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In den Frauenhäusern wird es eng

Tausende Gewaltopfer in Sachsen suchen Schutz und Hilfe – darunter sind immer mehr Migrantinnen.

© Symbolbild/Peter Steffen/dpa

Von Gunnar Saft

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Vom Mut, nicht wegzusehen.  

Joachim Gauck erinnert zum 30-jährigen Jubiläum an den Beginn der Wende in der DDR. 

Dresden. Sie bieten Zuflucht, um gewalttätigen Ehepartnern und Lebensgefährten zu entkommen: Geschützte Häuser und Wohnungen, in die sich Frauen und Männer vor den Übergriffen retten können. Doch nicht immer reicht dort der Platz für alle Bedrängten und Gefährdeten.

Allein in Dresden mussten im vergangenen Jahr 485 Frauen und 17 Männer durch Mitarbeiter der Interventions- und Koordinierungsstelle zur Bekämpfung häuslicher Gewalt und Stalking (D.I.K.) betreut werden. In dem Zusammenhang erfasste man 325 Kinder, die gewalttätige Auseinandersetzungen mitverfolgen mussten, sowie 91 Kinder, die direkt Gewalttätigkeiten ausgesetzt waren. Die D.I.K.-Experten kommen in vielen Fällen nach Hinweisen der Polizei zum Einsatz, bieten jedoch auch mutmaßlichen Opfern von sich aus eine freiwillige Beratung durch ihr Team an.

Die landesweiten Zahlen für Gewaltopfer im vergangenen Jahr liegen noch nicht komplett vor. 2016 suchten in Sachsen insgesamt 1 908 Frauen und 146 Männer Hilfe. Hinzu kamen laut den zuständigen Interventions- und Koordinierungsstellen noch einmal 2 626 Kinder, die indirekt oder direkt von Gewalt betroffen waren.

Als Problem erweist sich aber immer mehr die zeitweise Unterbringung dieser Opfer in geschützten Einrichtungen. Gegenwärtig gibt es sachsenweit 14 staatlich geförderte Häuser, die Frauen und Kinder in Not aufnehmen. Die Zahl der dort verfügbaren Plätze sank jedoch seit 2009 von zunächst fast 300 auf inzwischen noch 220. So schlossen einige Schutzhäuser, zum Teil wurde die Kapazität vor Ort verringert.

Doch mit der Flüchtlingskrise stieg die Nachfrage wieder an. Von den rund 550 Frauen und 600 Kindern, die jeweils in den Jahren 2015 und 2016 Schutz in einer der sächsischen Einrichtungen suchten, waren fast die Hälfte Migranten. Ein Trend, der laut Staatsregierung im Jahr 2017 zugenommen hat. Vor allem Frauenhäuser in den Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz sowie angrenzenden Landkreisen seien inzwischen oft überfüllt und müssten in vielen Fällen Betroffene abweisen. Petra Köpping (SPD), Staatsministerin für Gleichstellung und Integration: „Ich bin mir der Problematik einer bedarfsgerechten Weiterentwicklung des Hilfesystems bewusst. Der Freistaat hat in den letzten Jahren seine Fördermittel erheblich erhöht. Eine weitere Optimierung des Hilfesystems ist an die Bereitschaft der Landkreise und Kommunen zur Kofinanzierung gebunden.“

2017 wurden zudem in Dresden und Leipzig erstmals auch geschützte Wohnungen speziell für Männer eingerichtet. Für die insgesamt sechs Plätze gibt es zum Teil Wartelisten, etliche Betroffene mussten auch dort erst einmal abgewiesen werden.