merken

Mehr Notarztdienste unbesetzt

Die Ausfälle derer, die retten, wenn Hilfe am dringendsten benötigt wird, haben sich innerhalb kurzer Zeit fast verdoppelt. Ob höhere Vergütungen die Versorgung mit Notärzten verbessern kann?

© Symbolfoto/Stephan Jansen/dpa

Gunnar Saft

Dresden. Sie helfen und retten, wenn Hilfe am dringendsten benötigt wird: Die Notärzte in Sachsen. Allerdings sind sie inzwischen nicht mehr überall und jederzeit im Einsatz, weil die Lücken in ihrem Dienstsystem größer werden.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Im vergangenen Jahr fielen im Freistaat bereits insgesamt 1 666 geplante Zwölf-Stunden-Schichten von Notärzten aus, weil es am dafür benötigten Personal mangelte. Das geht aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Landtagsabgeordneten Susanne Schaper (Linke) hervor. Am stärksten betroffen war der Standort Eibenstock, wo allein 133 Dienste wegfielen. Viele Ausfälle gab es zudem in Heidenau, Pirna, Dippoldiswalde, Oschatz, Weißwasser, Limbach-Oberfrohna, Taucha, Delitzsch, Schwarzenberg, Neustadt/Sebnitz sowie in Freital und Großenhain. Laut den neuen Angaben hat sich die Zahl der ausgefallenen Dienste in den vergangenen Jahren nicht nur ständig erhöht, sondern im Vergleich zum Zeitraum 2013/2014 sogar fast verdoppelt.

„Die Notarztversorgung wird immer schlechter – obwohl die vielen engagierten Retterinnen und Retter alles geben, um die Lücken klein zu halten“, kritisiert Schaper und fordert die Staatsregierung zum sofortigen Handeln auf. So seien die unbesetzten Dienste längst nicht das einzige Problem. „Auch wird die gesetzliche Frist von zwölf Minuten, innerhalb derer ein Rettungsmittel vor Ort sein muss, immer öfter verfehlt. 2016 hat es bei 19,4 Prozent der erfassten Einsätze zu lange gedauert, 2017 schon bei 20 Prozent.“ Gemeinsam müsse mit den Trägern der Rettungsdienste nach Lösungen gesucht werden. Die Notärzte bräuchten unter anderem ein besseres Arbeitszeitsystem, und abseits der Großstädte müssten mehr medizinische Versorgungszentren entstehen, um die Notaufnahmen zu entlasten, so Schaper.

Das Sozialministerium erklärte wiederum, man führe längst Verhandlungen mit der zuständigen Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen. So erhalten Notärzte seit Anfang 2018 eine zehn Prozent höhere Vergütung. Speziell der Standort Eibenstock wird ab April von einem neuen Auftragnehmer übernommen, sodass dort die Versorgung gesichert ist. Für die Standorte Pirna, Heidenau, Freital, Dippoldiswalde sowie Neustadt/Sebnitz gebe es Gespräche mit den regionalen Krankenhäusern zur Absicherung der Notarztdienste.

„Wir sind allen Notärzten, die ihre Leistungen im Rahmen eines freiwilligen Einsatzes erbringen, sehr dankbar. Genauso wie den Krankenhäusern, die unter großem Aufwand Notarztdienste im Tagdienst besetzen“, erklärte Staatssekretärin Regina Kraushaar. Gemeinsam arbeite man daran, noch bestehende Defizite zu beheben.