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Immer mehr gesprengte Automaten

© Roland Halkasch

Mit Pyrotechnik zerstörten Unbekannte ein Gerät in Trachenberge. Es ist nicht der erste Fall dieser Art.

Von Nora Domschke

Mit einem lauten Knall explodierte mitten in der Nacht ein Zigarettenautomat in der Kändlerstraße. Kurz nach 24 Uhr an diesem Dienstagmorgen sprengten ihn Unbekannte offenbar mit Pyrotechnik in die Luft. Durch die Detonation wurde das Gerät so stark beschädigt, dass die Täter sowohl Zigaretten als auch Geld mitgehen ließen. Ein Anwohner verständigte zwar sofort die Polizei. Gefasst werden konnten die Diebe aber nicht.

Traudel Sondhauß wohnt in dem Haus, an dessen grünem Gartenzaun der Automat befestigt war. Auch er ist durch die Explosion zerstört. Ob die Versicherung des Tabakunternehmens Wolf den Schaden bezahlt, weiß die 85-Jährige noch nicht. Sie ist froh, dass der gesprengte Automat dieses Mal nicht ersetzt werden soll. Denn bereits am 10. Juni wurde die Rentnerin 3 Uhr morgens schon einmal von einem lauten Knall geweckt. „Ich bin sehr erschrocken.“ Jetzt hofft sie, dass endlich Ruhe im Wohnviertel einkehrt.

Zigarettenautomaten und ihr Inhalt werden seit Jahren immer wieder zum Ziel von Kriminellen. Erst vor zwei Wochen gab es einen ähnlichen Fall in Pieschen. Auf der Großenhainer Straße wurde kurz vor fünf Uhr morgens ebenfalls ein Zigarettenautomat gesprengt. Auch diese Täter nahmen Schachteln und die Geldkassette mit. Ob es zwischen diesen beiden Fällen einen Zusammenhang gibt, ist noch ungeklärt. Dabei gehen die Täter meist mit brachialer Gewalt vor, riskieren, dass sie entdeckt werden. So wie bei dem Einbruch auf der Großenhainer Straße. Dort beobachteten Zeugen zwei Personen, die mit den Zigarettenschachteln und der Geldkassette flohen. Gefasst wurden die Diebe trotzdem nicht.

Dass die Langfinger auf ihren Raubzügen auch andere lärmintensive und durchaus effektive Methoden nutzen, zeigt ein Fall, der sich Ende August in der Neustadt ereignete. In der Wiesentorstraße im Bereich des Augustusgartens gingen die Täter mit einem Trennschleifer ans Werk und flexten den Automaten kurzerhand auf.

Doch auch in anderen Teilen Sachsens geraten die Automaten immer wieder ins Visier der Diebe. In Riesa ließen Unbekannte Ende September sogar einen kompletten Automaten mitgehen. Die Täter rissen ihn einfach vom Mauerwerk eines Vereinshauses ab. Im Fall eines gesprengten Automaten in Hoyerswerda Mitte September ermittelt die Kriminalpolizei.

Die Beamten arbeiteten im vergangenen Jahr sachsenweit an insgesamt 149 Fälle mit gesprengten Zigarettenautomaten. Absoluter Spitzereiter ist mit 117 Explosionen Leipzig. Auf Platz zwei liegt Dresden mit 17 Fällen, danach folgen Chemnitz (6), Görlitz (5) und Zwickau (4). Zahlen für dieses Jahr liegen noch nicht vor, teilt Kathleen Zink vom Landeskriminalamt auf SZ-Anfrage mit. Leipzig bleibe aber wohl Spitzenreiter. Bei den Sprengungen werden fast ausschließlich nicht zugelassene Knallkörper und -raketen verwendet. Durch die Druckwelle wird der Automat geöffnet und dabei technisch zerstört.