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In Bautzens Schulen wird es eng

Weil es immer mehr Grundschüler gibt, muss die Stadt handeln. Die Lösung: mehr Klassen und eine bessere Verteilung.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Die Klassenzimmer sind voll. Jeder Stuhl in Bautzens Grundschulen ist besetzt. Ein Zustand, der sich so schnell nicht ändern wird. Im Gegenteil. Ein Blick auf die Prognose der Stadt zeigt: Die Zahl der Schüler wird weiter steigen. Die Stadt muss handeln und hat nun einen ersten Schritt unternommen. Die Verwaltung löst die Grundschulbezirke auf. Eltern haben jetzt die Wahl – aber nicht das letzte Wort.

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Was bedeutet die Auflösung der Grundschulbezirke?

Statt vier Schulbezirken gibt es in der Stadt bald nur noch einen. Eltern in Bautzen können ab dem Schuljahr 2018/2019 selbst entscheiden, auf welche Grundschule innerhalb des Schulbezirkes sie ihre Kinder schicken wollen. Das heißt, sie wählen eine der vier städtischen Einrichtungen aus. Bislang war die Verteilung anders geregelt. Die Kinder mussten die Schule besuchen, in deren Einzugsgebiet sie wohnten.

Können tatsächlich alle Wünsche der Eltern erfüllt werden?

Nein. Weil die Zahl der Kinder steigt, kann die Stadt Bautzen nicht garantieren, dass alle Wünsche erfüllt werden. Die Eltern haben auch keinen Anspruch auf ihre Wunschschule. Melden sich in einer der vier städtischen Einrichtungen mehr Kinder an, als aufgenommen werden können, dann entscheiden die Schulleiter und die Sächsische Bildungsagentur nach festen Kriterien darüber, wer bleiben darf und wer eine andere Grundschule besuchen muss. „Um den Eltern entgegenzukommen, können diese eine zweite Wunschschule angeben“, erklärt Finanzbürgermeister Robert Böhmer. Er ist zuversichtlich, dass die Stadt die erste oder zweite Wahl der Eltern berücksichtigen kann.

Nach welchen Kriterien werden die Kinder verteilt?

Oberste Priorität hat es, wenn ein Geschwisterkind bereits die Grundschule besucht. Auch Integrationskinder sollen vor allem in den Schulen lernen, die für ihre Betreuung auch gut vorbereitet sind. Das dritte Kriterium ist der Wohnort. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Eltern ihre Kinder quer durch die Stadt fahren müssen. Genau das befürchten einige Eltern. Dass es so kommt, ist auch nicht völlig ausgeschlossen. Sollte es für das Kind aber keine Schule in der Nähe geben, dann werden die Kosten für den Schülertransport vom Landkreis übernommen. Das war bisher schon so geregelt. Unabhängig von der Regelung können Eltern ihre Kinder natürlich auch in Schulen anmelden, die sich in freier Trägerschaft befinden.

Gilt die neue Regelung für alle Kinder in Bautzen?

Bisher nicht. Einige Kinder aus den westlich ländlichen Stadtteilen lernen derzeit in der Grundschule Göda. Vor vier Jahren ging die Stadt mit der Gemeinde einen Vertrag ein, weil in der Bautzener Fichteschule der Platz nicht reichte und Göda seine Schule nicht voll bekam. Aktuell betrifft das laut Thomas Groß, Amtsleiter für Bildung und Soziales, etwa hundert Bautzener Kinder. An dieser Vereinbarung möchte die Stadt festhalten. Das würde aber bedeuten: Familien aus Kleinwelka, Stiebitz oder Salzenforst könnten gar nicht von der neuen Wahlfreiheit profitieren, weil sie nicht zum Bautzener, sondern zum Gödaer Schulbezirk gehören. Die Stadt sucht jetzt nach einem Kompromiss. Denkbar wäre es, dass Göda und Bautzen einen gemeinsamen Schulbezirk bilden. Dann könnten alle Eltern – auch die aus Göda – eine der insgesamt fünf Grundschulen wählen. Der Bautzener Finanzbürgermeister hat diesen Plan schon in Göda vorgestellt. Entschieden wurde darüber aber noch nicht.

Sind mit dieser Regelung alle Platzprobleme gelöst?

Nein, sind sie nicht. Zwar hofft die Stadt, die Kapazitäten der einzelnen Schulen noch besser auslasten zu können, wenn es die vier Grundschulbezirke nicht mehr gibt. Das heißt aber nicht, dass dann auch alle Kinder unterkommen. Schon jetzt ist geplant, dass es in einigen Grundschulen mehr Klassen geben wird. Dafür können teilweise Horträume umgenutzt werden. Die Curieschule soll ab dem Schuljahr 2018/2019 dauerhaft vierzügig, die Militzer-Grundschule dreizügig werden. Die Fichteschule und die Mättig-Grundschule bleiben zweizügig. Doch auch das ist nur eine Übergangslösung. Ohne eine weitere Grundschule wird es in Bautzen auf Dauer nicht gehen. Der Standort steht allerdings noch nicht fest. Im Gespräch ist bisher das Gebäude des Berufsschulzentrums an der Löbauer Straße.