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Immer am Ball bleiben

Anna Schuster aus Löbau organisiert mit den „Partysahnen“ Turniere für Flüchtlinge. Das ist spannender als Frauenfußball.

© Rafael Sampedro

Von Constanze Junghanss

Löbau. Erstaunt ist Anna Schuster immer noch ein bisschen über die Mail, die vor einiger Zeit in ihrem Postfach landete. Das Schreiben kam von der Kinderhilfsorganisation „Children for a better World“– zu deutsch: Kinder für eine bessere Welt -– und machte die 19-Jährige und ihre Mitstreiterinnen zu Preisträgern. Sie reisen zu einem fünftägigen Camp nach Berlin mit Workshops und Mentoren inklusive Abschlussveranstaltung im Schloss Bellevue.

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Die Auszeichnung gab es für die Löbauer Truppe für ihr soziales Engagement. Selbst beworben haben sie sich dafür nicht. Die Kinderhilfsorganisation war auf die Mädchen vom Löbauer Verein „Partysahnen e.V.“ aufmerksam geworden. Die Jugendlichen organisieren und veranstalten Minifußballturniere. „Politisch kicken“ nennen sie das und wollen ein Zeichen für Weltoffenheit setzen. Anna Schuster dreht den Fußball in ihren Händen und lächelt. Das sei doch eigentlich nichts so Besonderes und nur ein kleiner Beitrag für ein friedliches Miteinander in der Stadt und Umgebung. „Sport und Spiel verbinden eben. So einfach ist das“, sagt sie.

Dass es dafür einen Preis gibt, damit haben weder die Gymnasiastinnen Saskia Richter und Vicky Hentschel, die beide nach Berlin fuhren, noch die Bundesfreiwilligendienstlerin und die anderen drei Mitwirkenden gerechnet. Schon gar nicht damit, dass sogar der Deutsche Engagementpreis jetzt ins Spiel kommen könnte. Denn für den wurden die Löbauer nun ebenfalls von der Berliner Kinderhilfsorganisation vorgeschlagen. Dotiert ist der Engagementpreis in fünf Kategorien mit jeweils 5 000 Euro. Ob die „Partysahnen“ mit unter den Gewinnern sind, entscheidet eine Jury im Dezember.

Doch wie kam es eigentlich dazu? Die „Partysahnen“ spielen 3eck-Soccer – Minifeld-Fußball. Mit der speziellen Anlage touren sie zwischen Rothenburg, Löbau und Zittau umher. „Die Anlage für die Spiele bekommen wir vom „Fanprojekt Dresden“ gestellt“, erzählt Anna Schuster. Gefördert wird das Projekt von „Jugend hilft“. Ursprünglich war das 3eck-Soccer vor allem für Begegnungen für junge Menschen im Dreiländereck Polen, Tschechien und Deutschland gedacht.

Seit 2015 rollt der Ball internationaler. Als auch in Löbau immer mehr Asylsuchende ankamen, wollten die „Partysahnen“ den Menschen eine Freizeitbeschäftigung anbieten. Seitdem kicken zu den Turnieren Einheimische ebenso wie Asylbewerber. „Wir verteilen in den Gemeinschaftsunterkünften Handzettel und informieren im Internet über die Projektstandorte“, sagt Anna Schuster. Gemeinsam organisieren sie die Fahrten zu den Wettkampforten. So wie im Sommer nach Schönbach beispielsweise. Dort kickten etwa 50 Spieler– knapp die Hälfte Jugendliche aus den beiden Asylheimen Löbau -– zusammen mit Deutschen. Preise gibt es auch. Die basteln Anna und ihr Team: Urkunden oder bunte Überraschungstüten. Da hat dann jeder Teilnehmer was als Erinnerung. Klar, der Umgang im Miteinander müsse erst gelernt werden. Nicht immer sei zudem die Verständigung einfach. Diese Erfahrung habe die Gruppe auch gesammelt. „Manche Flüchtlinge haben ein ziemlich hitziges Temperament und aus dem Spiel wird schon mal Ernst“ erzählt Anna Schuster, „Als ginge es tatsächlich ums Gewinnen.“ Die Begegnung und das Miteinander sowie der Spaß an der ganzen Sache stünden im Vordergrund.

Das müssen die „Partysahnen“ ihren Schützlingen auch manchmal deutlich machen. Sich an Regeln halten und diese umzusetzen, auch das gehört mit zum Projekt. Wobei ebenso einige Freundschaften zwischen einheimischen und asylsuchenden Jugendlichen auf diese Weise entstanden sind, wie Anna erzählt. „Angst haben wir jedenfalls keine“, sagt sie. Die Probleme jugendlicher Flüchtlinge könnten zwar durch die Begegnungen nicht gelöst werden. Wie auch, wenn es manchmal in den Gesprächen um geplante Abschiebungen oder Flucht- und Kriegserlebnisse geht. Aber versuchen möchten die „Partysahnen“, den fremden Jugendlichen ein Stückchen „schöne Zeit“ zu bereiten und zeigen, dass gemeinsame Sport- und Spielaktionen verbinden.