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Dresden

Imker-Challenge Tag 4: Bienen in Not

Damit Krankheiten den Bienen nicht das Leben schwer machen, lässt sich SZ-Redakteur Henry Berndt nun zum Mediziner schulen - und reagiert auf Leserkritik.

Alle auf die Plätze und bitte recht freundlich! SZ-Redakteur Henry Berndt versucht es zumindest.
Alle auf die Plätze und bitte recht freundlich! SZ-Redakteur Henry Berndt versucht es zumindest. © Sven Ellger

Immer häufiger hört und liest man in den vergangenen Jahren vom großen Bienensterben. Gibt es also möglicherweise bald keinen Honig mehr? Nein, denn Völker gibt heute nicht weniger als früher. Die Honigbiene selbst wird ja auch als wichtiges Nutztier von unzähligen Imkern gehegt und gepflegt. 

Grund zur Sorge gibt es dennoch. Weil es auf immer weniger Feldern blüht und immer mehr Pestizide eingesetzt werden, sind inzwischen 40 Prozent der Wildbienenarten vom Aussterben bedroht. Und da auch diese großen Anteil an der Bestäubung von Blüten haben, könnten wir bald Probleme bekommen, gegen die der Verzicht auf Honig eine Kleinigkeit wäre.

Wahr ist aber auch: Auch die Honigbienen haben es in diesen Zeiten nicht immer leicht. Gründe dafür sind vor allem die Varroa-Milben und in letzter Zeit verstärkt die Amerikanische Faulbrut. Klingt nicht nett, und ist es auch nicht, wie mir Toni Kaden vom Imkerverein Dresden erklärt.

Mit Milchsäure geht es den Varroa-Milben an den Kragen. Behandelt wird allerdings erst nach der letzten Honigernte des Jahres.
Mit Milchsäure geht es den Varroa-Milben an den Kragen. Behandelt wird allerdings erst nach der letzten Honigernte des Jahres. © Henry Berndt

Bis Mitte der Woche lag sein Hof in Pieschen samt Bienenstöcken noch mitten in einem Sperrgebiet, aus dem wegen der Faulbrut keinerlei Bienen herausgebracht werden durften. Nun ist Toni heilfroh, dass die Stadt die Sperrung aufgehoben hat.

Im Imkerjahr folgt nach der Honigernte und einem ersten Einfüttern von Zuckerlösung inzwischen typischerweise eine Behandlung der Stöcke gegen die Varroa-Milbe. Diese winzigen Parasiten wurden vor etwa 35 Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppt. Sie stechen die Bienen an, saugen ihr Blut ab und übertragen Krankheiten, die ganze Völker auslöschen können. 

Am Donnerstag drückt mir Toni deswegen eine Flasche mit Milchsäure in die Hand, mit der ich die einzelnen Rahmen in einem Stock einsprühe. Etwa 70 Prozent der Milben dürfte das Abtöten, schätzt er. 

Die großen Wirtschaftsvölker, von den bald noch geerntet wird, werden in diesen Tagen weder mit Zucker gefüttert, noch gegen Milben behandelt. Geübt wird stattdessen an kleinen Zuchtvölkern. 
Die großen Wirtschaftsvölker, von den bald noch geerntet wird, werden in diesen Tagen weder mit Zucker gefüttert, noch gegen Milben behandelt. Geübt wird stattdessen an kleinen Zuchtvölkern.  © Henry Berndt

An dieser Stelle ein wichter Hinweis zu meiner Challenge in dieser Woche. In den vergangenen Tagen hat mich häufiger teils harsche Kritik erreicht, wie ich denn die Imkerei so oberflächlich als Schnellkurs verkaufen könnte.

Vielleicht habe ich das wirklich noch nicht deutlich gemacht: Natürlich kann eine Woche nicht jahrelange Erfahrung ausgleichen. All die Aufgaben, die ein Imker hat, lerne ich gerade wie im Zeitraffer kennen - und gebe sie hier auch so weiter.

So ist mir klar, dass während oder vor der Honigernte nicht zugefüttert oder behandelt wird. Für die Übungen nutzen wird deswegen ein kleines Ableger-Volk, von dem in diesem Jahr kein Honig mehr geerntet wird.

Ich möchte einfach einen kleinen Einblick in diese faszinierende Welt gewinnen. 

Zum Finale am Freitag werde ich mich - quasi als kleine Prüfung - ganz allein auf die Suche nach der Königin in einem Volk machen. Mein größter Wunsch bleibt dabei derselbe: Möglichst keinen Stich sehen!

Habt ihr Ideen, Hinweise oder Kritik zur Imker-Challenge? Schreibt an [email protected] oder ruft ihn an unter 0351 48642234.

www.imkerverein-dresden.de

PS: Frisch geschleuderten Honig von Toni Kaden (6 Euro pro Glas) könnt ihr übrigens über den Imkerverein bestellen.

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