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In den Sphären des Martin Luther

Stefan Knechtel gestaltet eine Plastik, die in Ziegra aufgestellt wird. Seine Idee stellt er jetzt schon vor.

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

Döbeln. Döbeln lässt sich ein Kunstwerk schenken. Der Stadtrat, der auch in solchen Fällen zustimmen muss, hat schon ja gesagt. In Ziegra am Lutherweg wird die Plastik „Globus – Sphären“ des Künstlers Stefan Knechtel aufgestellt. Einen Vorgeschmack darauf bekommen die Döbelner jetzt schon im Stadtmuseum. Dort wird Knechtel seine Idee in einer Ausstellung vorstellen. „Es geht darum, an Luther zu erinnern, ohne ihn als Porträt darzustellen“, sagte er.

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Die Idee für seine Sphären hat Stefan Knechtel schon vor etlichen Jahren entwickelt. Wenn man seine Holzschnitte ausschneiden und richtig zusammenkleben würde, dann entstünden daraus Globen. So haben in der Zeit Luthers vor über 500 Jahren Kartografen damit begonnen, dreidimensionale Abbildungen des Himmels und der Erde zu produzieren. Die Renaissance war auch eine Zeit der großen Entdeckungen und des Wissenzuwachses. „Die Leute haben sich damals die Erde als Scheibe vorgestellt. Es war ein Schritt der Erkenntnis, dass wir auf einem Globus leben, auf dem wir auch Spuren hinterlassen und Einfluss nehmen. Im Geiste sind wir immer noch auf einer Scheibe, wenn angezweifelt wird, dass die Umweltschäden für uns drastische Folgen haben.“

Knechtel hat damit experimentiert, die Globen in zweidimensionale Abbildungen zu überführen. Was damals entstanden ist, nennt er „sphärische Zweiecke“. Zwölf Stück davon ergeben einen Globus. Es geht dem Künstler aber nicht um die Abbildung der realen Welt. Er hat seine eigenen Vorstellungen von Himmel und Erde aufs Papier gebracht.

Der Besucher bekommt auch eine Vorstellung davon, wie Knechtel seine Holzschnitte gedruckt hat. In der Ausstellung steht ein Druckstock in Globusform: Eine bearbeitete Holzkugel von 75 Zentimeter Durchmesser, auf die der Künstler das Papier für seine Drucke aufgelegt hatte.

Die Plastik für Ziegra wird natürlich nicht aus Papier, sondern aus Stahl hergestellt. Neun seiner sphärischen Zweiecke, jedes zwei Meter hoch, werden dazu im Halbkreis aufgestellt – mit Lücken. „Die technische Umsetzung ist eine anstrengende Phase“, sagt Knechtel. Die mit Laser ausgeschnittenen Platten werden vom Künstler noch mit einem geätzten Relief versehen.

Mit seiner Idee für Kunst am Lutherweg hatte sich Knechtel mit 16 weiteren Künstlerinnen und Künstlern an einem Wettbewerb beteiligt, der vom Künstlerhaus Schaddelmühle bei Grimma ausgeschrieben wurde. Insgesamt werden vier Kunstwerke am Lutherweg aufgestellt. In Döbeln waren die Teiche am Rittergut in Ziegra ausgewählt worden. Das Projekt wird von den sogenannten Leadergebieten der Region finanziert. Döbeln ist mit rund 4000 Euro beteiligt. Das geschenkte Kunstwerk hat einen Wert von rund 12 000 Euro. Bis September dieses Jahres ist die Realisierung geplant.

Knechtel, der 1964 geboren wurde und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert hatte, will den Döbelnern seine Ideen und Arbeitsweisen auch ganz praktisch näher bringen. Am 2. Juni gibt es mit ihm einen Workshop.

Eröffnung Ausstellung im Stadtmuseum am heutigen Freitag, 25. Mai, 19.30 Uhr

Workshop am 2. Juni von 11 bis 15 Uhr. Anmeldung bei Kathrin Fuchs unter Tel. 03431 579138