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„Image lässt sich nicht vorgeben“

Großenhain will sich ein Leitbild geben. Vorher sollen Stärken und Schwächen benannt werden.

© Andreas Weihs

Großenhain. Einen Ruf hat man. Image muss man sich erarbeiten. Aber was ist mit einem Leitbild? Und brauchen Kommunen das wirklich? Die Stadt Großenhain will jetzt ein solches Leitbild erarbeiten und hat zunächst ein externes Büro beauftragt, sich die Stärken und Schwächen der Röderstadt einmal genauer anzusehen. Die SZ sprach mit Dr. Eddy Donat von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung in Dresden, die seit Anfang des Jahres alles zusammenträgt, was Großenhain ausmacht.

Herr Donat, waren Sie schon einmal Großenhain?

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Ja, wenn auch schon vor einiger Zeit zu einem Fußballspiel. Von kennen kann ich da also nicht sprechen.

Wie bekommen Sie dann ein Gefühl dafür, was eine Stadt ausmacht?

Zuerst sammeln wir klassisch alle Daten. Beim Statistischen Landesamt in Kamenz, Planungen der Stadtentwicklung, Erhebungen, Untersuchungen zur Kaufkraft, zum Einzelhandel, Gewerbe, Wohnen und Kultur. Das klingt erst mal unspannend, ist aber für eine solide Analyse unerlässlich. Daraus entsteht schon ein erster Eindruck.

Verraten Sie den unseren Lesern?

Eine Stärke ist, dass Großenhain noch eine gut funktionierende Innenstadt vorweisen kann. Dass die Stadt lebendig ist. Aufgefallen ist mir, dass Großenhain mit dem Kulturschloss ein herausragendes Angebot hat, das aber meines Erachtens in der Region gar nicht so wahrgenommen wird, beziehungsweise nicht groß bekannt ist.

Gleichen Sie ihren Eindruck von der Stadt mit dem der Großenhainer ab? Die könnten ja ganz anders ticken?

Unbedingt. Wir bereiten jetzt gerade die Befragung vor, der Fragebogen erscheint am 25. Juli im Großenhainer Amtsblatt. Da kann übrigens jeder mitmachen, nicht nur die Großenhainer. Es wird eine Telefonumfrage nur in Großenhain geben und Gesprächskreise mit Ehrenamtlern, Entscheidern und Mitmachern aus verschiedensten Bereichen. Wir denken so an vier Runden, mehr sollten es nicht sein. Es ist mir sehr wichtig, die Sicht auf die Stadt von innen und außen abzugleichen. Gerade in den Gesprächen kommen Aspekte, die niemand so klar gesehen hat. Dinge, die einfach mal jemand ausspricht. Gegebenenfalls auch Tabus aufzubrechen und durchzusprechen ist notwendig, wenn man ein klares Bild von sich haben möchte. Das ist im Privaten genauso wie in einer Stadt.

Nun hat Großenhain sich ja ein Motto gegeben. „Stadt im Grünen“ heißt es oder auch manchmal „Familienfreundliche Stadt im Grünen“? So ganz klar scheint das noch nicht zu sein.

Das ist der Punkt. Wenn Ihnen als Zeitung das nicht richtig klar ist, ist es anderen auch nicht klar. Das Motto ist nicht schlecht. Es erinnert die Großenhainer daran, dass sie gemütlich und geborgen leben. Das schafft Bindung. Aber vielleicht ist das nach außen zu wenig, vielleicht gibt es ein Motto, das noch mehr umfasst, das Fremde anspricht.

Was ist ein Leitbild für Sie?

Eigentlich eine Vision. Nun hat Helmut Schmidt bekanntlich seinen berühmten Satz gesagt, „wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, aber soweit wollen wir nicht gehen. Ein Leitbild ist ein klar umrissenes, sympathisches Zukunftsbild, das die Menschen mittragen – und am besten ist es schon mit konkreten Projekten untersetzt.

Solche Projekte kommen doch auch aus der Stadtentwicklung, von Unternehmen oder Vereinen?

Das stimmt. Aber ein Leitbild wird im Idealfall von allen Bürgern mitgetragen. Das ist ein enorm wichtiger Punkt, weil er die Zwischentöne in einer Stadt einschließt, das Wohlfühl-Gefühl und den Bürger auch einen gewissen Stolz auf ihre Stadt gibt, in der sie mittun können. Deshalb bin ich ein Freund davon, wenn Kommunen diese Diskussion darüber, wer man ist, was man besonders gut kann und wer man sein möchte, breit aufstellen. Sich einfach etwas im Rathaus überlegen, ist löblich, aber zu wenig an dieser Stelle.

Das Gespräch führte Birgit Ulbricht.

Hier geht es zur Umfrage

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Der Fragebogen liegt außerdem in der Großenhain-Information und der Zabeltitz-Information zur Mitnahme aus. Je mehr Bürgerinnen und Bürger an der Umfrage teilnehmen, desto repräsentativer werden die Ergebnisse! Der ausgefüllte und geheftete Fragebogen kann bis zum 31. August 2018 in der Großenhain-Information oder der Zabeltitz- Information abgeben oder in den Briefkasten der Stadtverwaltung am Hauptmarkt 1 eingeworfen werden.