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Im Tode noch Leben retten

Organspenden sind wichtiger denn je. Am Wochenende treffen sich in Görlitz Angehörige und Transplantierte.

© dpa-tmn

Von Sebastian Beutler

Görlitz. Als ihr Mann vor sieben Jahren tödlich verunglückte, brach von einem Augenblick auf den anderen für Rosemarie Mann eine Welt zusammen. Doch ehe sich noch die Trauer bei der Frau aus dem Vierkirchener Ortsteil Tetta breitmachen konnte, stellten ihr die Ärzte eine wichtige Frage: Dürfen Organe ihres Mannes entnommen und anderen Patienten eingesetzt werden, die seit Jahren auf ein neues Herz oder eine neue Niere warteten und ohne eine Implantation nicht überleben würden? Rosemarie Mann stimmte der Organentnahme zu. Das Leben von vier Menschen rettete ihr Mann auf diese Art und Weise noch. „Ihnen geht es gut“, sagt Rosemarie Mann. Zwar werden die Daten von Spendern und Patienten streng vertraulich behandelt, aber über die Deutsche Stiftung Organtransplantation erfahren die Angehörigen der Spender einmal im Jahr wenigstens, wie es den Transplantierten geht. Und so kann Rosemarie Mann sagen: „Keiner der vier hängt mehr an der Dialyse oder ist wegen einer Herzerkrankung eingeschränkt.“

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Roland Kaiser pflanzte einen Baum

Einmal im Jahr kommen die Angehörigen von Organspendern und Transplantierte aus den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf Einladung der Deutschen Stiftung Organtransplantation zusammen. An diesem Wochenende ist es in Görlitz so weit. Rund 40 Teilnehmer werden erwartet. Nach einem Frühstück im Gasthaus „Zur alten Freundschaft“ stehen Gesprächsrunden für Angehörige auf dem Programm, eine Stadtrundfahrt wird es geben, und schließlich klingt das Treffen am Nachmittag aus. Görlitz als Ort der Zusammenkunft kam im vergangenen Jahr zur Sprache, als sich alle in Halle trafen. Görlitz sei so in den Medien, hieß es damals, da wollte sich die Gruppe die Stadt auch mal persönlich anschauen. Rosemarie Mann nimmt seit Jahren regelmäßig an diesen Treffen teil. Für sie ist es eine schöne Möglichkeit, mit Angehörigen anderer Organspender zusammenzukommen. „Die Treffen gehen weit über den Schmerz des eigenen Verlustes hinaus“, sagt sie. Immer wieder kommen auch neue Teilnehmer hinzu. Und in Halle gibt es sogar einen Park der Erinnerung, wo Transplantierte Bäume für ihre Retter pflanzen. Auch der Schlagersänger Roland Kaiser, der seit Jahren mit einer fremden Lunge singt und lebt, hat dort 2012 einen Baum gesetzt.

Organspenden gehen zurück

All dies soll dazu beitragen, das Organspenden in Deutschland populärer zu machen. Denn noch immer ist die Skepsis hoch und kulminiert in der Frage, wie tot jemand sein muss, damit seine Organe entnommen werden können. Nach jüngsten Angaben ging die Zahl der Spender in Deutschland erneut zurück und lag im vergangenen Jahr bei 9,3 pro Million Einwohner und somit unter der kritischen Marke von 10 pro Million Einwohner. Nach internationalen Übereinkommen gilt sie als Voraussetzung für ein ernstzunehmendes Organspendesystem, berichtete die Süddeutsche Zeitung Anfang des Jahres.

Dem Thema widmet sich am 1. und 2. Juni in Görlitz auch ein Symposium im Städtischen Klinikum. Dort sollen sowohl Ärzte zu Wort kommen und über die medizinischen Voraussetzungen für eine Organspende sprechen als auch Betroffene in Gesprächsrunden über ihre Empfindungen beim Warten auf ein Spenderorgan sowie über ihr Leben mit dem neuen Organ reden. Das Krankenhaus erwartet von dem Heben dieses sehr persönlichen Erfahrungsschatzes auch eine hilfreiche Begleitung all jener, die vor ähnlichen Fragen und Entscheidungen stehen.

Rosemarie Mann jedenfalls hat nie bereut, die Organe ihres Mannes zum Spenden freigegeben zu haben. Jedes Treffen der Angehörigen erinnert sie zwar an die schwierige Situation. Doch wird das mehr als aufgehoben durch das Wissen, vier Menschen das Leben gerettet zu haben.

Das Organspendesymposium „Ich schenke Dir ein neues ...“ findet am 1. und 2. Juni im Konferenzraum des Klinikums statt. Anmeldungen: Fax 03581 371942 oder über www.klinikum-goerlitz-blog.de/organspendesymposium