Merken

Im Wohnzimmer der Turmfalken

Im Stadtmuseum kann man live auf einem Bildschirm miterleben, wie die Greifvögel ihre Jungen großziehen.

Teilen
Folgen
© Stadtmuseum

Pirna. Laute „Kikiki“-Rufe über den Dächern haben schon während der ersten warmen Märztage die Rückkehr der Turmfalken aus dem Winterquartier angezeigt. Der nur taubengroße Jäger ist nach dem Mäusebussard der zweithäufigste Greifvogel Deutschlands. Der extrem anpassungsfähige Turmfalke hat wie kein anderer seine Scheu abgebaut und ist zum Nachbarn des Menschen geworden. Insbesondere Türme und verwinkelte Altstadthäuser bieten hervorragende Brutplätze, weil sie die erforderliche Sicherheit für den Nachwuchs garantieren. Pirna ist schon lange ein beliebtes Brutrevier, denn außerhalb des relativ kleinen Stadtgebietes können die Falken umliegende Felder schnell für den Beutefang erreichen.

Besonders gut geeignete Orte, wie der Turm der Marienkirche, werden deshalb jedes Frühjahr erneut als Brutplätze gewählt, und auch die Öffnung am Wendelstein des alten Klosters dient Falken-Eltern schon jahrzehntelang zur Aufzucht ihrer Jungen. 1973 wurde hier damit begonnen, ein Brutpaar fotografisch zu dokumentieren, und seither konnten auch in allen folgenden Jahren die kleinen Greifvögel am Klosterhof nachgewiesen werden. Selbst während der Hochwasserperioden, in denen nicht nur das direkte Horstumfeld, sondern auch die meisten Jagdflächen überschwemmt wurden, kam es zu erfolgreichen Bruten, teilen die Mitarbeiter des Stadtmuseums mit. Und kehrte ein Tier nicht aus dem Winterquartier zurück, so wurde sein Platz sofort neu besetzt, was für die enorme Attraktivität des Horstes spricht.

Das Stadtmuseum gibt auch in diesem Jahr Besuchern die Möglichkeit, live die Aufzucht des Falkennachwuchses auf einem Bildschirm miterleben zu können. Eine Kamera ermöglicht den Blick in eine seit vielen Jahren bebrütete Mauerhöhle an einem Klostergebäude.

Nach einmonatiger Brutzeit waren die Falken Anfang Mai aus den rotbraunen Eiern geschlüpft und wurden danach noch einige Tage von der Mutter durch sogenanntes Hudern abgeschirmt. Jetzt lassen sich, solange es hell ist, ständig Fütterungen, balgende Junge und erste Flugversuche beobachten, ohne dass die Tiere dabei gestört werden. Etwa Mitte Juni verlassen die Jungfalken dann den Horst. Die Turmfalkenbeobachtungen via neuinstallierter Live-Bildschirmübertragung ist jeweils zu den Öffnungszeiten des Stadtmuseums von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr möglich. (SZ)