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Immer weniger Flüchtlinge

Nur knapp jeder vierte Platz in den Erstaufnahmelagern in Sachsen ist belegt. Die Regierung glaubt aber nicht an ein Ende der Krise.

© dpa

Von Karin Schlottmann und Ulf Mallek

Dresden. Der Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland ist im Januar drastisch zurückgegangen. Deshalb sind auch in Sachsen weniger Menschen aus Krisengebieten angekommen als in den letzten drei Monaten des vorigen Jahres. Nach Angaben des Innenministeriums hat das Land seit dem 1. Januar 2 540 Asylbewerber aufgenommen. Allein im Oktober betrug die Zahl rund 14 300, im Dezember waren es sogar 16 800. Seit Ende des Jahres kommen immer weniger Flüchtlinge in Sachsen an.

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Die Folge ist eine spürbare Entlastung der Erstaufnahmeeinrichtungen. Von den 19 421 Plätzen sind derzeit lediglich 5 467 belegt. Damit sind etwa drei Viertel der Betten ungenutzt. Einige Standorte wie die kurzfristig errichtete Unterkunft am Dresdner Flughafen stehen komplett leer. Dort könnte die Landesdirektion sofort 600 Menschen unterbringen.

Die größte Erstaufnahmeeinrichtung in Sachsen ist zurzeit das frühere Technische Rathaus in Dresden. Dort sind von 1 600 verfügbaren Plätzen 773 belegt. Im Landkreis Meißen ist derzeit der frühere Real-Einkaufsmarkt in Niederau am geringsten ausgelastet. Hier leben lediglich 159 Flüchtlinge. Das Gebäude bietet 800 Plätze.

Die aktuellen Zahlen vom Januar liegen aber trotz des drastischen Rückgangs immer noch deutlich über dem Vorjahresmonat. Nach wie vor kommen die meisten Flüchtlinge aus Syrien, sagte Ministeriumssprecher Andreas Kunze-Gubsch. Zweitgrößte Herkunftsländer sind Irak und Afghanistan. Der Anteil der Tunesier beträgt unter einem Prozent.

Ob sich die Lage wegen des Winters nur vorübergehend verändert hat, oder ob die Flucht durch die Grenzsicherungen in vielen Staaten entlang der Balkanroute dauerhaft erschwert wird, ist unklar. Die Landesregierung will vorerst auf keinen der landesweit 48 Standorte verzichten. Auch die Suche nach gut geeigneten Immobilien geht weiter. Offenbar stellt sich das Ministerium darauf ein, dass die Flüchtlingszahlen im Frühjahr wieder ansteigen.

Ungeachtet der Unterbelegung in den Erstaufnahmelagern setzt das Land die Verteilung der Bewerber auf die Kommunen fort – allerdings in geringerem Ausmaß als geplant. In den ersten drei Januar-Wochen hat die zuständige Behörde knapp 3 000 Menschen an die Landkreise übergeben.

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