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Im Wettlauf mit Stromkosten und Mindestlohn

Einzelhändler Marko Hoffmann erzählt, warum er jeden Monat für seine Lebensmittelmärkte und um jeden Kunden kämpft.

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© A. Hübschmann

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Lauterbach/Sacka/Laußnitz. Zum Jahreswechsel steigt der Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde auf 8,84 Euro. Und die Energiekosten klettern auch. „Für den Strom bezahle ich jetzt schon für meine drei Filialen 2000 Euro im Monat – dafür könnte ich zwei Vollzeitstellen schaffen“, klagt Einzelhändler Marko Hoffmann. Der 40-Jährige ist Verkäufer mit Leib und Seele, hat das Handelsgeschick von seiner Mutter Anita geerbt. Auch seine Frau Stefanie ist mit im Geschäft. Doch manchmal könnte er sich wegen der steigenden Nebenkosten die Haare raufen.

Die Märkte in Sacka, Lauterbach und Laußnitz laufen stabil – Gott sei Dank. Einen vierten Laden in Großnaundorf musste Marko Hoffmann aus zeitlichen Gründen abgeben. Es sind jetzt acht Mitarbeiter, die jeden Monat bezahlt werden wollen. Vor zwei Jahren waren es noch elf. Als der Mindestlohn eingeführt wurde, musste Hoffmann auch Öffnungszeiten reduzieren, um überhaupt noch wirtschaftlich zu sein.

„Wir können uns unser Dorf ohne den Einkaufsmarkt nicht vorstellen“, sagt allerdings Randy Friese in Lauterbach. Viele würden hier ihren Großeinkauf erledigen, vor allem die älteren Einwohner. Die Busverbindungen ins Umland sind minimal. Das Geschäft ist auch für die Schlossförderer wichtig, denn hier werden Veranstaltungskarten verkauft, und Nutzer des Gebäudes können für Feiern Ware auf Kommission kaufen. Marko Hoffmann weiß um seinen Wert für die Landbevölkerung und ist für weiteren Service gern zu haben. „Ich werde ab November in allen Filialen kostenlos Bargeld für alle Banken bis 200 Euro auszahlen“, kündigt er an. Das werde in Sacka schon eine Weile praktiziert. Hoffmann setzt dafür künftig nicht mal einen Einkauf voraus. Obwohl er für die Transaktionen Gebühren bezahlen muss. Manche Leute vertrauen ihm sogar ihre Überweisungsscheine an. Ein Sicherheitsproblem sieht der Einzelhändler nicht.

Für Post Modern und die Deutsche Post nehmen die Märkte zudem Päckchen und Pakete entgegen und verkaufen Briefmarken.

Verlässlichkeit und kurze Wege

In Laußnitz kann man im Geschäft sogar Lotto spielen. „Das hatte ich in Sacka auch im Angebot, aber es hat sich nicht gelohnt, ich musste es vor einem Jahr wieder aufgeben“, bedauert Marko Hoffmann.

Was die Kunden ihm aber vor allem danken, ist der Verkauf von Prepaid-Karten fürs Handy und das Angebot an regionalen Produkten: Fleisch und Wurst aus den Fleischereien Bernd Gawalski und Klotzsche Radeburg, Fisch aus der Teichwirtschaft Schönfeld, Brot und Backwaren aus den Bäckereien Tobollik, Lerch, Boeltzig und Haase aus Höckendorf. Generell sind ostdeutsche Waren bei Marko Hoffmann Trumpf. Wenn Kunden etwas Besonderes wollen, schreiben sie es in ein Bestellbuch. Dann geht es in die nächste Lieferung mit ein.

Preise wie bei der Edeka

Jetzt sind es schon die Deko- und Geschenkartikel für Weihnachten, nach denen die Kunden schauen. Auch Büro- und Schulbedarf bekommt man in den Lebensmittelmärkten, die von der Edeka als Hauptlieferant bestückt werden. Teure Preise werden die Kunden aber vergeblich suchen. „Preiserhöhungen wird es nicht geben, damit wir konkurrenzfähig bleiben“, stellt der Inhaber klar. Um die steigenden Kosten zu decken, sind Marko Hoffmann und sein Team auf jeden einzelnen Kunden angewiesen, wie sie sagen. Da wird schon mal eine Auslieferung organisiert oder die Bestellung von Torten und Kuchen für eine Familienfeier. Kurze Wege und Verlässlichkeit – da lassen die Hoffmanns nichts anbrennen. Eine enge Kundenbindung haben die Einzelhändler auch über die sozialen Medien organisiert. Wer auf der Facebook-Seite des Marktes „Gefällt mir“ drückt, erhält alle Werbeaktionen.

www.kauf-lokal-sachsen.de