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Imagekampagne soll Sorben unterstützen

Einmal in jeder Legislatur legt Sachsens Regierung einen Bericht zur Lage der Sorben vor. Er listet neben Erfolgen auch Defizite auf. Vor allem der Erhalt der sorbischen Sprache scheint dringlich.

Dresden. Sachsen möchte mit einer Imagekampagne die Belange der Sorben besser unterstützen. Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) kündigte am Mittwoch eine entsprechende Aktion an. Die Kampagne soll vor allem das Prestige der sorbischen Sprache stärken und zu ihrem Gebrauch ermutigen.

Bei ihrem Bericht zur Lage des sorbischen Volkes ging Stange auch auf Probleme der Minderheit ein. Handlungsbedarf gebe es derzeit unter anderem bei der Gewinnung von Sorbisch-Lehrern und der Beeinträchtigung des sorbischen Siedlungsgebietes durch Braunkohletagebaue.

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„Die Sorben bereichern das gesellschaftliche Leben im Freistaat und stehen für die Vielfalt unterschiedlicher Kulturen. Wir wollen, dass sie die gleichen Möglichkeiten haben wie allen anderen Sachsen“, sagte die Ministerin. Die Sorben brauchten für den Fortbestand ihrer Identität im Alltag Verständnis und Hilfe der Mehrheitsbevölkerung.

Linke-Politiker Heiko Kosel erinnerte an gewaltsame Übergriffe auf sorbische Jugendliche. Die Opfer hätten sich nicht der Polizei anvertraut, sondern der sorbischen Zeitung. Die sächsische Regierung müsse dringend gegensteuern, beispielsweise durch die Einstellung sorbischsprachiger Polizisten.

„Diese Forderung ist nach wie vor aktuell, da auch die 2015 erstmals erzielten Ermittlungserfolge der Polizei zu keiner nachhaltigen Stärkung des Vertrauens der Sorben in die Strafverfolgungsbehörden führten“, sagte Kosel. Kein einziger der ermittelten Täter habe vor Gericht gemusst.

Kosel wies darauf hin, dass in den nächsten sieben Jahren etwa 100 sorbische Lehrer in Pension gehen: „Angesichts dessen ist es absolut inakzeptabel, dass die Gewinnung tschechischer oder polnischer Lehrer in den Mühlen der Kultusbürokratie faktisch zerrieben worden ist.“ Eine tschechische Lehrerin, die nach Sachsen gekommen sei, habe ihre Erfahrungen mit der hiesigen Kultusbürokratie in einem tschechischen Zeitungsartikel unter der Überschrift „In Sachsen Lehrer werden - lächerlich“ zusammengefasst.

Nach offiziellen Angaben gibt es etwa 60 000 Sorben und Wenden, von denen zwei Drittel in Sachsen leben. Das Siedlungsgebiet der Sorben liegt in Ostsachsen, die niedersorbisch sprechenden Wenden sind im Süden Brandenburgs beheimatet. (dpa)