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Immer wieder Alarm im Greenpark

2017 wurde die Feuerwehr 70-mal zur Bautzener Flüchtlingsunterkunft gerufen. Nur selten ging es um echte Notfälle.

© Uwe Soeder / Montage

Von Marleen Hollenbach

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Bautzen. Die Zahl ist beachtlich. Rückte im vergangenen Jahr die Bautzener Feuerwehr aus, dann fuhren die Kameraden nicht selten zur Flinzstraße. Insgesamt 70 Mal wurden sie zur Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge gerufen. Keine sieben Tage liegt ihr letzter Einsatz dort zurück. Am Sonntagmorgen hatte ein 40-jähriger Bewohner der Unterkunft einen Kasten aus der Verankerung gehoben und diesen angezündet. Den Kameraden gelang es, den Brand zu löschen, noch bevor großer Schaden entstehen konnte. Die Polizei nahm den Brandstifter vorübergehend fest.

Dass die Bautzener Feuerwehr tatsächlich vor Ort einen Brand löschen muss, ist jedoch eine Ausnahme. Viel öfter fanden die Kameraden im vergangenen Jahr verbranntes Essen in der Flüchtlingsunterkunft vor. Wie Markus Bergander, Leiter der Berufsfeuerwehr mitteilt, überwogen 2017 an der Flinzstraße aber vor allem eines: die Fehlalarme.

Manchmal ist die Technik Schuld daran, dass die Feuerwehr umsonst zum Einsatzort fährt. Brandmeldeanlagen empfangen die Signale von Rauchmeldern und reagieren schnell darauf. Zum Beispiel, indem sie der Leitstelle in Hoyerswerda melden, dass es brennt. Ihre Installation ist in vielen öffentlichen Gebäuden Pflicht – in Schulen, in Krankenhäusern, im Landratsamt und eben auch in der Bautzener Flüchtlingsunterkunft. Immer dann, wenn eine solche Anlage Alarm auslöst, rückt auch die Feuerwehr aus. Ist der Brandmelder jedoch defekt, oder wird er durch elektromagnetische Fehler gestört, dann kann es zu einem Fehlalarm kommen.

Kameras am Brandmelder
Verbranntes Essen, ein technischer Defekt der Brandmeldeanlage, das sind beides Gründe für die vielen Einsätze am „Greenpark“. Es gibt aber noch eine weitere Erklärung. „Insbesondere im zweiten Quartal 2017 war die häufigste Ursache böswillig ausgelöste Alarme durch das Einschlagen der Handdruckmelder“, erklärt Markus Bergander. Der Chef der Feuerwehr in Bautzen weiß auch: So viele Einsätze wie 2017 gab es an der Gemeinschaftsunterkunft noch nie. Die Zahl der Alarme habe in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen, berichtet er.

Eine Entwicklung, die den Verantwortlichen nicht verborgen geblieben ist. Der Landkreis hat die Firma Campanet mit der Betreuung der Flüchtlinge an der Flinzstraße beauftragt. Landratsamtssprecher Gernot Schweitzer erklärt, dass oftmals ein Rauchmelder in der Nähe der Küche den Alarm ausgelöst hat, weil einer der aktuell 239 Bewohner die Kochfelder nicht richtig benutzt hat. Er bestätigt aber auch, dass Alarmmissbrauch eine weitere Ursache war. „Im Oktober 2017 gab es deshalb einen Termin mit der Feuerwehr, der Bauaufsicht der Stadt, der Heimleitung und unserem Ausländeramt“, berichtet Gernot Schweitzer. Dabei habe man viele technische und organisatorische Maßnahmen besprechen können. Diese seien mittlerweile umgesetzt worden. Nach SZ-Informationen handelt es sich zum Beispiel um Kameras, die der Betreiber an die Handdruckmelder angebracht hat. „Zudem wurde ein Störenfried gestellt, der Alarmmissbrauch durch Einschlagen der Handmelder betrieben hatte“, so Schweitzer. Wie das Bautzener Landratsamt mitteilt, haben die Maßnahmen bereits Wirkung gezeigt. In den letzten zwei Monaten hätte die Feuerwehr lediglich dreimal kommen müssen.

Damit liegt der „Greenpark“ bei den Feuerwehreinsätzen unter dem Durchschnitt anderer Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises. Denn nicht nur an der Flinzstraße lösen die Brandmeldeanlagen immer wieder Alarm aus. „Es gibt auch in anderen Gemeinschaftsunterkünften Einsätze der Feuerwehr. Das kommt jeden Monat vor“, so Schweitzer.

Fehlalarme gab es zum Beispiel auch im Spreehotel, als dort noch Flüchtlinge wohnten. „Gemeinsam mit der Polizei und mit viel sozialer Betreuung haben wir versucht, das Problem in den Griff zu bekommen“, erklärt Steffen Grundmann, der als Sozialarbeiter im Spreehotel tätig war. Grundmann hofft, dass nun auch im Greenpark die Zahl der Einsätze niedrig bleibt. „Die Fehlalarme sind ja für alle belastend. Für die Anlieger, die restlichen Bewohner und natürlich auch für die Kameraden der Feuerwehr“, sagt er.