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Eine junge Frau aus der Lausitz ist Mitglied bei drei verschiedenen Feuerwehren. Ist das nicht ein bisschen viel?

© a s

Von Thomas Staudt

Wie muss eigentlich jemand sein, den man als „offen“ beschreiben will? So wie Justine Schneider aus See bei Niesky. Die 20-Jährige lächelt, wenn ihr danach ist, nicht, weil die Situation peinlich zu werden droht. Und sie weicht keiner Frage und keinem Blick aus. Nicht einmal dann, wenn sie nach ihrer Haarfarbe gefragt wird. Das helle Orangerot steht ihr richtig gut. Es wirkt natürlich. „Aber es ist nicht echt“, räumt sie ohne Zögern ein. Ihre Leidenschaft für die Feuerwehr ist es sehr wohl. Juste, wie sie von Freunden genannt wird, ist Mitglied in gleich drei verschiedenen Feuerwehren.

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Da ist ihr Engagement für die Feuerwehr in See, wo sie wohnt, ihre Heimfeuerwehr sozusagen. Dann ist da die Werksfeuerwehr ihres Arbeitgebers Leag in Boxberg, wo sie nebenberuflich als Feuerwehrfrau tätig ist. Und dann ist da noch die Feuerwehr Schöpstal, in die sie eintrat, weil ihr Freund Phillip dort wohnt. Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Nicht für Juste. Für sie hat sich das Dreifachengagement einfach so entwickelt. Ganz logisch.

Keimzelle ihrer Leidenschaft ist die Familie, damals in einem kleinen Dorf bei Kamenz. Schon ihr kleiner Bruder – Justine hat drei jüngere Geschwister – und ihr Stiefvater sind in der Ortsfeuerwehr. Was die können, kann sie auch. Keine Frage. Es klingt doppeldeutig, aber es ist wirklich so: Sie fängt Feuer. Justine, die sich „als Kind lieber in den Dreck geschmissen hat, als Torte im Schülercafé zu servieren“, hat richtig Spaß am Dienst. Die beiden begeistern sie sogar dafür, Berufsfeuerwehrfrau zu werden.

Dafür braucht sie als Erstes einen handwerklichen Beruf. Justine wird Schlosserin, macht ihre Ausbildung im Kraftwerk Boxberg, wird zuständig für die Reparatur von kleineren Maschinen und Geräten und arbeitet heute in der Werkzeugausgabe. Nach ihrer Ausbildung bewirbt sie sich bei der Betriebsfeuerwehr. Aber alle drei Stellen sind besetzt. Macht sie den Job eben nebenberuflich. Zum Einsatz kommt sie nur, wenn sie sowieso auf Arbeit ist. Einmal im Monat absolviert sie einen Übungsdienst. Sie traut sich fast alles zu, merkt aber auch, dass ihre 1,53 Meter sie in bestimmten Situationen ausbremsen. Ein Notstromaggregat wird keinesfalls leichter, je länger man es trägt.

Privat greift sie zu Buntstiften und findet im Internet interessante Motive, die sie dann zu Papier bringt. Abends geht sie gern mal ein Bierchen trinken und im Sommer mit Freunden Zelten. Wenn irgendwas zu tun oder zu helfen ist, ist sie zur Stelle. Gerade hat ihr Bruder angerufen, ob sie mit Holzschleppen kommt. Kommt sie.

Seit sie Phillip kennt, pendelt sie zwischen See und Girbigsdorf. Klar will sie mal Kinder. Und ja, übers Zusammenziehen haben die beiden auch schon gesprochen. Ohne konkrete Pläne zu machen. Alles kann, nichts muss. Was sie zusätzlich zusammenschweißt, ist ihre Leidenschaft für die Feuerwehr. Wenn sie bei ihm zu Besuch ist und er zum Einsatz gerufen wird, kann sie fernsehen, ein Buch lesen oder Däumchen drehen. Das genügte ihr nicht. Deshalb ist Juste Mitglied in der Feuerwehr Schöpstal geworden, Phillip bei der Feuerwehr See eingetreten. Zweimal waren die beiden schon gemeinsam im Einsatz, zuletzt bei einer Aktion nach einem Sommersturm im vergangenen Jahr im August.

Inzwischen ist Justine auf dem Weg, Gruppenführerin zu werden. Dann hört im Einsatz alles auf ihr Kommando. Als Maschinistin dürfte sie die großen Einsatzfahrzeuge fahren. Mit beidem will sie sich Zeit lassen, bis sie mehr Erfahrung hat.

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