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Dresden

Immer tiefer in den Drogenstrudel

Viermal gab es Geldstrafen, nun muss ein gelernter Verkäufer ins Gefängnis. Er wollte einer Studentin das Handy rauben.

Ein 35-jähriger Dresdner wurde vor Gericht verurteilt. Er muss nun eine Haftstrafe antreten.
Ein 35-jähriger Dresdner wurde vor Gericht verurteilt. Er muss nun eine Haftstrafe antreten. © dpa

Als Lars K. noch nicht süchtig gewesen ist, hatte der 35-jährige Dresdner einen Realschulabschluss geschafft, eine Verkäuferlehre absolviert und anschließend drei Jahre in seinem Beruf gearbeitet. Ab 2007 jedoch begannen der Crystal-Konsum und die Brüche in der Vita, jedenfalls wenn stimmt, was in K.s früheren Verurteilungen steht. Er fand keine Arbeit mehr und wenn doch, waren es nur Gelegenheitsjobs im Callcenter oder als Garten- und Landschaftsbauer. Immerhin ist er trotz Geldknappheit noch zehn Jahre strafrechtlich nicht aufgefallen. Seit der Deutsche jedoch im Februar 2017 erstmals verurteilt wurde, ging es Schlag auf Schlag – viermal wurde er verurteilt, unter anderem wegen Drogenbesitzes, Körperverletzung, Diebstahls und Widerstands gegen Polizisten. Da es stets Geldstrafen waren, kann es sich nicht um erhebliche Taten gehandelt haben.

Seit Montag ist auch das anders. Nun stand der inzwischen wohnungslose Lars K. erstmals wegen eines Verbrechenvorwurfs vor dem Schöffengericht des Amtsgericht Dresden. Am 3. Oktober soll K. versucht haben, einer italienischen Austauschstudentin ein Handy zu rauben. Er hatte die Frau um 1.45 Uhr am Albertplatz angesprochen und recht unverblümt nach ihrem Handy gegriffen, auf dem die junge Frau gerade nach der nächsten Straßenbahn suchte. Zum Glück sprangen ihr zwei Kommilitonen aus Indien bei, die sich dem Angeklagten in den Weg gestellt hatten. Einen habe K. laut Anklage in die Rippen getreten. Das iPhone erlangte K. jedoch nicht und wurde noch vor Ort gestellt. Bereits im Juni 2018 soll er in einer Aldi-Filiale in Seidnitz auf ein Pärchen eingeschlagen haben. Und wieder verletzte er einen Kunden mit einem Schlag gegen den Kopf, der couragiert dazwischengegangen war.

Im Prozess machte K. keine Angaben, schnitt aber seinem Verteidiger Gerhard Rahn das Wort ab. Ganz offensichtlich akzeptierte er die Vorwürfe nicht. Dabei hatten vor allem die indischen Zeugen genau geschildert, was passiert war, auch wenn sie ihn nicht identifizieren konnten oder wollten. Offen blieb, warum er das Pärchen bei Aldi geschlagen hatte.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen versuchten Raubes und Körperverletzung zu zwei Jahren und elf Monaten Haft. Darin enthalten sind auch frühere Verurteilungen. Der Vorsitzende Richter Arnd Fiedler kritisierte, dass K. nicht willens sei, sein Drogenproblem anzugehen.

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