Teilen:

Diese Vorteile bringt der Umzug

Ein Umzugshelfer des BND, bringt Kartons aus Pullach in die neue Zentrale in der Chausseestraße in Berlin. © Foto: dpa/Michael Kappeler

BND-Chef Bruno Kahl über die neue Zentrale in Berlin und die größere Nähe zur Politik.

Mit 6500 Mitarbeitern ist der deutsche Auslandsgeheimdienst zuständig für die Aufklärung in aller Welt. Bruno Kahl über Chancen und Herausforderungen des Umzugs des Geheimdienstes nach Berlin.

Was sind für Sie und ihre Mitarbeiter die größten Vorteile und was die größten Nachteile des Umzugs von Pullach nach Berlin?

Der Vorteil ist natürlich, dass wir jetzt zunächst einmal alle unter einem Dach sind. Und das in einem sehr modernen und leistungsfähigen und sehr tauglichen Gebäude, was auch noch attraktiv ist, meiner Meinung nach. Der zweite Vorteil: die große Nähe zu unseren Kunden, zu unseren Abnehmern - zur Regierung, zum Parlament. Das hat das Verhältnis zur Politik schon verbessert. Das hat auch unsere Produkte verbessert, weil wir einfach besser verstehen und wissen, worauf es der Regierung zur Grundlage ihrer Entscheidungen ankommt. Nachteile sind natürlich immer damit verbunden, wenn Menschen ihre gewohnte Umgebung verlassen müssen. Wenn Umzüge vielleicht die Lebensplanung durchkreuzen. Aber auch hier haben wir in einem sehr aufwendigen sozialen Verfahren eigentlich alles, alle Härten, abgefedert.

Spüren Sie eine größere Offenheit der Politik Ihnen gegenüber?

Oh ja. Dadurch, dass wir uns hier nahezu täglich sehen können bei Bedarf, dass wir in die Ministerien, ins Parlament fahren und persönliche Kontakte haben, werden wir auch viel besser verstanden in dem, was wir leisten können und werden wir viel mehr nachgefragt. Die Politik, die Gesellschaft, auch die Medien haben viel besser verstanden, wofür Nachrichtendienste da sind.

Bruno Kahl, 56, ist seit 2016 BND-Präsident. Der studierte Jurist hatte zuvor im Bundesinnenministerium sowie im Finanzressort gearbeitet. © Foto: dpa/Michael Kappeler

Was war die größte Herausforderung beim Umzug?

Es war eine große Herausforderung, den Dienstbetrieb am Laufen zu halten, während wir umgezogen sind. Das Ganze hatte ja auch Sicherheits-Implikationen. Und insofern waren wir natürlich auch bestrebt, hier in ein Haus zu kommen, was sicher ist, wo man uns nicht abhört. Das hat Gott sei Dank alles hingehauen. Und ohne Pannen und Schäden sind auch die eigentlichen Umzüge vonstatten gegangen. Das war wohl eine große Leistung.

Der BND ist mit dem Umzug von der Abgeschiedenheit von Pullach in der Moderne angekommen. Wie stellt sich der BND auf das beschleunigte Tempo in Berlin ein?

Ich glaube, das tut uns gut. Das etwas langsamere Tempo in Pullach, die doch größere Entfernung zu dem, was von uns gefordert wird, das ist der Qualität unserer Arbeit nicht zuträglich gewesen. Insofern haben wir von alleine eigentlich dazugelernt, diese Geschwindigkeit auch zu bedienen, und sind in dem neuen Tempo der Hauptstadt schon sehr gut angekommen.

Manche Mitarbeiter, die von Pullach gekommen sind, hatten Sorgen, dass ihre Sicherheit beeinträchtigt ist, wenn sie aus der Abgeschiedenheit mitten in das Herz der Hauptstadt kommen. Wie sorgen Sie für die Sicherheit Ihrer Leute, die täglich von der Chausseestraße in das große Gebäude hineingehen?

Die Vorkehrungen auch in und um das Gebäude herum zur Gewährleistung der Sicherheit sind alle sehr ausgereift. Natürlich gibt es auch Mitarbeiter, die besonders geschützt werden müssen. Das ist nach wie vor möglich. Wir werden auch in Berlin nicht ganz auf operative Liegenschaften, die keiner kennt, verzichten können. Aber im normalen Dienstbetrieb braucht sich keiner Sorgen zu machen vor Entdeckung oder vor Unsicherheit.

Wenn Sie jetzt einen Kollegen aus einem fremden Land hier empfangen, wie wird er in dieses Gebäude geschleust?

Es gibt ja auch Zufahrtswege, über die man hier einfahren kann in das Haus, und wo man dann innerhalb des Gebäudes in geschützten Wegen zu den Konferenzräumen kommen kann, die dafür genutzt werden.

Der BND ist seit Jahren auf einem Kurs größerer Offenheit. Wo hat die Offenheit gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit seine Grenzen? Wann werden sie bei Twitter und auf Facebook sein?

Wir sind in der Tat in vielerlei Hinsicht offener geworden. Wir nutzen die modernen Medien. Wir gehen raus. Wir zeigen uns auf den Jobmessen. Wir gehen an die Universitäten. Wir sind mit Radio-Werbesendungen in der Öffentlichkeit. Ob wir jetzt nun twittern, ob das gut zu einem Nachrichtendienst passt, das muss man sehr wahrscheinlich noch mal sorgfältig prüfen. Aber um als Arbeitgeber bekannt zu werden, scheuen wir nicht zurück, ganz moderne Mittel zu nutzen. Der BND ist auch in dieser Hinsicht eigentlich sehr in der Moderne angekommen.(dpa)

Interview: Jörg Blank