Kulanz von Seiten der Telekom?

Für ihn steht fest: Für den Monat ohne Telefon und Internet wird er nichts an die Telekom bezahlen. Die Aussichten dafür sind gut, weil er sich umgehend gemeldet hat. Für seine Nachbarn, in der Mehrzahl ältere Menschen, die nicht mehr auf Arbeit gehen und die nicht so gut vernetzt sind wie er, stehen die Chancen schlechter. Sie konnten den Schaden in ihrem persönlichen Fall erst der Telekom melden, als sie wieder am Telefonnetz waren, also am Montag. Dürfen sie auf Kulanz hoffen? Telekom-Sprecher Christian Fischer stellt zumindest die Möglichkeit einer Gutschrift auf der monatlichen Rechnung in Aussicht.

Es ist den Schmiedefeldern zu wünschen, dass die Leitung jetzt hält. Werner Karsten hat da allerdings seine Zweifel. Die beiden Enden wurden zusammengefügt und mit Folie und Klebstreifen umwickelt, damit keine Feuchtigkeit eindringt, schilderte er am Montagabend am Telefon gegenüber der SZ die Reparatur. Hoffentlich ist es mehr als nur ein Provisorium.