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Dresden

Immer mehr Unfälle durch Ablenkung

Das Handy ist für Autofahrer tabu. Real sieht das ganz anders aus - manchmal mit schlimmen Folgen. Dresdner Unfallforscher widmen sich dem Fehlverhalten.  

Viele Unfälle passieren durch Ablenkung durch Handys beim Fahren. © Sebastian Gollnow/dpa

Dresden. Immer mehr Verkehrsunfälle geschehen durch Ablenkung mit Mobiltelefonen oder anderen elektronischen Geräten. Das haben Unfallforscher aus Dresden und Hannover ermittelt. "Allerdings lässt sich das sehr schwer beziffern, weil Betroffene oft Schutzbehauptungen vorbringen. Keiner gibt gern zu, dass er gerade mit dem Handy beschäftigt war, als der Unfall passierte", sagte Henrik Liers, Geschäftsführer der Verkehrsunfallforschung an der Technischen Universität in Dresden.

"Wir erheben sehr intensiv auch die menschlichen Faktoren und die verkehrspsychologischen Aspekte von Unfällen. Noch ist der Mensch maßgeblich Schuld an einem Unfall", betonte Liers. Etwa 95 Prozent aller Unfälle würden von menschlichem Fehlverhalten begünstigt oder verursacht. Alkohol spiele eine Rolle, in den vergangenen Jahren allerdings mit leicht rückläufiger Tendenz. So gingen im Jahr 1999 deutschlandweit noch 14,3 Prozent aller bei Verkehrsunfällen getöteten Personen auf das Konto von Alkoholunfällen. 2018 waren das noch 7,5 Prozent, 244 Menschen starben.

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Auf einem Festsymposium in Dresden wollen Unfallforscher am Donnerstag Bilanz zu ihrer Arbeit ziehen. Das Thema wird in Deutschland seit 20 Jahren von zwei Teams in Hannover und Dresden bearbeitet. Die Forscher aus Niedersachsen erhalten finanzielle Unterstützung von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Die Dresdner werden von der Automobilindustrie bezahlt: "Beide Teams füllen mit identischer Methodik eine gemeinsame Datenbank. Das ist mit dieser Datentiefe und -menge bundesweit und sogar weltweit einmalig", sagte Liers.

Wenn ein Unfall mit Personenschaden passiert, werden die Teams von Rettungsleitstellen und polizeilichen Lagezentren informiert. Ein Teil der Forscher kümmert sich um die technischen Details des Unfalls, ein Mediziner um Daten aus seinem Fachgebiet. Zu jedem Unfall werden so mehr als 3000 Daten ermittelt. Sie werden unter anderem von der Automobilindustrie oder der BASt verwendet, um Sicherheits- und Assistenzsysteme an den Fahrzeugen zu entwickeln, Verkehrswege sicherer zu gestalten oder die Rettung und Notfallmedizin zu optimieren.

Alte Autofahrer im Blick

Als Beleg nannte Liers unter anderem Systeme für eine automatische Notbremsung, den Lkw-Abbiegeassistenten und eine Stabilitätskontrolle für Motorräder. Prinzipiell kämen die Ergebnisse der Unfallforschung allen Verkehrsteilnehmern zu Gute: "So wurden beispielsweise Systeme entwickelt, die verhindern, dass man im falschen Moment die Autotür von innen aufreißt und so vorbeifahrende Radfahrer Autofahrer gefährdet."

Auch den demografischen Wandel behalten die Forscher im Blick. Denn Autofahrer im Alter von 75 und sind heute keine Seltenheit mehr auf deutschen Straßen. Laut Liers stieg ihr Anteil am Unfallgeschehen von 2,0 Prozent im Jahr 2000 auf 6,7 Prozent (2018). Betagte Autofahrer würden zwar absolut weniger Unfälle bauen, weil sie nicht so häufig und weit unterwegs sind wie jüngere: "Aber wenn sie in Unfälle verwickelt sind, sind sie noch häufiger als junge dafür auch verantwortlich. Bei Unfällen von Fahrern im Rentenalter haben fast 76 Prozent den Unfall selber verursacht, bei Fahranfängern sind es nur 65 Prozent." Zum Vergleich: Die "sicherste" Gruppe der 45- bis 54-jährigen komme auf 49 Prozent.

Nach den Worten von Liers sind Fahrer im Alter ab 75 oft mit der Komplexität des Verkehrsgeschehens überfordert. "Ein Phänomen, das sich zunehmend beobachten lässt, ist das Verwechseln von Gas und Bremse." Hinzu kommen medizinische Ursachen, die dazu führen, dass das Fahrzeug nicht mehr beherrscht wird", erklärte der Forscher. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wäre es wünschenswert, wenn es regelmäßige Tests für Fahrzeugführer gebe. Dafür müsse aber in erster Linie Einsicht bei den Betroffenen vorhanden sein sind.

Liers warb dafür, dass sich Betroffene freiwillig Untersuchungen stellen: "Man könnte die Tests auch nutzen, um gleichzeitig Autofahrer für aktuelle Probleme zu sensibilisieren. Kaum einer scheint zu wissen, dass man im Abstand von 1,50 Meter an Fahrradfahrern vorbeifahren muss. Das sollte man in regelmäßigen Schulungen - gepaart mit Überprüfungen - vermitteln." (dpa)